Spaniens Schatten über Black Beach

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Granada

Spaniens Schatten über Black Beach

von Redaktion3 Min. Lesezeit

Ein Hilferuf aus der Hölle von Malabo

Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit, den die Familien seit über zwanzig Monaten verlieren. David Rodríguez Ballesta aus Granada und Javier Marañón Montero aus Peñarroya-Pueblonuevo sitzen seit Januar 2025 im berüchtigten Gefängnis Black Beach in Äquatorialguinea. Was als privater Job in der Telekommunikationsbranche begann, wurde für die beiden Spanier zum Albtraum. Nun eskaliert die Lage: Ein Prozess steht unmittelbar bevor – doch die Anklage basiert, so die Vorwürfe, auf nichts. Die Angehörigen machen ihrer Wut Luft und rufen für den kommenden Samstag zu einer Protestkundgebung vor der Regierungsvertretung in Granada auf. Ihr Vorwurf wiegt schwer: „Abandonamento“ – das Gefühl, von der eigenen Regierung schlicht vergessen worden zu sein.

Ein Prozess, der keiner ist

Die Anklage lautet auf „illegale Bereicherung“. Ein Delikt, das nach geltendem Recht Äquatorialguineas ausschließlich für Amtsträger vorgesehen ist. Zwei Techniker, die im Auftrag einer Firma an der Einführung des digitalen Fernsehens arbeiteten, sollen sich daran bereichert haben? Die Beweislage, so die Hilfsorganisation „Asociación de Ayuda Javier y David – Derechos Humanos“, ist nach eigenen Angaben gleich null. Der Vorwurf der Familien ist vernichtend: Das gesamte Verfahren sei ein politisches Konstrukt. Die beiden Männer seien als menschliche Geiseln in einem wirtschaftlichen Konflikt instrumentalisiert worden, der nichts mit ihnen zu tun habe. Ein Schachzug, der an die dunkelsten Kapitel des Regimes von Teodoro Obiang erinnert – und Europa bislang nur achselzuckend zur Kenntnis nimmt.

Der Staat, der wegschaut

Wer die erhobenen Vorwürfe liest, fragt sich unweigerlich, was das Auswärtige Amt in Madrid eigentlich den ganzen Tag tut. Die Familien berichten von „reinen Routineantworten“ und einer „wirkungslosen konsularischen Unterstützung“. Politische Interventionen? Fehlanzeige. Eine Koordination mit dem Europäischen Parlament? Offenbar nicht existent. Selbst die von den Entführern offenbar geforderten Lösegelder verhandeln die Behörden angeblich nicht.

Man mag argumentieren, dass öffentliches Tamtam die Lage der Gefangenen verschlimmern könnte. Doch was ist mit der Fürsorgepflicht eines Staates gegenüber seinen Bürgern? Die bilaterale Abstinenz Madrids wirkt hier weniger wie Diplomatie, sondern vielmehr wie politisches Kalkül – oder schlichtweg Desinteresse. Während der Druck aus Brüssel gähnende Leere bietet und Spanien nur auf Durchzug schaltet, verrottet die Gesundheit der beiden Männer zusehends.

Ein Albtraum aus Krankheit und Willkür

Die humanitäre Katastrophe hinter Gittern ist das eigentliche Skandalon. Beide Spanier leiden an chronischen Erkrankungen, die nicht behandelt werden. Trinkwasser gibt es keins, die Nahrung ist ungenießbar. Die gesetzlich festgelegte Höchstdauer der Untersuchungshaft haben sie laut den Unterstützern inzwischen verdreifacht. Hinzu kommt eine perfide Schikane: Seit Monaten wird ihnen der Zugang zu ihren Anwälten verwehrt, selbst ein Arzt darf die Gefangenen nicht sehen, um ihren Zustand zu begutachten.

Das ist keine Justiz. Das ist Willkür. Und es ist eine Schande, dass sich zwei EU-Bürger in einem afrikanischen Gefängnis dem ausgesetzt sehen, während ihre Heimat zuschaut. Der Protest in Granada am Samstag wird daher nicht nur ein Signal an die Regierung in Malabo sein, sondern eine rhetorische Ohrfeige an jene in Madrid, die ihre schützende Hand offenbar lieber in den Taschen lässt, als sie über ihre Bürger zu halten.


Wie die Plattform Europa Press am Dienstag berichtete, plant die Angehörigen-Vereinigung eine Blockade des Verkehrs vor der Subdelegation der Regierung in Granada, um ihrem Anliegen Gehör zu verschaffen.


Quelle: europapress.es

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