
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Regierung räumt Balearen-Bäche auf
Kampf den Schuttablagerungen
Während Kritiker seit Jahren ein Versagen beim Schutz vor Unwettern beklagen, zieht die Inselregierung nun offenbar die Konsequenzen. Das Konsulat für Meer und Wasserkreislauf hat ein umfangreiches Programm zur Säuberung und Instandsetzung der oft gefährlichen Sturzbäche gestartet. Es ist ein Eingeständnis: Jahrelang hat man die natürlichen Wasserläufe vernachlässigt, nun muss der Rückstau aus Vegetation und Geröll mühsam beseitigt werden.
Menorca: Prävention an zwei neuralgischen Punkten
Besonders auf Menorca wird die Notwendigkeit solcher Maßnahmen deutlich. Wie die Behörde mitteilt, konzentrieren sich die Arbeiten dort auf zwei zentrale Gewässer. Am Torrent des Vergers in Maó wurden über eine Länge von rund 700 Metern, inklusive 50 Metern Nebenarmen, nicht nur Schilf und Wurzeln entfernt, sondern auch die Uferbefestigungen aus Trockenmauerwerk, Naturstein und Beton punktuell repariert. Ein klares Signal, dass man die Infrastruktur aus der Vergangenheit für die Stürme der Zukunft wappnen will.
Nur wenige Kilometer entfernt, am Torrent de Puntarró-Santa Catalina, setzt man auf eine Kombination aus Abtransport und technischem Verbau. Auf etwa 900 Metern Länge wurden nicht nur der Bewuchs und die Rhizome entfernt, sondern auch sogenannte Querbauwerke installiert. Diese dienen als Bremse: Sie sollen den Wasserfluss temporär stauen und so die Erosionskraft bändigen. An den Ufern schützt nun eine Felsschüttung, technisch als Scollera bekannt, vor weiterem Abtrag.
Mallorca: Der Kampf um den Wasserdurchlass
Das Herzstück der Aktionen liegt jedoch auf der Hauptinsel. Hier geht es nicht nur um einzelne Hotspots, sondern um die flächendeckende Sicherung der Abflusswege. Im Raum Palma zeigt sich das Dilemma der Urbanisierung: Am Torrent de Bunyola mussten auf 1,3 Kilometern die Angestammten Überreste von Pflanzen und Treibgut weichen, um die Durchlassfähigkeit unter der Stadt zu gewährleisten.
Im Landesinneren, wo die Bäche oft die einzige Lebensader für die Landwirtschaft sind, setzt man auf Breitenwirkung. Die Maßnahmen lesen sich wie ein Kataster der Gefahrenzonen: Vom Torrent de Montblanc zwischen Sineu und Maria de la Salut, wo auf fast 3,5 Kilometern sogar die Wurzelstöcke extrahiert wurden, bis hin zum Torrent de ses Planes in Sant Llorenç des Cardassar. Dort, wo 2018 eine Sturzflut Todesopfer forderte, wird nun auf fast 5,4 Kilometern der Bach von Hindernissen befreit. Es sind genau diese langen Abschnitte, die den Unterschied machen, wenn der Himmel binnen Stunden seine Wassermassen entlädt.
Ibiza: Sanfte Taktik an den Touristenströmen
Auf der Partyinsel Ibiza geht man die Probleme an den Ursprüngen an. Während am Torrent d'en Capità (280 Meter) und am Torrent de Can Jordi (850 Meter) vor allem Hindernisse beseitigt und der Bachquerschnitt durch punktuelle Ausgrabungen wiederhergestellt wurde, setzt man am urbanen Fluss von Santa Eulària auf Substanz: Hier werden die Ufermauern mit einer Mischung aus Naturstein und Beton wieder aufgebaut.
Die Bilanz der Behörde liest sich als Erfolgsgeschichte der laufenden Unterhaltung. Doch die eigentliche Bewährungsprobe steht noch aus: Sie kommt mit dem nächsten Starkregen. Die Frage ist nicht, ob die Bäche über die Ufer treten, sondern ob die Politik aus den Lehren der Vergangenheit gelernt hat und die Kanäle frei genug sind, um die Wassermassen schadlos ins Meer zu führen. Die aktuellen Arbeiten sind ein Schritt in die richtige Richtung – mehr nicht.
Wie die Conselleria del Mar i del Cicle de l'Aigua mitteilte, sind alle Maßnahmen Teil der ordentlichen Instandhaltung des öffentlichen hydraulischen Eigentums. Angesichts der Klimaprognosen für das Mittelmeer wird dies jedoch ein Dauerzustand bleiben müssen. Weitere Informationen zu den Maßnahmen der Balearen-Regierung finden Sie bei Europa Press.
Quelle: europapress.es