Regionalchef weist Lokführern Grenzen auf

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Barcelona

Regionalchef weist Lokführern Grenzen auf

von Redaktion2 Min. Lesezeit

Ein Spiel mit der Sicherheit

Es ist ein seit Jahren bekanntes Muster: Wenn in Katalonien der Zugverkehr kollabiert, wird nicht über Versäumnisse der Infrastrukturpolitik debattiert, sondern über die Frage, wer den Schwarzen Peter zugeschoben bekommt. Diesmal hat Regionalpräsident Salvador Illa die Rechnung allerdings schneller präsentiert als mancher Beobachter erwartet hatte. Seine Botschaft an die Adresse der Lokführergewerkschaft Semaf war unmissverständlich: Wer den Betrieb lahmlegt, muss sich für die Konsequenzen verantworten – und darf sich nicht hinter Scheinargumenten verstecken.

Klare Ansage statt diplomatischer Floskeln

Im katalanischen Parlament ließ Illa am Mittwoch keinen Zweifel daran, wen er für den Ausfall der Vorortzüge Rodalies verantwortlich hält. Ein Syndikat habe die Züge schlicht nicht fahren lassen, stellte er in der Regierungskontrolle klar und wies zugleich den Versuch zurück, den Streik mit Sicherheitsbedenken zu rechtfertigen. Die Sicherheit der Gleisanlagen sei keine Frage subjektiver Wahrnehmung, betonte er – und damit auch keine Angelegenheit, über die eine Gewerkschaft nach eigenem Gutdünken befinden könne.

Wer hat hier das Sagen?

Seine Argumentation ist bestechend logisch, doch genau darin liegt die Provokation. Illa zog eine klare Trennlinie: Die Entscheidungshoheit über die Sicherheit der Infrastruktur liege nicht bei den Beschäftigten, sondern bei den dafür vorgesehenen Aufsichtsagenturen. Wer als Gewerkschaft diese Kompetenz für sich reklamiere, überschreite nicht nur die eigene Machtbefugnis, sondern gefährde letztlich das Vertrauen der Fahrgäste. Die Botschaft richtet sich nicht allein an die Gewerkschaftsspitze, sondern auch an all jene, die in dem Arbeitskampf eine legitime Form des Protests sehen mögen.

Ankündigung von Konsequenzen

Doch Illa beließ es nicht bei der Schuldzuweisung. Die Regierung werde aufklären, was genau passiert sei, kündigte er an – eine Formulierung, die nach einer geordneten Nachbereitung klingt, aber auch als versteckte Drohung verstanden werden kann. Während das Verkehrsunternehmen derweil an einer schrittweisen Wiederaufnahme des Betriebs arbeitet, bleibt die zentrale Frage unbeantwortet: Wie viel Einfluss dürfen Gewerkschaften auf sicherheitsrelevante Entscheidungen nehmen, ohne dass die öffentliche Ordnung darunter leidet?

Die Debatte dürfte damit nicht beendet sein – im Gegenteil. Semaf wird sich gegen die Vorwürfe zur Wehr setzen müssen, und die katalanische Öffentlichkeit darf gespannt beobachten, ob Illa seinen Worten Taten folgen lässt. Eines ist jedoch schon jetzt klar: Die Sicherheit der Passagiere ist zu wichtig, um sie zum Spielball gewerkschaftlicher Machtdemonstrationen zu machen. Wie die Europa Press berichtet, warnte Illa eindringlich davor, Sicherheitsfragen als Verhandlungsmasse zu instrumentalisieren.


Quelle: europapress.es

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