
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Puigdemont triumphiert: Amnestie als späte Kapitulation
Ein Sieg mit Nachgeschmack
Die Justiz hat gesprochen – nicht freiwillig, sondern weil ihr keine Wahl blieb. Diese Lesart vertritt zumindest Carles Puigdemont, der die jüngste Wendung im Amnestie-Verfahren unverhohlen als Erfolg für sich und seine Mitstreiter verbucht. Die Erleichterung ist dem Ex-Präsidenten anzumerken, doch seine Wortwahl verrät tiefe Verbitterung über den zähen Weg dorthin.
"Arrastrando los pies" – ein Kommentar mit Sprengkraft
In einem Beitrag auf der Plattform X reagierte der in Waterloo lebende Separatistenführer am Dienstag auf die Entscheidung des Obersten Gerichtshofs (TS), die Amnestie auf führende katalanische Politiker anzuwenden. Wie die Nachrichtenagentur Europa Press berichtet, zeigte sich Puigdemont erfreut über die Entwicklung, die unter anderem ERC-Chef Oriol Junqueras, Junts-Generalsekretär Jordi Turull sowie die früheren Minister Raül Romeva und Dolors Bassa betrifft.
Doch die Freude ist nicht ungetrübt. Das Gericht habe die Amnestie "widerwillig, mit angezogener Handbremse und verspätet" umgesetzt, so Puigdemonts unmissverständliche Kritik. Er wählte dafür das bildhafte spanische "arrastrando los pies" – das Schleppen der Füße, das jeden Widerstand symbolisiert, den die Justiz bis zuletzt geleistet habe.
Die Sprache der Kapitulation
Puigdemont geht in seiner Analyse noch einen Schritt weiter: Der Oberste Gerichtshof habe letztlich "die Kapitulation unterschreiben müssen". Diese Formulierung ist bezeichnend für das angespannte Verhältnis zwischen der katalanischen Unabhängigkeitsbewegung und der spanischen Justiz. Der Ex-Präsident betonte, dass die Institutionen "Zeit, Ressourcen und Erfindungsgabe" investiert hätten, um die Amnestie zu verhindern – doch nun sei klar: "Die Amnestie wird für alle kommen."
Damit stellt Puigdemont klar, dass dieser Rechtsakt für ihn nicht nur eine juristische Formalie ist, sondern ein politischer Sieg, der nach jahrelangem Kampf errungen wurde. Die Botschaft richtet sich sowohl an die eigene Basis als auch an Madrid: Der Druck hat sich gelohnt.
Quelle: europapress.es