Spanien vernetzt Krebsmedizin für Kinder

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Sevilla

Spanien vernetzt Krebsmedizin für Kinder

von Redaktion2 Min. Lesezeit

Das Virgen del Rocío Krankenhaus in Sevilla ist Teil eines ambitionierten Projekts, das die Krebsbehandlung für Kinder und Jugendliche in Spanien grundlegend verändern soll. Die Initiative namens „Sehop-Pencil“ der Spanischen Gesellschaft für Pädiatrische Hämatologie und Onkologie (Sehop) hat zum Ziel, die medizinische Versorgung zu vereinheitlichen und modernste Diagnostik für alle Patienten zugänglich zu machen – unabhängig davon, in welchem Krankenhaus sie behandelt werden.

Ungleiche Chancen als Ausgangspunkt

Gestartet wurde das Projekt im Jahr 2022 vom Krebsforschungsinstitut Vall d'Hebron in Barcelona. Der Hintergrund: Eine Umfrage unter Krankenhäusern hatte deutliche regionale Unterschiede bei der Verfügbarkeit von Gentests und personalisierten Behandlungsmethoden aufgedeckt. Während einige Zentren über hochmoderne Sequenzierungstechnologien verfügten, blieben andere Einrichtungen deutlich zurück. Diese Ungleichheit wollte man nicht länger hinnehmen.

Ein Netzwerk gegen den Flickenteppich

Die Lösung war der Aufbau einer koordinierten Zusammenarbeit, die mehr als 100 Spezialisten verschiedener Fachrichtungen aus ganz Spanien verbindet. Konkret entstand ein Verbund aus zehn spezialisierten Genom-Zentren, die über ein zentrales Patientenregistrierungssystem 45 Krankenhäuser mit Know-how versorgen. Das Virgen del Rocío bringt sich dabei als eines dieser Zentren vor allem mit der Entwicklung von Sequenzierungs-Panels für solide Tumore bei Kindern und Jugendlichen ein.

Gemeinsame Standards für bessere Therapien

Ein Schwerpunkt der Arbeit liegt auf der Harmonisierung der verschiedenen Sequenzierungsmethoden. Ziel ist es, einheitliche Kriterien zu schaffen, damit die Ergebnisse aus unterschiedlichen Laboren vergleichbar sind. Darüber hinaus haben die beteiligten Experten die Kriterien für Studien zur erblichen Krebsvorsorge überarbeitet und nationale Konsenspapiere sowie klinische Leitlinien für Diagnose und Behandlung erstellt. Ein kürzlich im Fachjournal „JCO Precision Oncology“ veröffentlichter Artikel beschreibt außerdem die Einrichtung interdisziplinärer Komitees, die komplexe Genomanalysen auswerten und über schwierige Fälle beraten.

Mehr als 900 Patienten profitieren bereits

Die Ergebnisse können sich sehen lassen: Seit Projektbeginn haben mehr als 900 Patienten Zugang zu Genomanalysen wie der Tumorsequenzierung erhalten. Für viele von ihnen war dies auch dann möglich, wenn ihr Behandlungskrankenhaus selbst nicht über die nötige Technik verfügt. Die gesammelten Daten werden derzeit ausgewertet; erste detaillierte Ergebnisse sollen in den kommenden Monaten veröffentlicht werden. Neben dem Krankenhaus in Sevilla sind weitere renommierte Einrichtungen beteiligt, darunter das Institut für Biomedizin in Sevilla (IBiS), das Universitätsklinikum La Paz in Madrid, die Universitätsklinik von Navarra sowie mehrere Forschungsinstitute in Valencia, Barcelona und Bilbao.

Zukunft sichern

Das Projekt steht jedoch vor einer entscheidenden Herausforderung: der langfristigen Finanzierung. Die Organisatoren arbeiten bereits mit Aufsichtsbehörden und Patientenverbänden zusammen, um neue Finanzierungsquellen zu erschließen und die etablierte Netzwerkstruktur dauerhaft zu festigen. Der eingeschlagene Weg scheint vielversprechend – er könnte die pädiatrische Onkologie in Spanien nachhaltig prägen. Wie die Fachgesellschaft Sehop mitteilt, liegt das übergeordnete Ziel darin, allen betroffenen Familien im Land die gleichen Chancen auf eine wirksame Behandlung zu bieten.


Quelle: europapress.es

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