
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Sevillas Wirtschaft überflügelt Spanien
Sevilla lässt den Rest des Landes alt aussehen
Während die spanische Konjunktur stottert und sich der Bundesschnitt mit magere 2,8 Prozent Wachstum begnügen muss, gibt die Provinz Sevilla ordentlich Gas. Mit einem realen BIP-Plus von 3,6 Prozent im Jahr 2025 hängt die Region nicht nur den nationalen Durchschnitt ab, sondern auch das andalusische Mittel von 3,2 Prozent. Der Bericht der Diputación de Sevilla, erstellt durch die Wirtschaftsförderungsgesellschaft Prodetur, zeichnet das Bild einer Provinz, die ihre Hausaufgaben macht, während andere noch darüber diskutieren, wo sie anfangen sollen.
Rekordbeschäftigung als Beleg für die These
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: 831.300 Menschen waren 2025 in Sevilla beschäftigt – ein neuer Höchststand. Fünf Jahre in Folge legt die Beschäftigung nun schon zu. Die Arbeitslosenquote fiel auf 13,9 Prozent und unterbot damit die andalusische Quote von 15,2 Prozent deutlich. Wer jetzt noch behauptet, der Süden Spaniens sei ein struktureller Problemfall, muss sich angesichts dieser Realität die Frage gefallen lassen, ob er die letzten Jahre verschlafen hat. Besonders bemerkenswert: Die Tariflöhne stiegen mit 3,5 Prozent um neun Zehntel stärker als die Inflation (2,6 Prozent). Die Arbeitnehmer in Sevilla spüren den Aufschwung also nicht nur in den Statistiken, sondern auch im Geldbeutel.
Industrie und Bau als Motoren
Die wirtschaftliche Basis ist erfreulich breit aufgestellt. Die Industrie beschäftigt mit 92.900 Menschen gut elf Prozent aller Arbeitnehmer der Provinz und verzeichnete ein Plus von 3,3 Prozent bei den Sozialversicherungsbeiträgen. Besonders die Luft- und Raumfahrt, die Verteidigungsindustrie und der Agrarsektor glänzen. Ein Blick auf den Bau zeigt sogar noch beeindruckendere Zahlen: Die Zahl der Beschäftigten schnellte laut Arbeitskräfteerhebung (EPA) um fast 29 Prozent nach oben. Mit 12.947 genehmigten Neubauwohnungen stellt Sevilla mehr als ein Drittel aller andalusischen Baugenehmigungen.
Kritiker mögen einwenden, dass ein solcher Bauboom die Gefahr einer Immobilienblase birgt. Doch die Nachfrage scheint die Entwicklung zu stützen: Die Wohnungsverkäufe zogen um fast 18 Prozent an, und die Zahl der Hypothekenverträge stieg sogar um mehr als 27 Prozent. Das ist kein Spekulationsfieber, sondern gelebter Bedarf.
Tourismus und Exporte: Die Provinz ist gefragt
Auch der Dienstleistungssektor trägt seinen Teil zum Erfolg bei. Fast sechs Millionen Touristen besuchten die Provinz – ein Plus von 6,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Besucher bewerten Sevilla mit herausragenden 9,2 von 10 Punkten und geben täglich durchschnittlich 86,30 Euro aus. Besonders der Bereich der Ferienwohnungen boomt mit fast 14 Prozent mehr Übernachtungen.
Selbst die Exportwirtschaft trotzt den internationalen Handelskonflikten. Mit Ausfuhren von über 9 Milliarden Euro und einem Handelsüberschuss von fast 2,7 Milliarden Euro zeigt sich die Provinz robust gegenüber globalen Verwerfungen. Allein Olivenöl und Luftfahrtprodukte machen dabei 44,7 Prozent der Exporte aus – ein Beweis für die Spezialisierung auf hochwertige Güter.
Kritische Stimmen inklusive
So rosig das Bild auch sein mag: Der Wirtschafts- und Sozialrat der Provinz (CESPS) verweist zu Recht auf die Hausaufgaben. Die Wohnungsfrage bleibt das drängendste Problem. Steigende Preise bei gleichzeitig großer Nachfrage machen bezahlbaren Wohnraum zur sozialen Frage. Hinzu kommt der Bedarf an strategischen Investitionen in die Infrastruktur, die einer effizienteren Koordination der Verwaltungen bedürfen.
Doch wer die Fakten nüchtern betrachtet, muss eines zugestehen: Sevilla hat 2025 geliefert. Die Provinz zeigt, dass wirtschaftlicher Erfolg im Süden Spaniens keine Utopie ist, sondern das Ergebnis konsequenter Arbeit. Die Zahlen sind mehr als nur ein Strohfeuer – sie sind das Fundament, auf dem weitergebaut werden kann. Die restlichen Regionen Spaniens sollten sich gefragt fühlen, was sie von Sevillas Erfolgsrezept lernen können.
Der Bericht wurde von der Diputación de Sevilla über Prodetur veröffentlicht und durch den Wirtschafts- und Sozialrat der Provinz Sevilla (CESPS) begleitet.
Quelle: europapress.es