
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Streit um Kreuzfahrtschiff belastet Verhältnis Madrid-Kanaren
Eskalation im Nachgang einer Schiffsquarantäne
Das Verhältnis zwischen der spanischen Zentralregierung und der autonomen Regierung der Kanarischen Inseln bleibt nach dem Vorfall mit dem Kreuzfahrtschiff MV Hondius schwer belastet. Der Konflikt, der sich um die Handhabung eines Verdachtsfalls auf Hantavirus an Bord des Schiffes vor Teneriffa entzündete, wird nun öffentlich und mit harten Bandagen ausgetragen. Wie aus aktuellen Stellungnahmen hervorgeht, ist eine sachliche Aufarbeitung des Vorfalls derzeit nicht in Sicht.
Minister Torres wirft "Paranoia" und politisches Scheitern vor
Ángel Víctor Torres, Minister für Territorialpolitik und Demokratische Erinnerung sowie ehemaliger Präsident der Kanaren, hat in einer Fernsehinterkview die Haltung des aktuellen kanarischen Präsidenten Fernando Clavijo scharf kritisiert. Torres, der auch Generalsekretär der PSOE auf den Kanaren ist, bezeichnete Clavijos Verhalten als "absurde Paranoia". Er warf dem Regionalpräsidenten vor, er sähe überall "Verschwörungen" und fühle sich bedroht, nachdem er selbst einen "tremenden politischen Fehler" begangen habe.
"Er greift andere an, um sich selbst zu verteidigen, und steht damit bloß", so Torres wörtlich gegenüber TVE. Seiner Ansicht nach habe es in der gesamten Angelegenheit "unnötigen Streit" und "Alarmismus" gegeben. Zwar zeigte er Verständnis für anfängliche Sorgen in der Bevölkerung, forderte Clavijo jedoch mehrmals öffentlich auf, seinen Fehler einzugestehen: "Er lässt nicht lange auf sich warten, zu sagen, ich habe mich geirrt". Torres betonte, er biete weiterhin die Hand zur Zusammenarbeit "im Verteidigung des Allgemeininteresses", werde sich aber von niemandem "Lektionen in Kanarisch-Sein" erteilen lassen.
Clavijos Vorwurf: Zentralistische Arroganz und bewusste Täuschung
Präsident Fernando Clavijo von der Coalición Canaria konterte seinerseits im regionalen Parlament mit schweren Vorwürfen gegen Madrid. Er geißelte den "Caciquismus, die Überheblichkeit und Arroganz" der Regierung in der Moncloa. Seine Ablehnung der ursprünglichen Pläne für das Schiff und seine Forderung nach umfassender Information seien kein "politischer Taktizismus" gewesen, sondern dem Schutz der Kanarer geschuldet.
Clavijo bestritt, die Anlandung des Schiffes generell verweigert zu haben. Sein Hauptvorwurf lautet, die Zentralregierung habe die Regionalregierung bewusst ausgeschlossen und Informationen vorenthalten. "Man kann nicht nach Canarias kommen und sagen, wir haben keine Ahnung, uns beiseiteschieben, uns Informationen vorenthalten und verstecken und dann sagen, jetzt unterschreibst du es", erklärte er seine Entscheidung, die Einfahrt in den Hafen von Granadilla auf Teneriffa nicht selbst zu autorisieren.
Kern des Dissenses: Informationsfluss und Verantwortung
Der konkrete Streitpunkt liegt in der Frage der Zuständigkeit und Kommunikation. Clavijo beharrt darauf, dass die Zentralregierung den Hafen hätte anlaufen lassen müssen, da sie die operative Leitung übernahm. Er wirft Madrid vor, den positiven Befund eines Passagiers an Bord zunächst bewusst verschwiegen zu haben – ein Vorwurf, den die Zentralregierung zurückweist. Die Evakuierung dieses Passagiers auf dem Luftweg sei ohne vorherige PCR-Tests erfolgt, obwohl kanarische Wissenschaftler diese für möglich hielten.
Clavijo räumte ein, in der hoch emotionalen Lage möglicherweise Fehler gemacht zu haben, nannte jedoch keine konkreten. Sollte sich eine ähnliche Situation wiederholen, würde er "genauso handeln". Er dankte unterdessen dem oppositionellen PP-Vorsitzenden Alberto Núñez Feijóo und König Felipe VI. für anfragende Telefonate.
Fazit: Eine Krise mit offenem Ende
Die gegenseitigen Beschuldigungen zeigen eine tiefe Vertrauenskrise zwischen den Regierungsebenen auf. Während die Zentralregierung unter Pedro Sánchez der Regionalregierung politisches Theater und Panikmache vorwirft, sieht sich diese im Stich gelassen und übergangen. Eine neutrale Aufklärung der Abläufe und Kommunikationspannen, die zu dieser eskalativen Öffentlichkeitsauseinandersetzung führten, steht noch aus. Der Fall belastet nicht nur die Zusammenarbeit in der aktuellen Krise, sondern wirft langfristige Fragen nach der Ausgestaltung der Autonomie und des Krisenmanagements in Spanien auf.