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Staatsanwaltschaft fordert Freispruch für Angeklagten
Ein Tod, zwei Wahrheiten: Der Fall Ana Buza spaltet die Justiz
Der Tod der jungen Ana Buza schien zunächst ein klares Bild zu ergeben: Ein Unfall auf der Autobahn, ein junges Leben ausgelöscht. Doch was in der Nacht auf der A-4 bei Carmona wirklich geschah, darüber streiten sich seit Jahren Gutachter, Ankläger und die verzweifelte Familie des Opfers. Nun hat die Staatsanwaltschaft eine bemerkenswerte Kehrtwende vollzogen und fordert die vollständige Freisprechung des Angeklagten, des damaligen Freundes von Ana Buza.
Die Staatsanwaltschaft sieht nach intensiver Prüfung der Gutachten des Verkehrsunfall-Analyseteams der Guardia Civil schlicht keine Grundlage für eine Anklage. Die Experten kommen zu dem Schluss, dass die Geschehnisse jener Nacht "nicht mit einem tödlichen Überfahren" vereinbar sind, wie es die Familie der Verstorbenen vehement behauptet. Diese These, die den jungen Mann belastet, sei durch die wissenschaftlichen Erkenntnisse der Ermittler nicht zu stützen. Die Anklagebehörde hat damit ihre ursprüngliche Forderung von drei Jahren Haft wegen fahrlässiger Tötung fallengelassen.
Fundamentale Zweifel an der Anklage
Damit stellt sich das Ministerium offen gegen die Darstellung der Eltern von Ana Buza, die in dem Angeklagten den Mörder ihrer Tochter sehen. Sie argumentieren, die 19-Jährige sei nicht einfach aus dem fahrenden Wagen gestürzt, sondern absichtlich überfahren worden. Ihre Anwälte halten an einer Anklage wegen Mordes fest und fordern eine Haftstrafe von 20 Jahren. Die von der Familie beauftragten Gutachter zerpflücken die Version der Guardia Civil regelrecht und betonen, dass ein Sturz aus einem mit 117 km/h fahrenden Auto auf dem Verzögerungsstreifen nicht mit lediglich "leichten Abschürfungen" enden könne.
Die gegensätzlichen Expertisen offenbaren ein tiefes Dilemma für das Schwurgericht. Es steht die Glaubwürdigkeit der Ermittlungsbehörden gegen die Verzweiflung einer Familie, die Gewissheit sucht. Die Staatsanwaltschaft hingegen argumentiert nüchtern mit der Beweislage. Es fehle schlicht an stichhaltigen Indizien, die einen Tötungsvorsatz oder auch nur eine strafbare Fahrlässigkeit des Angeklagten belegen würden. Der Fall ist damit erneut auf der Kippe, das Verfahren wurde zur Urteilsfindung an die Geschworenen übergeben.
Ein Urteil mit Signalwirkung
Das Urteil der Jury könnte wegweisend sein. Sollten die Laienrichter der Argumentation der Staatsanwaltschaft folgen, wäre der Angeklagte ein freier Mann. Ein Freispruch würde jedoch die Frage aufwerfen, wie es zu den widersprüchlichen Gutachten kommen konnte. Sollten sie jedoch der Anklage der Familie folgen, stünde die Aussage der offiziellen Unfallrekonstruktion massiv in Frage. Der Prozess ist mehr als nur ein Einzelfall; er ist ein Test für das Vertrauen in die Arbeit der Ermittlungsbehörden. Die Entscheidung der Jury, die in der kommenden Woche erwartet wird, wird zeigen, wessen Version von "Wahrheit" vor Gericht Bestand hat.
Wie die Nachrichtenagentur Europa Press berichtet, bleibt der Fall nach der heutigen Anhörung für das Urteil vorbereitet. Die kommenden Tage werden entscheiden, ob das Gericht die Sichtweise der Anklage oder die nüchterne Sachlichkeit der Beweisaufnahme übernimmt.
Quelle: europapress.es