
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Razzia auf Gran Canaria: 3.000 Liter Treibstoff beschlagnahmt
Der Tankwart des Todes: Polizei stoppt Treibstoff-Lieferung für Drogenkuriere
Wieder einmal zeigt sich, wie dreist und gleichzeitig primitiv die Logistik des Drogenhandels funktioniert. In den frühen Morgenstunden des 9. Oktober haben Beamte der Polizei auf Gran Canaria einen Mann gestoppt, der in einem Miettransporter mehr als 3.000 Liter Benzin über die Insel karrte. Der Vorwurf: Die Ladung sollte offenbar als Treibstoff für Schnellboote dienen, mit denen Drogenhändler ihre Ware an die Küste bringen.
Die naiven Fragen eines Kuriers
Die Beamten der Einheit für Prävention und Reaktion aus Maspalomas patrouillierten auf der GC-500, als ihnen der Kleinbus mit der schweren Ladung auffiel. Was dann folgte, klingt wie ein schlechtes Drehbuch: Der Fahrer gab an, 165 Kanister mit je 20 Litern Benzin geladen zu haben. Gekauft habe er den Sprit an einer Tankstelle in El Goro oder Arinaga – so genau wisse er das nicht mehr. Bezahlt? Natürlich bar, versteht sich. Einen Beleg? Fehlanzeige. Und wem gehörte die Ware? Keine Ahnung. Ein Unbekannter habe ihn beauftragt, das Zeug zu einer Tankstelle in Mogán zu bringen. Immerhin: Für die Fahrt habe er Geld gebraucht, gab der Mann zu Protokoll.
Man muss kein Kriminalist sein, um hier die Alarmglocken schrillen zu hören. Die Polizei geht davon aus, dass der Treibstoff für sogenannte Mutterschiffe bestimmt war – Schlauchboote, die auf hoher See andere Drogenboote betanken. Diese schwimmenden Tankstellen sind das Rückgrat des Nachschubs für die hochmotorisierten Schmuggelboote, die regelmäßig mit Kokainladungen aus Nordafrika oder Südamerika an den Küsten der Kanaren auftauchen.
Ein deliktes Geschäft mit fatalen Folgen
Dass der Fahrer nun wegen eines Verstoßes gegen die öffentliche Ordnung – im Polizeijargon „Petaqueo“ genannt – festgenommen wurde, ist nur die halbe Miete. Die eigentliche Frage ist doch: Wie kann es sein, dass ein einzelner Mann mit einem Mietwagen hunderte Liter Benzin durch die Gegend fahren kann, ohne dass irgendjemandem auffällt, dass hier etwas nicht stimmt? Die Antwort ist so einfach wie erschreckend: Weil es sich lohnt. Die Drogenkartelle zahlen gut für solche Botendienste, und die Not der Menschen auf den Inseln ist groß. Genau diese Verzweiflung wird hier ausgenutzt.
Die Beamten betonen zwar, dass die endgültige Bestimmung der Kanister noch nicht zweifelsfrei geklärt ist. Aber die Indizienkette ist erdrückend: keine Papiere, keine Quittungen, keine Sicherheitsvorkehrungen für den Transport von hochexplosivem Material. Wer 3.000 Liter Benzin ohne jede Dokumentation durch die Nacht fährt, der weiß sehr genau, was er da tut – oder will es nicht wissen, weil das Geld stimmt.
Ein Tropfen auf den heißen Stein?
Kritiker könnten nun einwenden, dass 3.000 Liter im Vergleich zu den Mengen, die tatsächlich auf den Meeren unterwegs sind, ein Witz sind. Doch genau das ist der Punkt: Jeder abgefangene Liter ist ein Schlag gegen die Infrastruktur des Drogenhandels. Die Polizei hat mit dieser Aktion nicht nur einen Kurier gestoppt, sondern auch die Logistikkette der Schmuggler empfindlich gestört. Es ist ein Katz-und-Maus-Spiel, bei dem die Behörden längst wissen, dass sie nicht jedes Boot stoppen können. Aber sie können es den Banden zumindest schwerer machen.
Die Ermittlungen laufen, der Mann sitzt in Untersuchungshaft. Und während die Drogenbarone sich neue Kurse suchen, bleibt die Frage: Wie viele solcher Fahrten passieren unbemerkt? Die Antwort darauf will sich niemand so recht ausmalen.
Wie die Nachrichtenagentur Europa Press berichtet, hat die Polizei die Ermittlungen aufgenommen, um die Hintermänner zu identifizieren. Ob der festgenommene Fahrer dabei als Kronzeuge aussagen wird, bleibt abzuwarten. Sicher ist nur: Der Kampf gegen den Drogenschmuggel auf den Kanarischen Inseln ist längst nicht gewonnen – aber jeder Schlag gegen die Logistik ist ein Schritt in die richtige Richtung.
Quelle: europapress.es