
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Rotphase auf den Balearen: Schulausfall verordnet
Eskalation der Gefahrenlage
Die balearische Direktion für Notfälle und Inneres hat die Warnstufe für einen erheblichen Teil des Archipels auf die höchste Stufe angehoben. Für die Inseln Mallorca, Ibiza und Formentera gilt ab sofort die rote Warnung vor ergiebigen Regenfällen und schweren Gewittern. Die Behörden reagieren damit auf eine Prognose, die für die kommenden Stunden einen neuerlichen Schub massiver Niederschläge vorsieht. Für Menorca wurde hingegen lediglich die gelbe Warnstufe ausgerufen.
Bereits am Sonntag hatten heftige Unwetter die Region getroffen und zu erheblichen Beeinträchtigungen geführt. Wie die Nachrichtenagentur Europa Press berichtet, haben die Behörden nun Konsequenzen gezogen: Für Montag wurde in allen Bildungseinrichtungen der drei betroffenen Inseln der Präsenzunterricht ausgesetzt. Diese Maßnahme gilt als Reaktion auf die erwarteten Unwetter, die auf bereits gesättigte Böden und teils beschädigte Infrastruktur treffen.
Behörden aktivieren Notfallmechanismen
Zusätzlich zur Schulschließung wurde die Bevölkerung Mallorcas per Cell-Broadcast-Nachricht (ES-Alert) direkt auf ihren Mobiltelefonen informiert. Die Warnung umfasst die Anhebung des Schutzpegels auf Rot sowie den Hinweis auf die Unterrichtsaussetzung. Auch soziale Einrichtungen bleiben betroffen: Die Conselleria für Familien und Soziales hat die Schließung aller Tagesstätten und beruflichen Förderzentren für Menschen mit Behinderung oder Pflegebedarf auf Mallorca, Ibiza und Formentera angeordnet.
Die Lage wird durch die Wetterprognosen weiter verschärft. Die staatliche Wetteragentur Aemet erwartet, dass zwei konvektive Systeme die Balearen beeinflussen. Nach einer kurzen Wetterberuhigung über den Pitiusen am Mittag verlagerten sich die Niederschläge bereits am Nachmittag auf Mallorca.
Extreme Regenmengen in Sicht
Die entscheidende Phase beginnt jedoch in der Nacht: Ab Mitternacht wird ein neues Frontensystem von der Iberischen Halbinsel erwartet, das derzeit die Region Valencia unter Wasser setzt. Die Prognosen für das Inselgebiet sind alarmierend: Auf Mallorca werden bis zu 90 Liter pro Quadratmeter in einer einzigen Stunde und bis zu 140 Liter innerhalb von zwölf Stunden erwartet. Noch höhere Spitzenwerte sind für die Inseln Ibiza und Formentera vorhergesagt, wo bis zu 160 Liter pro Quadratmeter in zwölf Stunden fallen könnten. Menorca kommt voraussichtlich mit bis zu 20 Litern pro Stunde glimpflicher davon.
Diese Zahlen verdeutlichen die Dramatik der Lage. Bereits in den letzten 24 Stunden meldeten die Stationen beachtliche Summen: 84 Liter in Sant Joan de Labritja, 121 Liter am Flughafen von Ibiza und beachtliche 123 Liter auf Formentera.
Landung der UME und lokale Maßnahmen
Angesichts der drohenden Gefahr hat die Regionalregierung weitreichende Schritte eingeleitet. Die Unidad Militar de Emergencias (UME), die militärische Notfalleinheit, wurde mobilisiert. Der erste Trupp ist bereits per Schiff ausgelaufen und soll auf Ibiza eingetroffen sein. Ein zweites Kontingent soll am Abend folgen, sofern die Seebedingungen dies zulassen. Auch für Formentera sind Verstärkungen geplant.
Auf lokaler Ebene haben mehrere Gemeinden ihre Notfallpläne aktiviert. Auf Ibiza betrifft dies die Stadt Ibiza sowie Sant Antoni de Portmany, Sant Josep de sa Talaia und Santa Eulària des Riu, ebenso wie Formentera. Auf Mallorca wurden die Pläne in Palma (Platerpalma), Llucmajor, Andratx, Sant Llorenç des Cardassar und Porreres ausgelöst. In der Hauptstadt Palma traten um 18:00 Uhr Maßnahmen in Kraft, die die Schließung von Parks und öffentlichen Räumen sowie die Absage von Veranstaltungen vorsehen.
Appell zur Vorsicht
Die Notfallbehörden appellieren eindringlich an die Bevölkerung, die nächsten Stunden mit äußerster Vorsicht zu behandeln. Es wird geraten, unnötige Fahrten zu vermeiden, auf keinen Fall Bachläufe oder überschwemmte Gebiete zu überqueren – weder zu Fuß noch mit dem Fahrzeug – und sich von überflutungsgefährdeten Zonen fernzuhalten. Keller und Tiefgaragen sollten gemieden werden, ebenso das Parken an Stellen mit möglichem Wasseransammlungsrisiko. Sollte Wasser in Wohnräume eindringen, wird empfohlen, sich in obere Stockwerke zu begeben.
Trotz erster Anzeichen einer Normalisierung der Infrastruktur auf Ibiza und Formentera nach den Morgenunwettern bleibt die Situation angespannt. Die Behörden verweisen auf eine erwartete komplizierte Nacht und bitten die Bürger, wachsam zu bleiben und die Anweisungen der Einsatzkräfte zu befolgen. Die Koordination zwischen allen beteiligten Stellen läuft auf Hochtouren, um auf jede Entwicklung schnell reagieren zu können.
Quelle: europapress.es