Puig trotzt dem Schweigen der Kammer

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Barcelona

Puig trotzt dem Schweigen der Kammer

von Redaktion2 Min. Lesezeit

Ein Akt des Widerstands, kein Schlussstrich

Katalonien hat einen seiner prominentesten Exil-Rückkehrer wieder im Parlament – und der lässt keinen Zweifel an seiner Mission. Lluís Puig, Ex-Minister der Regierung und heutiger Abgeordneter von Junts, hat bei seiner ersten Rede im Hemicycle nach neun Jahren Abwesenheit eine klare Ansage gemacht: Der Unabhängigkeitskampf ist nicht vorbei, er wird nur anders geführt. „Nichts beginnt und nichts endet heute“, rief Puig den Abgeordneten entgegen. Ein Satz, der wie eine Kampfansage an alle klingt, die glauben, die Zeit der großen Gesten sei in Barcelona vorüber.

Applaus von den einen, Eiseskälte von den anderen

Die Szene, die sich am Donnerstag im Parlament abspielte, war ein politisches Gruppenfoto der gespaltenen Gesellschaft. Während sich Junts, ERC, die Comuns, die CUP und sogar der Wirtschaftsminister Miquel Sàmper von den Sitzen erhoben und Puig minutenlang feierten, blieben die Reihen der Sozialisten (PSC) und der Volkspartei (PP) wie versteinert. Die Abgeordneten von Vox gingen sogar noch einen Schritt weiter: Sie betraten den Plenarsaal erst, als Puig seine Rede bereits beendet hatte – ein symbolischer Affront, der deutlicher kaum sein könnte.

Die Rückkehr als politisches Signal

Dass Puig aus dem belgischen Exil zurückkehrte, ist kein privater Akt, sondern ein bewusst inszeniertes Signal an die eigene Basis. Rund um das Jubiläum des 1-O – dem illegalen Referendum von 2017 – nutzt der Separatismus die Rückkehr seiner Ikone, um neue Mobilisierung zu demonstrieren. Die Botschaft an Madrid und an die spanische Justiz ist eindeutig: Die Bewegung existiert weiter, trotz Haftbefehlen, trotz juristischer Verfolgung, trotz gescheiterter Verhandlungen. Wie die Nachrichtenagentur Europa Press berichtet, war Puigs Auftritt von den Separatisten-Parteien als geschlossenes Zeichen der Einheit geplant.

Wer nun glaubt, derlei Auftritte seien reine Folklore, irrt gewaltig. Denn Puig sprach nicht nur über die Vergangenheit, sondern formulierte einen Anspruch für die Zukunft: „Mit einer Kraft, die aus allen kommt – und trotz allen.“ Die Botschaft richtet sich damit auch an jene Kräfte innerhalb der Unabhängigkeitsbewegung, die nach Jahren der Stagnation nach neuen Wegen suchen. Während sich die Führung von Junts um eine pragmatischere Linie bemüht, gibt Puig dem radikalen Flügel eine Stimme.

Die Weigerung der Sozialisten und der Volkspartei, den Rückkehrer zu applaudieren, zeigt jedoch, wie tief die Gräben bis heute sind. Der Anspruch auf Dialog, den Pedro Sánchez immer wieder betont, wirkt vor dem Hintergrund solcher Szenen wie eine Hülse ohne Inhalt. Und die Rechtspartei Vox, die mit einem Boykott reagierte, inszeniert sich weiter als Bollwerk gegen jede Form von Separatismus – ein Schauspiel, das die politischen Fronten in Katalonien eher verhärtet, als dass es sie aufweicht.

Puig hat am Donnerstag keinen Zweifel daran gelassen, dass er nicht als Besucher ins Parlament gekommen ist, sondern als Kämpfer. Der Applaus seiner Unterstützer war laut, doch das Schweigen der anderen Reihen war ebenso deutlich. Katalonien bleibt gespalten – und dieser Auftritt hat gezeigt, dass daran auch neun Jahre nach dem 1-O nichts geändert haben.

Der Artikel basiert auf Berichten der Nachrichtenagentur Europa Press.


Quelle: europapress.es

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