
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Qualvolle Wochen: Hunde im Garten vergessen
Eingesperrt und vergessen: Zynischer Umgang mit dem Leben
Wieder einmal zeigt sich: Tierquälerei ist keine Randerscheinung, sondern ein hässliches Abbild menschlicher Verantwortungslosigkeit. Während sich die spanische Guardia Civil mit der Operation "Luna" auf die Spur zweier offenbar gewissenloser Hundehalter begibt, fragt man sich unweigerlich: Wie tief muss die Verrohung einer Gesellschaft sein, in der Lebewesen einfach dem Verfall preisgegeben werden?
Kein Unfall, sondern vorsätzliches Handeln
Die Fakten sind eindeutig und erschüttern zugleich. Wie die Guardia Civil mitteilt, entdeckten Beamte der örtlichen Polizei von Campos del Río bereits Mitte September zwei Belgische Schäferhunde in einem desolaten Zustand auf einem Privatgrundstück. Die Tiere waren nicht etwa Opfer eines tragischen Unglücks, sondern schlichtweg sich selbst überlassen worden. Ein ganzes halbes Leben – genauer gesagt sechs Wochen – dauerte die Tortur der Hunde an. Sechs Wochen, in denen die Eigentümer ihr Anwesen nicht ein einziges Mal betraten.
Es ist ein Szenario, das einen fassungslos zurücklässt: Die Nachbarn der Urbanisation mussten einspringen, um die Hunde überhaupt am Leben zu erhalten. Sie bewiesen mehr Menschlichkeit als die eigentlichen Besitzer. Diese scheinen keinerlei Skrupel gekannt zu haben, als sie ihre Schützlinge einem langsamen, qualvollen Tod durch Verhungern und Verdursten überließen.
Grausamer Befund: Die Sprache des Körpers
Als die Spezialisten des SEPRONA, der Naturschutzabteilung der Guardia Civil, die malträtierten Tiere schließlich untersuchten, bestätigte sich der schlimmste Verdacht. Der Befund lautete: extreme Abmagerung und Kachexie – ein medizinischer Fachbegriff, der nichts anderes bedeutet als die komplette Auszehrung des Körpers. Die Hunde waren buchstäblich am Ende ihrer Kräfte. Ein Zustand, der nicht durch eine einmalige Vernachlässigung entsteht, sondern durch systematisches, wochenlanges Ignorieren grundlegender Bedürfnisse.
Die Beamten handelten konsequent und zügig. Die Tiere wurden aus ihrer misslichen Lage befreit, beschlagnahmt und umgehend in die Obhut der Gemeinde übergeben. Dort kümmert sich nun eine amtliche Tierärztin um die Rekonvaleszenz der abgemagerten Geschöpfe. Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit, denn der körperliche Verfall solcher Tiere ist oft weit fortgeschritten und hinterlässt nicht selten bleibende Schäden.
Die Justiz ist gefordert, die Gesellschaft auch
Gegen die beiden identifizierten Besitzer aus der nahegelegenen Stadt Mula wird nun ermittelt. Ihnen droht ein Strafverfahren wegen eines mutmaßlichen Delikts gegen Tiere – der Tatbestand der Tierquälerei durch Aussetzung ist im spanischen Strafgesetzbuch klar verankert. Zusätzlich erwarten sie Ordnungswidrigkeitenverfahren wegen der Missachtung der Tierschutzgesetzgebung. Doch reicht das aus? Wer Tiere über Wochen dem Sicheren Tod ausliefert, der hat offenbar jede Empathie verloren. Die Justiz muss hier ein klares Zeichen setzen, dass es sich nicht um ein Kavaliersdelikt handelt, sondern um eine Straftat, die Konsequenzen haben muss.
Die Guardia Civil startete bereits 2017 ihre Kampagne "#YoSíPuedoContarlo" (Ich kann es erzählen), um genau solche Fälle aufzudecken. Sie setzt dabei auf die Wachsamkeit der Bürger – und das zu Recht. Denn wie dieser Fall aus Campos del Río eindrucksvoll zeigt, sind es oft die Nachbarn, die das Grauen als erste bemerken und handeln. Die Behörden verzeichnen einen Anstieg der Sensibilität in der Bevölkerung, die Fälle meldet, bevor es zu spät ist.
Doch die Kampagne richtet sich nicht nur an Hinweisgeber. Sie appelliert vor allem an die Vernunft der Tierhalter selbst: Ein Tier zu halten, bedeutet eine Verantwortung zu übernehmen, die nicht mit dem Urlaub oder der eigenen Bequemlichkeit endet. Wer dieser Verantwortung entflieht, macht sich nicht nur strafbar, sondern entlarvt sich moralisch. Dieser Fall in der Region Murcia ist ein weiterer Beleg dafür, dass die Behörden wachsam bleiben und Tierquäler konsequent zur Rechenschaft ziehen – eine Entwicklung, die man nicht hoch genug schätzen kann. Die Frage, die bleibt, ist, ob die Justiz mit ebenso harter Hand urteilt, wie die Ermittler zugeschlagen haben.
Quelle: Informationen basierend auf einem Bericht der Nachrichtenagentur Europa Press.
Quelle: europapress.es