
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Sevilla feiert die Vielfalt des andalusischen Kinos
Ein Festival als Bühne für den Süden
Man mag einwenden, dass ein europäisches Filmfestival vor allem internationale Größen präsentieren sollte. Doch die Programmplaner in Sevilla setzen 2026 ein anderes, viel deutlicheres Signal: Sie machen den andalusischen Film zur Hauptattraktion ihres eigenen Festivals. Stolze 66 Produktionen aus der Region schaffen es ins Programm – das ist mehr als nur eine Randnotiz, das ist eine Kampfansage an alle, die das südspanische Kino gerne als talentfreie Zone abtun.
Die Rechnung scheint aufzugehen. Wie die Nachrichtenagentur Europa Press berichtet, konkurrieren allein 37 Langfilme und 29 Kurzfilme um die Gunst des Publikums, verteilt auf Sektionen wie die Offizielle Auswahl, Panorama Andaluz, Special Screenings und Esenciales. Besonders bemerkenswert: 21 dieser Werke feiern ihre Weltpremiere in der andalusischen Hauptstadt. Wer jetzt noch behauptet, die Region sei filmisch ein Entwicklungsland, ignoriert schlichtweg die Realität.
Mut zur Provinz, Größe im Detail
Das Flaggschiff der Offiziellen Sektion trägt den Titel Taranta – ein Dokumentarfilm von Samuel Nacar, der sich mit den widersprüchlichen Lebensrealitäten in Linares (Jaén) auseinandersetzt. Vier junge Menschen werden begleitet, während die alte Santana-Fabrik wiedereröffnet wird und ein "ungewöhnlicher Reindustrialisierungsprozess" beginnt. Ein Thema, das weit über die Grenzen Andalusiens hinaus relevant ist – und beweist, dass lokale Geschichten oft die universellsten sind.
Doch es wäre zu kurz gegriffen, das Festival nur auf die Offizielle Konkurrenz zu reduzieren. Im Panorama Andaluz zeigt sich die ganze Bandbreite kultureller Selbstvergewisserung: Fernando Truebas Bajañí, Emilio Belmontes Rito oder Dany Ruz‘ Bernabé, la sonrisa del flamenco – hier wird gefeiert, was die Region ausmacht. Der Flamenco, die Literatur, die Traditionen. Und auch die unbequemen Kapitel der Geschichte fehlen nicht: Salta la tapia von Mariano Agudo oder 200 vidas. Paco Rabal von Vanesa Benítez widmen sich der Erinnerungskultur, während Todos los días domingo von Abraham López Feria den Blick auf das soziale Miteinander lenkt.
Ein Politiker als Filmheld? Ja, bitte!
Besonders gespannt darf man auf Anguita. El hombre de los tres siglos sein. Hugo Cabezas widmet sich in seinem Nonfiction-Film dem schillernden cordobesischen Politiker, dessen Leben sich über drei Jahrhunderte erstreckte. Anguita ist eine Figur, die polarisiert – und genau deshalb ideal für eine filmische Auseinandersetzung. Der Film feiert im Festival seine Premiere.
Die Special Screenings wiederum zeigen, wie sehr Sevilla mit sich selbst beschäftigt ist – und das ist hier als Kompliment gemeint. Ob Magna, el Alma de Sevilla, Fútbol en tu mano: mucho Betis oder die kontrakulturellen Streifzüge durch Cuántica Rave – das Festival nimmt die Stadt und ihre Eigenheiten ernst. Ergänzt wird das Programm durch zahlreiche Kurzfilme, die von Beauty bis Pinchu es así die ganze Bandbreite des jungen andalusischen Filmschaffens abdecken.
Die Botschaft ist eindeutig: Sevilla setzt auf das Eigene, um das Fremde zu erreichen. Die Festivalleitung um Manuel Cristóbal betont die nationale und internationale Ausstrahlung des Events – doch der Blick auf das Programm zeigt, dass die Zukunft des iberischen Kinos nicht in Madrid, sondern im Süden entschieden wird.
Quellen: Europa Press
Quelle: europapress.es