Rehabilitierte Spieler fordern mehr Prävention

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Madrid

Rehabilitierte Spieler fordern mehr Prävention

von Redaktion2 Min. Lesezeit

Eine Krankheit mit Gesichtern

Juan Carlos Gallego, 62 Jahre, ist seit über einem Jahrzehnt in Therapie. Früher verlor er viel Geld bei illegalen Pokerspielen, später stürzte er sich in Sportwetten. „Ich dachte, ich würde reich werden“, erinnert er sich. Zeitweise setzte er täglich bis zu 2.000 Euro. Nach einem Jahr gestand er seiner Frau die Sucht. Heute leitet er die APAL, eine der größten Selbsthilfeorganisationen für Glücksspielabhängige in Spanien. Die Therapiegruppen sind klein, oft nicht mehr als zehn Personen, die ihre Erfahrungen teilen.

Offizielle Anerkennung erst spät

Die Glücksspielsucht, offiziell als „Pathologisches Spielen“ klassifiziert, wurde erst 1980 als Krankheit anerkannt. Das Diagnosehandbuch DSM-5 beschreibt sie als wiederkehrendes problematisches Spielverhalten mit erheblichen negativen Folgen für die Betroffenen. Anlässlich des Welttags der psychischen Gesundheit berichten Rehabilitierte von erheblichen Lücken in der Prävention.

Zahlen belegen den Anstieg

Die Erhebung EDADES 2024 zeigt: In der Region Madrid gelten rund 62.000 Menschen zwischen 15 und 64 Jahren als problematische Spieler. Bei den unter 25-Jährigen sind es über 7.000 – ein Anstieg von 18 Prozent gegenüber 2022. Bayta Díaz, Vizepräsidentin der Vereinigung AMETAC, beobachtet keine klaren Suchtprofile. „Es kommen überwiegend Männer, aber zunehmend auch Frauen“, sagt sie. Das Altersspektrum reiche von 18 bis 70 Jahren. Besonders stark gestiegen sei die Nutzung von Videospielen mit einem Plus von 13,2 Prozent. Den Wendepunkt sieht sie in der Legalisierung von Online-Glücksspielen im Jahr 2011.

Digitaler Absturz eines jungen Spielers

Javier, 29 Jahre, ist seit fast drei Jahren trocken – ohne auch nur um einen Kaffee zu wetten. Mit 17 ging er aus Spaß mit Freunden in Wettbüros. Am Ende spielte er „allein im Online-Casino, liegend im Bett“. Zwei Jahre spielte er zwanghaft. Als die Schulden wuchsen, versuchte er, durch weitere Einsätze die Verluste auszugleichen. Irgendwann stand sein Konto im Minus, er nahm Kredite auf. Der Wendepunkt kam, als er sich eingestehen musste: „Das Spiel hat mich besiegt.“ Heute haben seine Familie und seine Partnerin Zugriff auf alle seine Konten. Bei jedem Kauf erhält sein Umfeld eine Benachrichtigung.

Sperrliste als letzter Schutz

Javier lobt die Selbstsperre als „bestes Gesetz des Landes“. Rund 4.000 Menschen sind in Madrid aktuell registriert. Die Sperre erneuert er gemeinsam mit seiner Partnerin alle sechs Monate. Beide Männer sind dauerhaft von allen Spielstätten ausgeschlossen. Juan Carlos meidet inzwischen jegliche Sportsendungen, Javier geht nicht in die Nähe von Bingohallen bei Dorffesten. „Wir bleiben ein Leben lang süchtig“, sagt Juan Carlos. Seine Motivation beschreibt er klar: „Ich habe die Hölle erlebt, aber das Spiel raubt mir nicht länger den Schlaf und das Geld.“ Im September stellte die Regionalregierung 500.000 Euro für Präventionsprojekte lokaler Initiativen für 2027 bereit. Wie die Europa Press berichtet, bleibt die Nachfrage nach Therapieplätzen unverändert hoch.


Quelle: europapress.es

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