
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Sanchez will „Urnen füllen“ gegen rechte Angst
Der Wahlkampf beginnt mit einer Kampfansage
Pedro Sánchez gibt sich kämpferisch. Beim ersten großen Auftakt zur vorgezogenen Parlamentswahl am 29. November stellte sich der sozialistische Ministerpräsident in seinem andalusischen Stammland Dos Hermanas demonstrativ als Mann des Volkes dar – und machte zugleich klar, wohin die Stoßrichtung seiner Kampagne geht: gegen einen rechten Block, der seiner Ansicht nach längst kapituliert hat.
Vor mehr als 5.000 Anhängern im Auditorium von Dos Hermanas zeichnete Sánchez das Bild eines Landes am Scheideweg. Der PSOE-Chef inszenierte sich als „Hund ohne Herrn“, der niemandem verpflichtet sei außer den „einfachen Leuten“. Eine Formulierung, die nicht zufällig an die alte sozialistische Arbeiterromantik anknüpft und gleichzeitig die Loslösung von wirtschaftlichen und medialen Eliten suggerieren soll.
Der Vorwurf: Rechte Blockade aus Angst
Doch der Kern seiner Rede war ein anderer: Sánchez griff PP und Vox frontal an. Deren Diskussion um angebliche Unregelmäßigkeiten bei der Briefwahl sei nichts weiter als ein Ablenkungsmanöver. Der Wahlkampf der Konservativen sei geprägt von „Fabeln“, „Lügen“ und „Bulos“, so der Regierungschef wörtlich. Dahinter stecke einzig und allein die Furcht vor der eigenen Niederlage.
„Diejenigen, die einst sagten ‚Wer kann, der tut es‘, sind jetzt die, die rufen ‚Je weniger Wähler, desto besser‘“, polterte Sánchez und lieferte die Begründung gleich mit: Volle Urnen begünstigten die Demokratie und damit die Progressiven – leere Urnen hingegen die Strippenzieher im Hintergrund. Genau diese rechten Kräfte, so seine Botschaft, hätten allen Grund zur Angst, denn sie würden „definitiv verlieren“.
Wohnungsfrage wird zum zentralen Wahlkampfthema
Bemerkenswert war nicht nur der Angriff auf die Opposition, sondern auch die emotionale Aufladung des Themas Wohnen. Sánchez begann seine Rede mit dem Tod der 87-jährigen Mari Carmen Abascal, die nach einer Zwangsräumung in Madrid verstorben war. Ihr Schicksal nutzte er als Beispiel für die Exzesse von „Geierfonds“ und Immobilienspekulation – und machte daraus ein generationenübergreifendes Versprechen.
Seine Regierung habe bereits zwei Dekrete zum Mieterschutz auf den Weg gebracht, die von PP, Vox und Junts im Parlament gekippt worden seien. Das sei jedoch kein Ende, sondern erst der Anfang. „Jede Generation hat ihren Kampf – unserer ist der Kampf um die Wohnung, und wir werden ihn gewinnen“, rief Sánchez in die Menge und versprach eine Stärkung des progressiven Lagers, um die Reformen dauerhaft gesetzlich zu verankern. Er skizzierte eine Koalition zwischen „Kleinvermieter“ und „Mietern“ gegen die Spekulation von oben – eine klare Kampfansage an die Eigentümer-Lobby.
Ökonomische Zahlen als Argument gegen Rezessionsprophezeiungen
Um seine Erzählung vom angeblich scheiternden Land zu kontern, verwies Sánchez auf frische Zahlen der Banco de España, die die Wachstumsprognose für das laufende Jahr auf 2,6 Prozent angehoben hatte. Das Land wachse dreimal schneller als von den Kritikern erwartet, so der Tenor. Die permanente Untergangsrhetorik der Rechten, die seit acht Jahren „Spanien versinkt“ skandierten, sei schlichtweg widerlegt.
Der Auftakt in Dos Hermanas war damit eine einzige Quittung für die Strategie von PP-Chef Alberto Núñez Feijóo und dessen möglichen Koalitionspartner Vox. Statt über Inhalte zu streiten, sollen sie laut Sánchez nun die Briefwahl diskreditieren – ein verzweifelter Versuch, die eigene Klientel zu mobilisieren und die der anderen zu demobilisieren. Ob diese Taktik aufgeht, wird sich am 29. November zeigen. Sicher ist nur: Die Sozialisten gehen als Favorit in den Wahlkampf, und sie haben ihr Lieblingsthema gefunden – den sozialen Zusammenhalt gegen die Angst der Konservativen.
Wie Europa Press berichtet, waren bei dem Event auch Spitzenkräfte der Partei wie María Jesús Montero und mehrere Minister anwesend.
Quelle: europapress.es