
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
St. Regis investiert 500 Millionen in Marbella
Ein Milliardengrab oder ein Gewinn für die Stadt?
Wer glaubt, dass Luxusprojekte an der Costa del Sol nur exklusive Enklaven für Superreiche schaffen, der hat die Rechnung ohne die neuen Pläne für Marbellas Osten gemacht. Der St. Regis-Komplex, den der Hongkonger Fonds Platinum Estates gemeinsam mit dem lokalen Partner Sierra Blanca Estates realisiert, sprengt nicht nur preislich alle Dimensionen – er verspricht auch eine städtebauliche Kehrtwende.
Die Zahlen sind atemberaubend: Über 500 Millionen Euro investiert die Privatwirtschaft in ein Areal von 16 Hektar in Las Dunas. Zum Vergleich: Das entspricht in etwa dem gesamten Jahresetat der Provinzverwaltung von Málaga. Doch während Kritiker bei solchen Summen reflexartig von Betonwüsten und geschlossenen Gesellschaften sprechen, zeigt sich hier ein anderes Bild: Mehr als zwei Drittel des Geländes – exakt 110.000 Quadratmeter – werden öffentlich zugänglich sein. Das ist keine Selbstverständlichkeit, sondern ein Novum in dieser Preisklasse.
Die Dünen kehren zurück
Das Herzstück des Projekts liegt nicht in den 169 Hotelzimmern oder den 151 Luxusresidenzen, sondern im Umweltengagement. Die sogenannte Duna Real de Zaragoza, Teil der 2015 ausgerufenen ökologischen Reserve Dunas de Marbella, wird auf 3,2 Hektar regeneriert, weitere 1,6 Hektar im Umfeld folgen. Dazu kommen 516 Meter neuer Senda Litoral, die den Küstenwanderweg entlang der A-7 endlich schließen sollen.
Doch damit nicht genug: Der Arroyo Real de Zaragoza wird renaturiert, auf 13.000 Quadratmetern werden invasive Pflanzenarten entfernt und heimische Vegetation gestärkt. Wer jetzt noch behauptet, Luxushotels und Naturschutz seien unvereinbar, dem sei gesagt: Dieses Projekt beweist das Gegenteil – vorausgesetzt, die Versprechen werden eingehalten.
Ein Verkehrskonzept, das die A-7 entlastet
Der heikelste Punkt dürfte die Mobilität sein. Marbellas Bürgermeisterin Ángeles Muñoz spricht von einer „Infrastruktur fundamentaler Bedeutung“: Eine neue Service-Straße parallel zur Autobahn A-7 soll täglich 15.000 Fahrzeuge aus dem Hauptstrang ziehen. 277 öffentliche Parkplätze entstehen, ein 40 Meter langer Holzsteg verbindet das Areal mit der Nachbarsiedlung Golden Beach.
Die Investition von 15 Millionen Euro in diese Verkehrsmaßnahmen ist klug gewählt – denn ohne funktionierende Anbindung wäre selbst das luxuriöseste Resort zum Scheitern verurteilt. Die Bauarbeiten sollen noch vor Jahresende beginnen und 18 Monate dauern. Bis zur Fertigstellung des Gesamtkomplexes 2031 wird sich zeigen, ob die Anwohner tatsächlich von weniger Stau profitieren oder ob der zusätzliche Verkehr die Straßen kollabieren lässt.
Arbeitsplätze als Argument
Die wirtschaftlichen Effekte sind beeindruckend: 2.000 direkte und 4.500 indirekte Arbeitsplätze während der Bauphase, 450 dauerhafte Stellen im Betrieb. Für eine Region, die stark vom Tourismus abhängt, sind das keine Peanuts. Carlos Rodríguez, CEO von Sierra Blanca Estates, formuliert es pathetisch: „Das Projekt gibt der Stadt Raum zurück.“ Roshni Mohinani von Platinum Estates ergänzt: „Wir setzen einen neuen Standard für Luxushospitality im Mittelmeerraum.“
Kritiker mögen einwenden, dass solche Projekte vor allem Immobilienpreise treiben und die einheimische Bevölkerung verdrängen. Doch die Faktenlage ist eindeutig: Die öffentlichen Flächen, die Dünenregeneration und die Verkehrsinfrastruktur sind keine Almosen, sondern vertraglich fixierte Auflagen. Wer das ignoriert, verkennt die Realität.
Ein Präzedenzfall für die Costa del Sol
Das St. Regis-Projekt könnte zum Blaupause-Charakter werden. Wenn es gelingt, Ultraluxus mit ökologischer Aufwertung und öffentlichem Nutzen zu verbinden, wäre das ein Modell für die gesamte spanische Mittelmeerküste. Die Lizenz zum Bauen wurde bereits im Mai erteilt – jetzt liegt es an den Investoren, ihre Ankündigungen wahr zu machen. Die Stadt Marbella hat jedenfalls alles zu gewinnen: Steuereinnahmen, Infrastruktur und ein Prestigeprojekt, das weit über die Grenzen Andalusiens strahlt.
Wie die Málaga-Zeitung Diario Sur berichtet, ist die Baugenehmigung bereits erteilt und die ersten Maßnahmen sollen noch in diesem Jahr starten. Die kommenden Jahre werden zeigen, ob dieser 500-Millionen-Wurf tatsächlich hält, was er verspricht – oder ob er nur ein weiteres Kapitel in der Geschichte der spanischen Immobilienblasen ist.
Quelle: diariosur.es