Renfe vergibt Zuschlag für neue AVE-Züge

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Spanien

Renfe vergibt Zuschlag für neue AVE-Züge

von Redaktion4 Min. Lesezeit

Entscheidung im Rennen um die neuen AVE

Der spanische Bahnkonzern Renfe steht vor einer wegweisenden Entscheidung: Am kommenden Dienstag soll im Verwaltungsrat der Kauf von rund 30 neuen Hochgeschwindigkeitszügen vergeben werden. Die Fahrzeuge, die für den Verkehr auf der Strecke Madrid-Barcelona bestimmt sind, sollen bis zu 350 Stundenkilometer erreichen und gelten als „letzte Generation“. Als Bieter sind nach einem Auswahlprozess nur noch der japanisch-italienische Hersteller Hitachi und der deutsche Konzern Siemens im Rennen.

Das Auftragsvolumen bewegt sich nach Branchenangaben zwischen 1,36 und 1,7 Milliarden Euro. Die Frist für die Lieferung der ersten fünf Züge ist auf 40 Monate nach Vertragsabschluss begrenzt – also auf gut drei Jahre und drei Monate. Die restlichen Einheiten müssen innerhalb von sechs Jahren und sechs Monaten ausgeliefert werden. Damit reagiert Renfe auf ein drängendes Problem der Branche: Die europäischen Bahnhersteller kämpfen derzeit vielerorts mit erheblichen Lieferverzögerungen, die den Betrieb der Betreiber belasten.

Wie bei solchen Großaufträgen üblich, sind die Details der Angebote streng vertraulich. Die Mitglieder des Verwaltungsrats haben die entsprechenden Unterlagen, in denen der empfohlene Gewinner genannt wird, nach Informationen aus Unternehmenskreisen noch nicht erhalten. Die Entscheidung gilt dennoch als weitgehend vorbereitet.

Warum zwei Bewerber übrig blieben

Dass sich das Rennen auf Hitachi und Siemens reduziert hat, ist kein Zufall. Renfe hatte im Vorfeld klare technische und betriebliche Präferenzen formuliert, die offenbar nicht von allen Herstellern erfüllt werden konnten. Der spanische Zughersteller Talgo, der mit seinem „Avril“-Modell eigentlich ein starkes Angebot hätte abgeben können, wurde von vornherein nicht berücksichtigt: Die Bahn will keine Züge mit fünf Sitzen pro Reihe in der Anordnung 3+2, wie sie Talgo vorgesehen hatte.

Auch der französische Konzern Alstom, der mit den Doppelstockzügen für den Konkurrenten Ouigo in Spanien vertreten ist, bekam deutlich zu verstehen, dass man bei Renfe keine doppelstöckigen Fahrzeuge für diese Strecke plant. Interessant ist derweil, dass führende Stimmen aus dem spanischen Verkehrsministerium – von Minister Óscar Puente bis hin zu ranghohen Beamten – sich bereits vor dem Start des Vergabeverfahrens öffentlich positiv über Hitachi geäußert hatten. Hitachi baut die Züge, die derzeit für den Anbieter Iryo im Land unterwegs sind. Wer den Zuschlag letztlich erhält, wird sich jedoch erst am Dienstag offiziell zeigen.

Technische Anforderungen und Service-Qualität

Die neuen Züge müssen nicht nur schnell sein, sondern auch hohen Komfort bieten. Laut Ausschreibungsunterlagen sind sie für 450 Passagiere in zwei Klassen ausgelegt. Zudem werden zwei Plätze für Personen mit eingeschränkter Mobilität gefordert, eine Cafeteria und Platz für vier nicht zerlegbare Fahrräder. Technisch setzen die Fahrzeuge auf die europäische Normalspur mit dem internationalen Standard (UIC) und sollen mit dem modernen europäischen Zugbeeinflussungssystem ERTMS ausgerüstet werden. Auch das in Spanien weit verbreitete ältere System ASFA muss an Bord sein.

Wartungsfrage führte zu internen Spannungen

Ursprünglich hatte Renfe über den reinen Fahrzeugkauf hinaus auch geprüft, dem Hersteller die Wartung der Flotte für einen Zeitraum von 15 bis 20 Jahren zu übertragen – ein Paket, das den Auftragswert um weitere 2,3 Milliarden Euro erhöht hätte. Dieser Plan stieß jedoch intern auf Widerstand. Hintergrund ist eine Vereinbarung mit den Gewerkschaften vom Februar, die nach dem schweren Zugunglück von Adamuz geschlossen wurde. Darin verpflichtete sich Renfe, Wartungsarbeiten künftig wieder verstärkt in die eigenen Hände zu nehmen, anstatt sie auszugliedern.

Im Streit mit den Lokführern, die für Ende Oktober erneut zu einem Streik aufgerufen haben, betonte der Konzern zuletzt, alle Zusagen aus dem Februar erfüllt zu haben. Dazu gehöre, dass die Wartung der neuen Hochgeschwindigkeitszüge aus dem jetzt anstehenden Vergabeverfahren von der eigens gegründeten Tochtergesellschaft Renfe Ingeniería y Mantenimiento (Integria) übernommen werde.

Weitere Beschlusspunkte im Verwaltungsrat

Neben dem Prestigeprojekt der neuen AVE-Züge steht auf der Tagesordnung des Verwaltungsrats ein weiteres Thema: die Neuauflage der Ausschreibung für Ersatzbusse. Diese sogenannten Planes Alternativos de Transportes (PAT) kommen immer dann zum Einsatz, wenn der Bahnverkehr wegen Störungen oder Bauarbeiten unterbrochen werden muss.

Ein erster Anlauf des Renfe-Präsidenten Álvaro Fernández Heredia, eine eigene Busgesellschaft zu gründen, war zuvor am Einspruch kleinerer Busunternehmen gescheitert. Das zentrale Verwaltungsgericht des Finanzministeriums gab den Beschwerden statt und forderte eine Überarbeitung der Ausschreibungsunterlagen. Branchenkreise gehen davon aus, dass eine neue Lösung darin bestehen könnte, den Busbetrieb in mehrere regionale Lose aufzuteilen, um kleinen und mittleren Anbietern eine Chance zu geben. Gänzlich ausgeräumt ist der Konflikt damit jedoch nicht – auch die neuen Pläne dürften nach Einschätzung von Beobachtern weiterhin den großen Transportunternehmen in die Hände spielen.

Wie die „20 Minutos“ berichtet, hofft Renfe mit der zügigen Vergabe nun auf mehr Planungssicherheit – sowohl bei der Flottenmodernisierung als auch bei den Alternativkonzepten für den Schienenersatzverkehr.


Quelle: 20minutos.es

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