
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Rufián will den PSOE unterwerfen
Ein Buch als politisches Manifest
Gabriel Rufián, Spitzenkandidat der katalanischen Republikanischen Linken (ERC) für die spanischen Parlamentswahlen, hat wenige Wochen vor dem Urnengang ein Buch vorgelegt, das als programmatische Kampfansage zu verstehen ist. In „Cómo ganar a los fachas“ (Wie man die Faschisten besiegt) entwickelt der Politiker eine Strategie für die linken und souveränistischen Kräfte im Umgang mit der Regierungspartei PSOE. Sein erklärtes Ziel formuliert er unmissverständlich: Die eigene politische Kraft soll in einer von den Sozialisten geführten Regierung den Ton angeben.
Strategiewechsel im Bündnisgefüge
Das Werk, das am kommenden Dienstag in den Handel kommt, richtet sich an eine desillusionierte linke Wählerschaft und versteht sich als praktischer Leitfaden für politische Auseinandersetzungen. Rufiän zeichnet darin ein düsteres Bild der spanischen Linken: Diese habe in einem Jahrhundert des Wartens nicht die Fähigkeit oder den Willen bewiesen, die Anliegen des Souveränismus zu verstehen oder zu unterstützen. Daraus zieht der ERC-Politiker einen radikalen Schluss: Die eigenen Kräfte müssten selbst diese Rolle der konsequenten Linken übernehmen – instrumentell, wahlorientiert und ohne ideologische Vorbehalte.
Diese Positionierung erfolgt vor dem Hintergrund der von Ministerpräsident Pedro Sánchez angekündigten vorgezogenen Neuwahlen am 29. November. Nachdem die jüngsten Versuche gescheitert sind, eine gemeinsame Linke für den gesamten Staat zu schmieden, plädiert Rufián für eine Wiederholung der bisherigen Bündnispraxis – jedoch mit deutlich größerem Einfluss für die regionalen Kräfte ERC, Bildu, BNG und Compromís.
Konkrete Forderungen und Kooperationsangebote
Der Kandidat argumentiert, dass eine von souveränistischen Kräften kontrollierte PSOE-Regierung Fortschritte bei grundlegenden Rechten ermöglichen würde. Als Ziele nennt er unter anderem Referenden über die Unabhängigkeit Kataloniens sowie über die Staatsform. Überdies fordert er eine programmatische Annäherung aller linken Kräfte: Wohnungsfrage, Sicherheit, Migrationspolitik, Preisentwicklung, Steuerpolitik, Korruptionsbekämpfung und das Recht auf Selbstbestimmung müssten gemeinsam angegangen werden.
Für die anstehende Wahlkampfphase propagiert Rufián eine Philosophie des Pragmatismus: „In der Nützlichkeit arbeiten, nicht in der Rhetorik“, lautet seine Devise. Sein Programm orientiert sich an den Prinzipien „Weniger arbeiten für alle, das Notwendige produzieren und alles umverteilen“. Konkret bedeutet dies für ihn: Eingriffe in den Arbeits-, Immobilien- und Lebensmittelmarkt sowie eine radikale Umkehr der Steuerpolitik.
Persönliche Einblicke und parteiinterne Kritik
In den 224 Seiten des Buches gewährt der Politiker auch Einblicke in seine persönliche Geschichte. Er beschreibt seine Herkunft aus ärmlichen Verhältnissen und berichtet von einer Zeit, in der sein Monatslohn 1.100 Euro betrug und er sich gezwungen sah, Waren des täglichen Bedarfs zu entwenden. Diese Erfahrungen prägten sein Verständnis von Klassenkonflikten.
Mit Blick auf seine eigene Partei äußert Rufián deutliche Kritik an den internen Strukturen. Er fordert mehr Unterstützung für charismatische Persönlichkeiten und kritisiert eine Kultur, die eher Anpassung als Leistung belohne. In diesem Zusammenhang entschuldigt er sich bei seinem Vorgänger Joan Tardà, dem er vorwirft, in der Vergangenheit respektlos behandelt zu haben.
Positionierung gegenüber politischen Mitbewerbern
Gegenüber der katalanischen Partei Junts bezieht Rufián eine klare Position: Diese müsse ihre konfrontative Haltung aufgeben und zu einem gemäßigten, dialogbereiten Katalanismus zurückkehren. Er wünscht sich eine Erneuerung der Führungsstrukturen und eine Rückbesinnung auf traditionelle Werte der bürgerlichen Parteitradition. Die Abgrenzung von rechtsextremen Positionen sieht er dabei als unabdingbare Voraussetzung für glaubwürdige Politik.
Wie Europa Press berichtet, erscheint das Buch zu einem strategisch bedeutsamen Zeitpunkt – wenige Wochen vor Beginn des offiziellen Wahlkampfs am 13. November.
Quelle: europapress.es