
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Sánchez setzt auf Polarisierung
Ein Wahlkampf als Richtungsentscheidung
Die Ankündigung der vorgezogenen Neuwahlen am 29. November war für Pedro Sánchez nur der Auftakt. In einer als erstem Wahlkampfauftritt gewerteten Erklärung skizzierte der Regierungschef den Rahmen für die kommenden acht Wochen: eine grundsätzliche Auseinandersetzung zwischen fortschrittlichem und konservativem Lager. Seine Botschaft an die Wähler: die Wahl zwischen einem "Bollwerk" progressiver Politik und einer von rechts dominierten Koalition.
Moncloa setzt auf Mobilisierungseffekt
In der Regierungszentrale und der sozialistischen Parteizentrale rechnet man mit einem intensiven und stark ideologisch geprägten Wahlkampf. Das Kalkül dahinter ist offensichtlich: Durch die Zuspitzung auf einen Dualismus zwischen links und rechts soll die eigene Anhängerschaft mobilisiert werden. Regierungskreise räumen ein, dass die Ausgangslage schwierig sei – die Umfragen sehen das linke Lager nicht vorn. Man vertraue jedoch darauf, dass die vorgezogene Wahl die progressiven Wähler aktivieren werde. Die Hoffnung: "Es gibt nichts, was so mobilisiert wie die Auslösung von Wahlen."
Die eigenen linken Bündnispartner kommen dabei nicht zu kurz. Von ihnen erwartet man in Moncloa beschleunigte Verhandlungen über gemeinsame Kandidaturen und Strategien. Das Ziel ist ein möglichst geschlossenes Auftreten des progressiven Lagers, denn, so die Devise aus dem Regierungsumfeld: "Jede Stimme zählt."
Strategie gegen die "ultrarechte Welle"
Sánchez kehrt damit zu einem Muster zurück, das ihm bereits 2023 genutzt hat: die Darstellung der Wahl als Weichenstellung gegen eine Regierungsbeteiligung von PP und Vox. Ähnlich wie damals, als die Möglichkeit einer solchen Koalition ein zentrales Wahlkampfthema war, soll nun wieder der Fokus auf die Gegnerschaft gelegt werden. Ein Unterschied ist jedoch die Ausgangslage: Nach drei Jahren Legislaturperiode prägen Korruptionsaffären und interne Krisen das Bild der Sozialisten.
Einheit von PP und Vox als Erzählung
Die Strategie sieht zudem vor, die inhaltlichen und strategischen Unterschiede zwischen der konservativen Volkspartei (PP) und der rechtspopulistischen Vox zu verwischen. Die Madrider Regionalpräsidentin Isabel Díaz Ayuso dient als bevorzugte Zielscheibe, um diesen vermeintlichen Schulterschluss zu illustrieren. Man präsentiert sie als Sinnbild einer Politik, die öffentliche Ressourcen für private Elite-Interessen nutze.
Jüngste Aussagen von Ayuso und Vox-Chef Santiago Abascal, die Zweifel an der Integrität des Wahlprozesses äußerten, kommen der Sozialpartei gelegen. Diese Äußerungen werden als Ausdruck eines "Trumpismus in Reinform" gewertet. Aus ihnen leitet man in Moncloa den Schluss ab: "Ayuso ist Vox, der PP ist Vox."
Das unkalkulierte Justizrisiko
Trotz der offensiven Planung bleibt ein Unsicherheitsfaktor bestehen: die anhaltenden Ermittlungen und Verfahren gegen sozialistische Politiker. In der Partei gibt man zu, die Auswirkungen dieser Justizfälle auf den Wahlkampf noch nicht abschätzen zu können. Man setzt dagegen auf das Potenzial einer möglichen progressiven Mehrheit und verweist auf die jüngsten Proteste im Land als Beleg für eine aktivierbare Basis.
Die gescheiterten Gesetzespakete zur Wohnungspolitik, die am vergangenen Freitag im Parlament durchfielen, werden im Wahlkampf als Beleg für die Handlungsunfähigkeit der bisherigen Koalition genutzt werden. Der Wahltermin ist gesetzt, die Strategie steht – ob der Plan aufgeht, wird sich am 29. November zeigen, so berichtet es das Nachrichtenportal 20minutos.es.
Quelle: 20minutos.es