Schwurgericht spricht Mordurteil im Fall Vallecas

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Madrid

Schwurgericht spricht Mordurteil im Fall Vallecas

von Redaktion2 Min. Lesezeit

Einstimmiger Schuldspruch nach elf Monaten Ermittlungsarbeit

Rund 21 Monate nach der Bluttat hat ein Schwurgericht in Madrid seine Entscheidung gefällt: Agustín R. und Erika C. sind des Mordes an Natalia Silva schuldig. Das teilten Justizkreise am Mittwoch mit. Die Geschworenen sprachen sich einstimmig für eine Verurteilung der beiden Angeklagten aus.

Das Opfer, Natalia Silva, war die Tante des bekannten Straftäters Francisco Maya Silva, alias „Gordo Maya“. Die Frau wurde im Januar 2024 im Stadtteil Puente de Vallecas in ihrem Lieferwagen erschossen. Die Obduktion ergab, dass sie mindestens elf Projektile aus einer Neun-Millimeter-Waffe trafen – abgefeuert aus nächster Nähe.

Staatsanwaltschaft fordert hohe Haftstrafen

Für die beiden Verurteilten fordert die Anklagebehörde jeweils 22 Jahre Haft. Gegen den männlichen Angeklagten kommen weitere Vorwürfe hinzu: illegaler Waffenbesitz und Urkundenfälschung. Das Gericht muss nun auf Basis des Geschworenen-Verdikts das endgültige Strafmaß festlegen.

Die Beweisführung stützte sich maßgeblich auf Überwachungsaufnahmen aus verschiedenen Teilen Madrids. Wie ein Ermittler des Morddezernats während der Verhandlung ausführte, konnten die Beamten anhand der Bilder die Route eines Porsche Cayenne rekonstruieren. Die Aufnahmen von Kirchen, Tankstellen und einem Jugendzentrum zeigten, wie das Fahrzeug dem Lieferwagen von Natalia Silva folgte.

Fahrzeug als zentrales Beweisstück

Am 10. Januar 2024 entdeckten die Ermittler den Porsche in der Nähe des Einkaufszentrums Islazul. Im Innenraum fanden sie leere Patronenhülsen – auf dem Rücksitz und auf dem Boden. Ein Zeuge, der den Angriff beobachtet hatte, bestätigte zudem, dass das Fahrzeug neben dem Van des Opfers gestanden hatte.

Familiärer Streit als Auslöser

Den Ermittlungen zufolge könnte ein Streit am Dreikönigstag, dem 6. Januar, den Ausgangspunkt gebildet haben. Natalia Silva soll danach Kontakt zu einem Beteiligten aufgenommen und ihm Vorwürfe gemacht haben. Beide Seiten sollen sich daraufhin gegenseitig bedroht haben. Zunächst hatten die Behörden eine Abrechnung zwischen rivalisierenden Gruppen vermutet, später richteten sich die Ermittlungen jedoch auf diesen privaten Konflikt.

Rekonstruktion der Tatnacht

Die Staatsanwaltschaft zeichnet den Hergang wie folgt: Am Abend des 8. Januar gegen 21:30 Uhr patrouillierten die Angeklagten in der Straße Lago de Maracaibo, bis sie den Opel Vivaro entdeckten. Erika C. stellte den Porsche parallel zu dem Fahrzeug, um die Identität der Fahrerin zu überprüfen. Nachdem diese bestätigt hatte, Natalia zu sein, feuerte Agustín R. vom Rücksitz aus die tödlichen Schüsse ab. Die Frau erlag ihren Verletzungen – eine Kugel hatte das Herz durchschlagen.

Nach der Tat flohen beide Beschuldigten und ließen den Wagen zurück. Erika C. wurde im August 2024 in Castellón festgenommen, Agustín R. folgte im Dezember des gleichen Jahres in Tarragona.

Schmerzensgeld für die Hinterbliebenen

Neben den Haftstrafen verlangt die Staatsanwaltschaft eine gemeinsame Entschädigungszahlung von 620.000 Euro. Das Geld soll an die vier Kinder des Opfers, ihren Partner und zwei Schwestern gehen.

Wie Rechtskreise gegenüber der Nachrichtenagentur Europa Press bestätigten, gilt das Urteil als wichtiges Signal im Kampf gegen organisierte Kriminalität in der Region Madrid. Die Verteidigung kann gegen das Urteil noch Rechtsmittel einlegen.


Quelle: europapress.es

Mehr aus Madrid & Vallecas & Gemeinschaft Madrid