
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Psychoaktive Substanzen in Scheinklinik entdeckt
Illegaler Rückzugsort mit gefährlichen Substanzen
In der Nähe von Valencia ist der Guardia Civil ein Schlag gegen eine mutmaßliche Scheinpraxis gelungen. Unter dem Codenamen „Operation Quimera“ wurde eine Einrichtung in Sagunt geschlossen, die als „Klinik für Retreats“ auftrat, in Wirklichkeit aber ihren Kunden verbotene psychoaktive Substanzen verabreichte. Den Betreibern wird vorgeworfen, diese Drogen als Wundermittel gegen schwere Krankheiten angepriesen zu haben, ohne über jegliche medizinische Qualifikation zu verfügen.
Ermittlungen durch Internetanzeige ausgelöst
Den Behörden war die Einrichtung zunächst durch eine Werbeanzeige im Netz aufgefallen, in der „psychologische Therapie-Retreats“ beworben wurden. Da der Verdacht aufkam, dass hier Unbefugte medizinische Dienstleistungen anbieten, wurde der Fall an die offizielle Psychologenkammer der Region Valencia (COPCV) weitergeleitet. Deren Prüfung ergab: Für keines der angebotenen Angebote gab es eine entsprechende Berufszulassung oder Mitgliedschaft in der Kammer. Ebenso wenig existierte eine behördliche Genehmigung für den Betrieb des Gebäudes.
Angebliche Naturheilkunde mit hohem Risiko
Die anschließenden Ermittlungen förderten zutage, was in den angebotenen Kursen tatsächlich verabreicht wurde. Die Liste der eingesetzten Stoffe liest sich wie ein Katalog illegaler Rauschmittel: Ayahuasca, halluzinogene Pilze, Psilocybin, das Sekret des Kambó-Frosches sowie die Substanz „Bufo Alvarius“ wurden den Teilnehmern in therapeutischem Rahmen verabreicht. Die Verantwortlichen versprachen Heilung von Krankheiten, ohne dass sie die dafür nötige Ausbildung oder Lizenz hätten vorweisen können.
Die angebotenen Plätze waren nicht billig: Für die mehrtägigen „Behandlungen“ verlangte die Organisation bis zu 500 Euro pro Person. In den sozialen Medien warb die Gruppe zudem damit, eigene Kapseln mit Psilocybin herzustellen – eine Substanz, die erhebliche Gesundheitsrisiken birgt.
Gefährliche Versprechungen und falsche Versprechen
Besonders dreist war die Vermarktung der angeblichen Therapien. Auf der eigenen Website rieten die Betreiber zwar, die Substanzen nur von Fachpersonal verabreichen zu lassen – gleichzeitig hatten sie selbst keinerlei Qualifikation. Zudem wurden den Kunden falsche Heilungsversprechen gemacht: So hieß es, Erbrechen und Durchfall nach der Einnahme seien Zeichen der Besserung, da der Körper „gereinigt“ werde. In einem Fall wurde sogar behauptet, dass „selbst Krebs keine Chance hat zu wachsen“. Ein offensichtlich haltloses und gefährliches Versprechen, wie Experten betonen.
Die Ermittler gehen davon aus, dass die Teilnehmer über mehrere Tage hinweg unter Beobachtung mit den Substanzen versorgt wurden, wobei die „Behandler“ ihre Vitalwerte kontrollierten und Nebenwirkungen behandelten.
Razzia mit Funden und Festnahme
Am 25. September schlug die Polizei zu. Bei der Durchsuchung einer Villa in Sagunt, die als Zentrale diente, stellten die Beamten umfangreiches Material sicher: mehrere noch nicht analysierte Substanzen, darunter auch ein Behältnis mit der als „MMS“ bekannten Chemikalie (Miracle Mineral Solution), die offiziell als illegales Arzneimittel eingestuft ist. Zudem fanden sich eine Kapselherstellungsmaschine, Feinwaagen, halluzinogene Pilze sowie Kultivierungs-Kits für deren Zucht. Auch Bargeld und medizinische Unterlagen mehrerer Patienten wurden beschlagnahmt.
Zum Zeitpunkt des Zugriffs hielten sich mehrere „Klienten“ aus verschiedenen Teilen Spaniens in dem Gebäude auf – darunter Personen aus Tarragona, Barcelona, den Balearen und Bizkaia.
Der Hauptverantwortliche wurde noch vor Ort festgenommen. Wenige Tage später geriet auch eine mutmaßliche Mittäterin ins Visier der Ermittler. Bei den Beschuldigten handelt es sich um einen 46-jährigen Mann und eine 38-jährige Frau, beide mit argentinischer Staatsangehörigkeit. Ihnen werden Verbrechen gegen die öffentliche Gesundheit, Verstoß gegen das Berufsrecht und Betrug vorgeworfen. Wie die Untersuchung weiter ergab, betreibt dieselbe Organisation offenbar eine ähnliche Einrichtung in Argentinien. Die Ermittlungen, die von der Staatsanwaltschaft in Sagunt koordiniert werden, dauern an. Wie die Guardia Civil mitteilte, wurden die Akten dem zuständigen Gericht übergeben. Das berichtet Europa Press.
Quelle: europapress.es