Schlangen bedrohen Balearen-Echse

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Balearische Inseln

Schlangen bedrohen Balearen-Echse

von Redaktion2 Min. Lesezeit

Ein Kampf ums Überleben: Die Pitiusen-Eidechse gegen die Schlangenplage

Die idyllischen Landschaften der Pityusen, zu denen Ibiza und Formentera gehören, sind Schauplatz eines stillen Artensterbens. Die Rede ist von der Pitiusen-Eidechse (Podarcis pityusensis), einem Reptil, das es nur hier gibt. Nun schlägt die Naturschutzorganisation Ibiza & Formentera Preservation Alarm. Sie fordert die Europäische Union zu einem drastischen Schritt auf: einem dauerhaften Importverbot für große Zierbäume vom spanischen Festland.

Die Begründung ist so einfach wie vernichtend: Mit den transportierten Olivenbäumen und anderen Gewächsen reisen blinde Passagiere ein – invasiven Schlangen, die für die heimische Echsenpopulation eine tödliche Bedrohung darstellen. „Die Existenz einer Norm bedeutet nicht, dass sie auch wirksam umgesetzt wird“, bringt es die Direktorin der Stiftung, Inma Saranova, auf den Punkt. Es ist ein Streit um die Glaubwürdigkeit von Papierform im Angesicht eines realen Artensterbens.

Kampf gegen die Bürokratie: Der Vorstoß in Brüssel

Die Organisation hat sich mit ihren Forderungen direkt an die europäischen Institutionen gewandt. In Brüssel sollen die Petitions- und Umweltausschüsse des Parlaments den Fall aufgreifen. Der Kern der Kritik: Die aktuellen Schutzbemühungen gleichen einem Flickenteppich. Insbesondere die Datenlage sei erschreckend veraltet. Die letzten verlässlichen Zählungen der Eidechsenpopulation stammen aus den Jahren 2017 und 2022. „Während wir die Zahlen auswerten, breiten sich die Schlangen weiter aus. Wir arbeiten mit verbundenen Augen“, kritisiert Saranova gegenüber den Behörden.

Der Vorstoß zielt darauf ab, die konservativen Methoden zu überdenken. Gefordert wird nicht weniger als ein eigener Rettungsplan für die Eidechse, losgelöst von den allgemeinen Amphibien- und Reptilienprogrammen der Balearen-Regierung. Nur so, so die Argumentation, könne man sich auf die spezifischen Bedrohungen dieser einen Art konzentrieren, deren Lebensräume auf den Hauptinseln und den isolierten, genetisch einzigartigen Inselchen extrem unterschiedlich sind.

Die wirtschaftliche Achillesferse: Der Baumhandel als Einfallstor

Der heikelste Punkt der Forderungen ist zweifellos der Aufruf, den Handel mit stattlichen Schmuckbäumen zu unterbinden. Die Aktivisten verweisen darauf, dass die bestehenden Quarantänevorschriften und saisonalen Beschränkungen löchrig wie Schweizer Käse seien. Ein von der Stiftung in Auftrag gegebenes Gutachten zeigt: Die aktuellen Fangaktionen für die Schlangen sind völlig unzureichend, um deren Bestände nachhaltig zu dezimieren.

Hier prallen wirtschaftliche Interessen und ökologische Notwendigkeiten aufeinander. Ein Importstopp würde vor allem den florierenden Handel mit centenarian Olivenbäumen für spanische Gärten treffen. Die Stiftung verweist jedoch auf Artikel 36 des EU-Vertrags, der Ausnahmen vom freien Warenverkehr aus Gründen des Tierschutzes erlaubt. Die Kommission hat den Ernst der Lage zwar bereits eingeräumt, schiebt die Verantwortung jedoch geschickt an die nationalen und regionalen Regierungen in Madrid und Palma zurück. Diese diplomatische Antwort könnte sich als Bumerang erweisen, denn der Druck auf die Verantwortlichen vor Ort wächst nun erheblich, endlich messbare Erfolge vorzuweisen und die von der EU gewährten Schutzmechanismen auszuschöpfen.

Wie der Portale europapress.es berichtet, sehen die Aktivisten durch ihre Initiative die „Verantwortung des Governs und der spanischen Regierung gestärkt“. Es bleibt die Hoffnung, dass aus der politischen Agenda mehr wird als nur schöne Worte.


Quelle: europapress.es

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