
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Rufiáns Entscheidung spaltet die spanische Linke
Neue Allianz am linken Rand?
Die Entscheidung von Gabriel Rufián, erneut als Spitzenkandidat seiner Partei ERC bei den spanischen Neuwahlen am 29. November anzutreten, hat die politische Landschaft der alternativen Linken durcheinandergebracht. Wie aus Parteikreisen verlautet, könnte dies den Weg für ein historisch beispielloses Abkommen zwischen den katalanischen Republikanern und Podemos ebnen.
Rufián schlägt damit das Angebot von Ada Colau aus, sich dem linken Bündnis Frente Amplio anzuschließen. Colau, die ehemalige Bürgermeisterin von Barcelona, hatte gehofft, mit Rufián eine integrative Figur für das gemeinsame Projekt aus Comuns, IU, Movimiento Sumar und Más Madrid zu gewinnen.
Neue Personalie aus Madrid
In diesem Wahlbündnis sorgt derweil Más Madrid für neue Bewegung. Die Partei schlägt überraschend ihren stellvertretenden Sprecher im Regionalparlament, Emilio Delgado, als Spitzenkandidaten für Madrid vor. Auf Platz zwei soll Gesundheitsministerin Mónica García folgen. Damit korrigiert die Partei ihre frühere Position, als García selbst als aussichtsreichste Kandidatin für die Führung des Wahlbündnisses gehandelt wurde.
Erstmals signalisiert Más Madrid jedoch auch Offenheit für eine Integration von Podemos in die Madrider Liste. Gleichwohl würden die strengen Paritätsregeln bei der Listenerstellung es unwahrscheinlich machen, dass Irene Montero von Podemos einen vorderen Platz erhielte.
Während IU explizit Colau als Spitzenkandidatin unterstützt, spricht sich Sumar für ein Tandem aus Colau und Delgado aus. Die Verhandlungen über die Ausgestaltung der Listen laufen auf Hochtouren, denn die Frist zur Registrierung der Wahlkoalitionen endet am Freitag, den 16. Oktober.
ERC bestätigt Rufián, Podemos bleibt vorsichtig
Die ERC hat nach wochenlangen internen Spannungen nun offiziell bestätigt, dass Rufián die Liste bei der Wahl anführen wird. Zuvor war spekuliert worden, dass der Abgeordnete Jordi Albert eine Alternative sein könnte, falls die Parteiführung und Rufián sich nicht einigen könnten. Parallel zur Bestätigung sickerten Informationen durch, dass die Republikaner und Podemos ein Abkommen für die Wahl ausarbeiten.
Sollte es zustande kommen, wäre es eine Premiere: In der Vergangenheit waren die Mitglieder von Podemos in Katalonien in den Comuns integriert, doch die Spaltung auf nationaler Ebene zerriss auch dieses Bündnis. Bereits 2023 soll Podemos versucht haben, eine Absprache mit der ERC zu treffen, was die Parteiführung der Republikaner damals aber dementierte.
Jetzt gibt es offenbar konkrete Gespräche. Wie mit der Angelegenheit vertraute Quellen berichten, stehen mehrere Optionen im Raum: Rufián könnte Wahlkampf für Podemos im Rest Spaniens machen, oder es könnte eine gemeinsame Wahlliste unter dem Label „ERC-Podem“ geben, möglicherweise auch unter den republikanischen Initialen mit unabhängigen Kandidaten von Podemos.
Frente Amplio sucht weiter nach Einheit
Die Comuns bedauern, dass Rufián nicht für das große Bündnis gewonnen werden konnte, respektieren aber seine Entscheidung. Man bleibe dem Ziel einer großen linken Einheitsfront verpflichtet, betonte die Partei. Sie hatten zuletzt gefordert, das Bündnis auch für Podemos, Compromís, die Chunta Aragonesista und Més per Mallorca zu öffnen.
Podemos selbst gibt sich bedeckt, bekräftigt aber seine Bedingung für eine Zusammenarbeit mit dem Frente Amplio: offene Vorwahlen. In Teilen der Partei herrscht jedoch Skepsis, ob die Pläne von Más Madrid wirklich tragfähig sind. Die kommenden Tage werden zeigen, ob die linke Sammlungsbewegung vor der Wahl noch zueinanderfindet oder weiter zersplittert. Europa Press berichtete zuerst über die Details der laufenden Verhandlungen.
Quelle: europapress.es