Römischer Monumentalstein nach Murcia überführt

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Fortuna

Römischer Monumentalstein nach Murcia überführt

von Redaktion3 Min. Lesezeit

Ein bedeutender Fund aus den Baños Romanos

Die Gemeinde Fortuna in der Region Murcia hat einen außergewöhnlichen archäologischen Fund gemeldet: Eine monumentale römische Inschrift, die bei laufenden Ausgrabungen im historischen Thermalbad „Baños Romanos“ entdeckt wurde, ist zur weiteren Untersuchung in das Archäologische Museum von Murcia gebracht worden. Die Entscheidung zum Abtransport fiel nach der Bergung des mehrere Hundert Kilogramm schweren Werksteins.

Lokale Amtsträger, darunter Bürgermeisterin Catalina Herrero und der Kulturdezernent Juan Manuel Soler, begleiteten die Aktion vor Ort. Auch Patricio Sánchez, der Generaldirektor für Kulturerbe der Region, verschaffte sich ein Bild von dem Fundstück. Die Verwaltung betont den hohen Stellenwert des Steins für die historische Forschung.

Eine Inschrift von außerordentlichen Dimensionen

Bei dem Objekt handelt es sich um einen Quader von fast 1,20 Metern Länge. Darauf befinden sich die Reste einer zweizeiligen Inschrift, die von Zierleisten eingerahmt wird. Besonders bemerkenswert sind die Proportionen der Buchstaben: Die Zeichen der oberen Zeile messen beachtliche 23 Zentimeter, die der darunterliegenden Zeile immerhin noch rund 13 Zentimeter. Wie die Nachrichtenagentur Europa Press berichtet, ordnen die Wissenschaftler den Stein aufgrund dieser Ausmaße einer äußerst seltenen Kategorie zu.

Das Forscherteam unter der Leitung des Professors Gonzalo Matilla von der Universität Murcia verweist auf die Einzigartigkeit des Stücks im gesamten iberischen Raum. Allein in der Region Murcia sind bislang nur drei vergleichbare Inschriften mit ähnlich großen Lettern bekannt. Diese wurden in Cartagena, dem antiken Carthago Nova, gefunden. Die monumentale Gestaltung deutet auf die herausragende Bedeutung des ursprünglichen Bauwerks hin.

Neue Erkenntnisse zur Baugeschichte

Die Auffindung erfolgte während der Reinigung eines Bereichs, der von einem Einsturz einer älteren Struktur betroffen war. Beim Abtragen des Schutts stießen die Archäologen auf den beschrifteten Stein, der offenbar als Spolie in einem Mauerwerk verbaut worden war. Dieses war bisher als nördliche Begrenzung des Badekomplexes interpretiert worden. Der jetzige Fund belegt jedoch die Wiederverwendung älterer Bauelemente an dieser Stelle.

Obwohl die Inschrift fragmentarisch erhalten ist, lassen sich erste Schlüsse ziehen. Die Experten identifizierten das Ende eines römischen Beinamens, eines sogenannten Cognomens. Zudem deuten die Schriftmerkmale auf eine Datierung zwischen dem Ende des ersten Jahrhunderts vor Christus und dem ersten Jahrhundert nach Christus hin. Möglicherweise stammt das Werk aus der Epoche des Kaisers Augustus. Aufgrund der Größe des Steins und der Lettern vermuten die Forscher, dass das vollständige Original eine Länge von mindestens 4,8 Metern gehabt haben könnte. Ein weiteres Detail erhärtet die These, dass es sich um eine Weihe- oder Bauinschrift handelt: In der unteren Zeile findet sich ein Begriff, der mit dem Architrav, also dem tragenden Balken eines Gebäudes, in Verbindung steht.

Ein Meilenstein für das Ausgrabungsprojekt

Der Sensationsfund bildet den vorläufigen Höhepunkt einer Grabungskampagne, die den Zustand der Anlage deutlich verbessert hat. So konnte der komplette Beckenbereich des thermalen Hauptgebäudes freigelegt werden, was neue Einsichten in die architektonische Struktur gewährt. Das Gesamtprojekt wird mit 150.000 Euro aus Mitteln der Regionalregierung gefördert. Es umfasst neben den Ausgrabungen auch Maßnahmen zur Konservierung und zur späteren Präsentation des Areals, das seit dem Jahr 2016 als Kulturgut von besonderem Interesse eingestuft ist.

Die Überführung des Steins nach Murcia erlaubt nun eine detaillierte wissenschaftliche Aufarbeitung unter idealen Bedingungen. Die Behörden versprechen sich davon wichtige Impulse für die Erforschung der Geschichte des Ortes, seiner Bauphasen und seiner Funktion als Kur- und Gesundheitszentrum in der Antike.


Quelle: europapress.es

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