Sevilla: Filmfest wird zur Bühne der Weltpolitik

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Sevilla: Filmfest wird zur Bühne der Weltpolitik

von Redaktion3 Min. Lesezeit

Wenn Film zur politischen Analyse wird

Das Festival de Cine Europeo de Sevilla hat sich in den letzten Jahren zu einem wichtigen Ort des europäischen Kinos etabliert. Doch die Verantwortlichen wollen mehr als nur Unterhaltung bieten. In diesem Jahr gehen sie einen Schritt weiter: Nach dem Erfolg des Vorjahres, als über tausend Besucher zu den Debatten kamen, werden die „Jornadas de Cine y Geopolítica“ erneut aufgelegt. Vom 9. bis 12. November verwandelt sich das Festival erneut in ein Forum für kritische Reflexion, in dem die drängendsten Fragen unserer Zeit durch die Linse der Filmkunst betrachtet werden.

Ein Catedrático als geistiger Kompass

Die inhaltliche Leitung liegt erneut in den Händen von Jorge Quindimil, einem renommierten Professor für Internationales Öffentliches Recht an der Universität A Coruña. Er wird die Veranstaltungen moderieren, die in Zusammenarbeit mit dem spanischen Forschungsrat CSIC organisiert werden. Die Auswahl der Filme ist dabei kein Zufall, sondern folgt einer klaren politischen Logik. Es geht nicht um leichte Kost, sondern um die großen Konflikte der Gegenwart: Machtmissbrauch, Kriegsrecht und die Risiken der Technologie.

Von Manhattan bis zu den Schützengräben

Den Auftakt bildet am 9. November Jean-Pierre Melvilles Klassiker „Zwei Männer in Manhattan“ aus dem Jahr 1959. Der französische Kultregisseur spielt selbst einen Journalisten, der das Verschwinden eines Diplomaten an der UN-Zentrale untersucht. Der Film ist ein düsteres Porträt der internationalen Politik und der Geheimnisse, die sie umgeben. Die anschließende Debatte wird von einem hochkarätigen Podium begleitet, darunter ein ehemaliger Rechtsberater der NATO in Brüssel.

Am zweiten Tag steht mit „In the Loop“ eine bissige Satire auf dem Programm. Der britische Regisseur Armando Iannucci, bekannt für seine Serie „The Thick of It“, nimmt darin die absurden Abgründe der britisch-amerikanischen Beziehungen im Vorfeld des Irakkriegs aufs Korn. Der Film ist ein brillantes Lehrstück über politische Intrigen und die Banalität des Bösen in den Korridoren der Macht. Das Thema der Diskussion: „Macht, Eliten und Missregierung“.

Der Preis des Bildes

Ein Höhepunkt dürfte die Dokumentation „War Photographer“ am 11. November sein. Der Schweizer Regisseur Christian Frei porträtiert den legendären Kriegsfotografen James Nachtwey, der in Konfliktgebieten von Kosovo bis Indonesien die Grauen des Krieges dokumentierte. Der Film wirft die unbequeme Frage auf, welche Verantwortung derjenige trägt, der das Leid der Welt abbildet. Die anschließende Runde widmet sich dem Thema „Kriege und humanitäres Völkerrecht“ – ein Thema, das angesichts der aktuellen Konflikte in der Ukraine und im Gazastreifen von erschreckender Aktualität ist.

Wenn Fortschritt zur Bedrohung wird

Den Abschluss bildet am 12. November die britische Komödie „Der Mann im weißen Anzug“ von Alexander Mackendrick. Der Film aus dem Jahr 1951 erzählt von einem Erfinder, dessen unzerstörbarer Stoff die Textilindustrie in Aufruhr versetzt. Die Geschichte ist eine zeitlose Parabel auf die Ängste vor technologischem Wandel. Das Abschlusskolloquium stellt die Frage nach den „Bedrohungen der Technologie und der Zukunft der Menschheit“ – ein Thema, das durch den aktuellen Hype um Künstliche Intelligenz eine völlig neue Dimension erhalten hat.

Die Organisatoren haben zudem ein starkes Zeichen gesetzt: Studierende und Lehrkräfte zahlen nur einen symbolischen Euro für den Eintritt. Damit soll die nächste Generation von Filmemachern und Politikwissenschaftlern angesprochen werden. Das Festival beweist damit, dass es mehr sein will als nur ein Schaufenster für europäische Produktionen – es ist ein Ort, an dem die Zukunft verhandelt wird. Wie die Nachrichtenagentur Europa Press berichtet, ist die Teilnahme über ein Online-Formular möglich. Die Veranstaltung findet im Cartuja Center und im Espacio Turina statt, der Abschluss wird von der Harfenistin Xiana Ruiz musikalisch umrahmt.

Quelle: Informationen basierend auf einem Bericht der Nachrichtenagentur Europa Press vom 18. Oktober.


Quelle: europapress.es

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