Sevilla fühlt sich beim Nahverkehr abgehängt

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Sevilla

Sevilla fühlt sich beim Nahverkehr abgehängt

von Redaktion2 Min. Lesezeit

Ein Tabu namens Gleichbehandlung

Die spanische Regierung verteilt Geld im Schnecken-Tempo und nach Gutsherrenart – zumindest, wenn man dem Bürgermeister von Sevilla lauscht. José Luis Sanz vom konservativen Partido Popular hat nun eine klare Rechnung aufgemacht, und die fällt vernichtend aus für das sozialistische Zentralkabinett in Madrid. Der Vorwurf: „Der antisevillanischste Präsident unserer demokratischen Geschichte“ – so Sanz über Pedro Sánchez – lasse die andalusische Metropole bei der Bahn-Infrastruktur seit Jahren bewusst auflaufen.

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache

Wer die Investitionsströme der vergangenen acht Jahre betrachtet, versteht den Zorn des Stadtoberhaupts. Wie Sanz bei einem Baustellenbesuch im Kloster Santa Clara erläuterte, flossen allein in das katalanische Bahnsystem rund 6,3 Milliarden Euro. Davon profitierten die Rodalies-Netze, der Ausbau des Bahnhofs Sants und der Neubau der Station La Sagrera. Weitere 3,3 Milliarden Euro wanderten in die Erweiterung des Flughafens El Prat. Für Sevilla bleibt da nicht viel übrig – im Gegenteil.

Während Katalonien mit Milliarden überschüttet wird, dümpelt das Cercanías-Netz der andalusischen Hauptstadt vor sich hin. Eine zentrale Forderung bleibt seit Jahren unerfüllt: die Schließung des sogenannten Ringes, also die Verbindung der bestehenden Linien zu einem durchgängigen Schienenkreis. Das wäre für Pendler im Großraum Sevilla ein entscheidender Schritt, doch die Umsetzung lässt weiter auf sich warten.

Alte Züge, keine neuen – ein Investitionsstau mit Ansage

Doch nicht nur bei den Schienen hapert es. Auch beim rollenden Material sieht sich Sevilla abgehängt. Von den 300 neuen Nahverkehrszügen, die auf nationaler Ebene ausgeschrieben und bestellt wurden, gehen die meisten nach Madrid oder Katalonien. Für Sevilla? Null. Kein einziger Neuzugang ist für die Stadt an der Guadalquivir-Mündung vorgesehen. Der Fuhrpark hingegen ist in die Jahre gekommen – rund 30 Jahre alt sind die Maschinen, die derzeit auf den Gleisen der Region unterwegs sind.

Die Botschaft aus dem Rathaus ist damit klar: Andalusien wird zur Zugnummer zweiten Ranges degradiert, während die Regierung in Madrid gezielt jene Regionen bevorzugt, in denen die eigene politische Basis schläft. Dass der Vorwurf nicht aus der Luft gegriffen ist, belegen nicht nur die von Sanz genannten Zahlen. Bereits in der Vergangenheit hatten Verkehrsexperten auf die wachsende Diskrepanz zwischen den Regionen hingewiesen und eine ausgewogenere Verteilungslogik angemahnt.

Sanz‘ Schlussfolgerung ist pointiert, aber wenig überraschend: Wer eine Region systematisch bei der Infrastruktur vernachlässigt, der nimmt in Kauf, dass Mobilität, Wirtschaft und Lebensqualität Schaden nehmen. Sevillas Geduld, so viel steht fest, ist an ihrem Ende angelangt.


Quelle: europapress.es

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