Schwestern im Sturm: Die ersten Fischerinnen von Mallorca

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

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Schwestern im Sturm: Die ersten Fischerinnen von Mallorca

von Redaktion

Vom Landeplatz zur Lebensaufgabe

Die Reise der Schwestern Vanesa und Valeria Caponero begann weit entfernt vom Mittelmeer, in der argentinischen Hafenstadt Mar del Plata. Die Anziehungskraft Mallorcas, zunächst durch den Tourismus geweckt, führte sie auf unerwartete Pfade. Valeria lernte auf der Insel ihren heutigen Ehemann, den Berufsfischer Jaume Cuart, kennen. Durch ihn betrat sie zum ersten Mal ein Fischerboot – und fand ihre Berufung. „Ich habe gemerkt, dass mir gar nicht schlecht wird und dass mich diese Welt immer mehr fasziniert“, sagt sie. Sie absolvierte als erste Frau auf den Balearen die Ausbildung zur Berufsfischerin, wie aus ihrem Abschlusszeugnis hervorging.

Ihre Schwester Vanesa folgte ihr nach. Ein Versuch ihres damaligen Partners, ebenfalls in den Beruf einzusteigen, scheiterte nach nur einer Woche. Vanesa, bis dahin gelernte Tischlerin, blieb – und war sofort begeistert. „Es lag am Charakter meines Schwagers, an dem, was er mir beibrachte, an seiner Arbeitsweise, am Respekt… Ich habe unheimlich viel gelernt“, erzählt sie. 2008 machte auch sie ihren Abschluss. Seitdem arbeiten beide an Bord des Kutters „Vima“, den ihr Schwager steuert. Sie sind die einzigen professionellen Fischerinnen im Hafen von Cala Rajada.

„Im Meer zählt der Mensch, nicht das Geschlecht“

Nach über zwei Jahrzehnten auf See ist ihre Motivation ungebrochen. „Das Meer ist eine ständige Lernschule. Es hat mir erlaubt, mich persönlich zu entdecken, es lässt den Kopf abschalten und führt zu einer anderen Denkweise“, beschreibt Vanesa. Valeria sieht es als „Abenteuer im Einklang mit der Natur“.

Die Rückmeldungen aus der traditionell männergeprägten Gemeinschaft der Fischer waren durchweg positiv, wie die Schwestern betonen. „Dieser Hafen ist fantastisch. Die Fischer selbst haben uns die Türen geöffnet, und heute ist er mein zweites Zuhause. Wir haben nie einen Unterschied zwischen Frau und Mann gespürt, nur Respekt“, sagen sie übereinstimmend. Man habe sie stets als Kolleginnen behandelt. Die gemeinsame Basis sei die Liebe und der respektvolle Umgang mit dem Meer, das für sie sogar das erste Zuhause sei: „Wir verbringen mehr Stunden auf dem Meer als in unserem eigenen Haus.“

Der Balanceakt zwischen Netz und Familie

Die Vereinbarkeit von Familie und diesem fordernden Beruf war eine besondere Herausforderung. Als Valeria vor fünfzehn Jahren ihr erstes Kind bekam, war die Unterstützung der Familie entscheidend. Während sie an Land blieb, fuhren ihr Mann und ihre Schwester weiterhin zur See. Vanesa nutzte diese Zeit unter anderem, um den Verkaufsstand der Fischergilde zu betreuen, der jedoch während der Pandemie schließen musste.

Selbst in den Jahren an Land blieb die Sehnsucht, wie Vanesa zugibt: „Das ist die Sucht, die wir haben: das Leben mit der Natur, wunderschöne Sonnenauf- und untergänge zu sehen, die Meeresfauna zu genießen, Delfine, Finnwale, Schildkröten…“ Mittlerweile sind Valerias Töchter teenager, und die Schwestern können die Aufgaben besser aufteilen: Fährt eine raus, kümmert sich die andere um den Familienalltag an Land.

Botschafterinnen für den Ozean

Ihre Verbundenheit mit dem Meer zeigt sich auch in einem starken ökologischen Bewusstsein. Die Caponero-Schwestern engagieren sich in der Bildungsarbeit. Bei Besuchen von Schulklassen am Hafen erklären sie nicht nur die harte Arbeit der Fischer, sondern auch die Bedrohungen für das marine Ökosystem.

Ein prägendes Erlebnis, über das Vanesa berichtet, war der Fang eines Fisches, der sich aufgrund einer ins Meer geworfenen Getränkedosen-Ringlasche nicht normal entwickelt hatte. Anhand dieses Beispiels macht sie Jugendlichen die Folgen von Müll im Meer plastisch klar. Sie erklärt auch das Vorgehen bei der Rettung von Meeresschildkröten, die oft Plastik verschluckt haben – vom Notruf bis zur Übergabe an die Spezialisten des Palma Aquarium.

Ihr Weg hat sie von Argentinien nach Mallorca geführt, vom Zuschauen zum aktiven Gestalten. Heute sind Vanesa und Valeria Caponero nicht nur Fischerinnen, sondern auch eine feste, respektierte Größe in ihrer community und Stimmen für den Schutz der Meere.

Quelle: Gespräche mit Vanesa und Valeria Caponero, Informationen der Fischergilde Cala Rajada.