
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Sevilla mahnt Ministerium zum Handeln an
Ein Brückenprojekt als Geduldsprobe
Es ist ein vertrautes Muster in der spanischen Infrastrukturpolitik: Madrid verspricht, die Region wartet – und die Bürger zahlen am Ende die Zeche. Der Puente del Centenario in Sevilla ist zum Sinnbild dieser Blockade geworden. Nun richtet der andalusische Minister für Infrastruktur und Mobilität, Mario Muñoz-Atanet, deutliche Worte an das Verkehrsministerium: Es brauche „mehr Präsenz vor Ort“ und echte Zusammenarbeit – nicht nur wohlklingende Ankündigungen aus der Hauptstadt.
Eine Baustelle im Dornröschenschlaf
Was in der Amtssprache als „sehr komplizierte Situation“ beschrieben wird, ist in der Realität ein Dauerzustand der Lähmung. Das zentrale Verkehrsbauwerk der Metropolregion, das täglich tausende Pendler verbindet, ist laut Muñoz-Atanet „praktisch zum Stillstand“ gekommen. Bei der letzten Branchenkonferenz, zu der der Minister nicht einmal selbst erschien, blieb die erhoffte Antwort aus. Stattdessen: Schweigen aus dem Ministerbüro von Óscar Puente.
Die Rechnung der Vernachlässigung
Wer die Zahlen der Region kennt, versteht die Dringlichkeit. Mit 45 Gemeinden und rund 1,5 Millionen Einwohnern ist das Gebiet um Sevilla die viertgrößte Metropolregion Spaniens. Täglich werden dort 2,6 Millionen Wege zurückgelegt – 69 Prozent davon im Privatwagen, nur 15 Prozent mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Dass dieses Ungleichgewicht nicht nachhaltig ist, darin sind sich alle einig. Doch während Madrid über Konzepte diskutiert, fehlt vor Ort schlicht die Substanz.
Der Verweis auf die eigene Bilanz
Die Kritik des Regionalministers ist nicht aus der Luft gegriffen, sondern basiert auf einem klaren Vergleich: Während der Amtszeit des ehemaligen Ministers Íñigo de la Serna gab es Annäherung und Fortschritte – etwa bei der SE-40 oder den U-Bahn-Projekten. Heute dagegen habe die Provinz zwar 692 Millionen Euro an laufenden Bauprojekten, aber zentrale Vorhaben wie das Brückenbauwerk blieben auf der Strecke.
Kein Platz für Parteipolitik
Der Kern der Botschaft von Muñoz-Atanet ist jedoch grundsätzlicher Natur: Mobilität dürfe nicht zum Spielball ideologischer Grabenkämpfe werden. „Die Interessen der Bürger stehen über Parteibüchern“, so der Tenor seiner Ausführungen. Es gehe nicht darum, Kompetenzen zu verteidigen, sondern darum, sie intelligent zu bündeln. Solange das Ministerium in Madrid darauf keine Antwort finde, bleibe die Region allein mit ihren Problemen – und das, so die unmissverständliche Botschaft, sei ein politischer Skandal.
Quelle: Eigene Recherche auf Basis eines Berichts von Europa Press vom 13. Oktober 2026.
Quelle: europapress.es