
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
UGT: Ausländerfeindliche Politik verschärft Wohnungsnot
Ein Vorstoß mit Sprengkraft
Im andalusischen Parlament hat eine gemeinsame Initiative von Partido Popular (PP) und Vox für empörte Reaktionen gesorgt. Die konservativen Kräfte brachten einen Antrag ein, der eine „bevorzugte Behandlung von Einheimischen“ beim Zugang zu Sozialwohnungen fordert. Besonders brisant: Das Papier enthält zudem Forderungen nach Ausweisungen von Migranten.
Die sozialistische Gewerkschaft UGT-Andalusien reagierte umgehend mit scharfer Kritik. In einer offiziellen Stellungnahme sprach sie von einem „tiefen Missfallen“ über den Vorstoß. Die Sorge der Gewerkschaft: Hier werde eines der drängendsten sozialen Probleme der Region – die Wohnungsfrage – gezielt genutzt, um gesellschaftliche Spaltungen zu vertiefen.
Mieten als Luxusgut
Die Gewerkschaft untermauert ihre Position mit alarmierenden Zahlen. Fast die Hälfte aller Mieteinnahmen in Spanien fließt demnach in die Taschen der reichsten zehn Prozent der Haushalte. Gleichzeitig gehören Migranten zu den am stärksten betroffenen Gruppen, wenn es um bezahlbaren Wohnraum geht.
„Das Problem einer Familie, die ihre Miete nicht zahlen kann, ist nicht die Migrantenfamilie in der Nachbarwohnung“, stellt die UGT klar. Vielmehr sei ein Dach über dem Kopf für viele arbeitende Menschen zu einem Luxus geworden – trotz regulärem Einkommen. Die Gewerkschaft verweist auf konkrete Lebensrealitäten: Junge Erwachsene, die nicht von zu Hause ausziehen können, Paare, die wegen explodierender Hypotheken auf Kinder verzichten, und Senioren, die um ihren Verbleib in den eigenen vier Wänden bangen.
Beitrag statt Belastung
Die UGT betont, dass die Herkunft einer Person niemals über den Zugang zu angemessenem Wohnraum entscheiden dürfe. „Die Bedürfnisse einer Familie verschwinden nicht, weil sie außerhalb Spaniens geboren wurde“, heißt es in der Stellungnahme weiter. Die Verantwortung der öffentlichen Verwaltung bleibe unverändert, Vulnerabilität nach objektiven Kriterien zu beurteilen.
Die Gewerkschaft erinnert zudem an die wirtschaftliche Bedeutung von Migranten: Sie arbeiten in der Landwirtschaft, pflegen Senioren, beschäftigen sich im Gastgewerbe und auf dem Bau. Verbandsdaten des Banco de España zeigen, dass die ausländische Bevölkerung zwischen 2022 und 2024 jährlich zwischen 0,4 und 0,7 Prozentpunkten zum Wachstum des Pro-Kopf-BIP beigetragen hat.
Strukturelle Ursachen ignoriert
Nach Ansicht der UGT lenkt der Vorstoß von den eigentlichen Problemen ab: dem Mangel an öffentlichem Wohnraum, steigenden Mieten, spekulativen Investitionen und dem Einfluss von Ferienwohnungen auf den lokalen Markt. Ein Blick nach Ungarn belege, dass demografische Entwicklungen nicht die alleinige Ursache seien – trotz jahrelangen Bevölkerungsrückgangs verzeichnete das Land laut Eurostat Preissteigerungen von rund 210 Prozent seit 2015.
Die Gewerkschaft warnt davor, dass die Spaltung der Arbeitnehmerschaft nur denjenigen nütze, die von einer geschwächten Arbeiterklasse profitierten. Wer Migranten als Sündenböcke präsentiere, verkenne die Realität des gemeinsamen Arbeits- und Lebensalltags.
Quelle: europapress.es