Spanien fehlen 157.000 Wohnungen

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

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Spanien fehlen 157.000 Wohnungen

von Redaktion3 Min. Lesezeit

Ein Land baut sich arm

Zahlen, die wie ein Weckruf klingen sollten: Im letzten Jahr wurden in Spanien fast 158.000 Wohnungen weniger fertiggestellt, als neue Haushalte gegründet wurden. Die Schere zwischen Angebot und Nachfrage klafft so weit auseinander wie seit Jahren nicht mehr. Die Folge ist eine Preisentwicklung, die den Traum vom Eigenheim für viele zur Illusion werden lässt – und selbst Mieten werden zum Luxus.

Bauwirtschaft läuft dem Bedarf hoffnungslos hinterher

Zwar zeigt die Baukonjunktur zaghaft nach oben: In den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres wurden 67.564 Wohnungen begonnen, ein Plus von 10,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Doch das ist ein Tropfen auf den heißen Stein. Wie das Portal 20minutos.es unter Berufung auf Daten des Wohnungsbauministeriums berichtet, wurden in diesem Zeitraum lediglich 40.136 freie Wohnungen fertiggestellt – praktisch unverändert zum Vorjahr. Seit 2021 dümpelt die Zahl der fertiggestellten Immobilien pro Halbjahr bei mageren 40.000 Einheiten.

Rechnet man die letzte Jahresbilanz zusammen, stehen 81.109 fertiggestellten Wohnungen 238.585 neu gegründete Haushalte gegenüber. Das ist keine Lücke, das ist ein Abgrund. Die Konsequenz ist ein Anstieg der Immobilienpreise, der die Erschwinglichkeit von Eigentum und Miete auf ein Zehn-Jahres-Tief fallen lässt.

Provinzielle Katastrophe mit zwei Ausnahmen

Wer jetzt noch hofft, dass wenigstens in ländlichen Regionen Entspannung herrscht, wird enttäuscht. In sämtlichen spanischen Provinzen übersteigt die Zahl neuer Haushalte die der gebauten Wohnungen – die einzigen Ausnahmen sind Cáceres und Soria. Doch während dort das Verhältnis mit 848 zu 810 beziehungsweise 473 zu 119 Haushalten zumindest ausgeglichen wirkt, ist die Lage in den Ballungszentren verheerend. Madrid verzeichnet ein Minus von 24.850 Wohnungen, gefolgt von Valencia (12.625), Barcelona (12.078) und Alicante (11.542).

Miguel Ángel Gómez Huecas, Präsident des Immobilienverbands Fadei, bringt es auf den Punkt: "Die fehlende Angebot ist in den großen Städten am größten, dort, wo die meisten Dienstleistungen und Arbeitsplätze sind. Auch die Nachfrage ist dort am höchsten." Sein Appell an die Politik ist eindeutig: "Die Erschließung von Bauland und die Vergabe von Lizenzen müssen beschleunigt werden." Dass die Umwandlung von Grundstücken in Wohnraum vier bis fünf Jahre dauert, sei nicht hinnehmbar.

Doch der Verbandspräsident warnt zugleich vor falschen Hoffnungen: "Neue Projekte verkaufen sich schnell, aber das liegt an der aufgestauten Nachfrage. Das bedeutet nicht, dass wir das Problem damit lösen."

Das Problem ist nicht nur der Neubau

Daniela Salinas, Juristin bei der Sociedad Española de Alquiler Garantizado (SEAG), lenkt den Blick auf einen oft übersehenen Aspekt: "Es reicht nicht, zu analysieren, wie viele Wohnungen gebaut werden. Wir müssen uns auch fragen, wie viele der bestehenden Wohnungen tatsächlich auf den Mietmarkt gelangen." Ein Mangel an Angebot führt unweigerlich zu mehr Konkurrenz unter Mietinteressenten und trifft besonders jene mit geringerem Einkommen.

Salinas fordert daher ein Doppelstrategie: mehr Neubau, aber auch mehr Anreize für Eigentümer, leerstehende Wohnungen auf den Markt zu bringen. "Die Sicherheit für Vermieter muss erhöht werden, dann kommen mehr Wohnungen ins Angebot." Konstruktion allein sei wichtig, aber ihre Wirkung tritt erst mit Verzögerung ein.

Deutschland als warnendes Beispiel?

Die Zahlen aus Spanien sollten auch hierzulande aufhorchen lassen. Die Immobilienkrise ist kein rein spanisches Phänomen – die Parallelen zur Lage in deutschen Großstädten sind unübersehbar. Wenn selbst in wirtschaftlich schwächeren Regionen Spaniens die Wohnungsnot steigt, zeigt das, wie schnell ein Markt kippen kann. Der spanische Immobilienverband rechnet nicht mit einer Besserung: Schätzungen der Banco de España zufolge wird das akkumulierte Defizit bis 2028 auf eine Million Wohnungen anwachsen. Es ist höchste Zeit, dass die Politik in Madrid und in den Regionen die Zeichen erkennt und handelt – bevor der Traum vom eigenen Heim endgültig ausgeträumt ist. Wie vieles in Spanien, ist auch die Wohnungskrise ein Spiegelbild mangelnder Weitsicht. Das Land hat es versäumt, seine Städte für die Zukunft zu bauen. Jetzt erntet es die Quittung.


Quelle: 20minutos.es

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