
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
PSOE warnt vor leerer Hülle im Cernuda-Haus
Debatte um die Zukunft der Casa Cernuda
Im Streit um die künftige Nutzung des Geburtshauses von Luis Cernuda hat die oppositionelle Sozialistische Gruppe im Stadtrat von Sevilla scharf auf die jüngsten Äußerungen der Stadtregierung reagiert. Der sozialistische Sprecher Antonio Muñoz konterte die Kritik des regierungsnahen Sprechers Juan Bueno mit deutlichen Worten: Entscheidend sei nicht, „wer sich beim Eröffnungsfoto inszeniert“, sondern welches Kulturangebot man der Stadt langfristig hinterlasse.
Muñoz betonte, man teile die Sorgen aus der Kulturszene Sevillas, dass die Wiederherstellung des Gebäudes lediglich in einer Renovierung und einer feierlichen Einweihung münden könnte – ohne ein angemessenes Museumskonzept und ein Programm, das der Bedeutung des Dichters gerecht wird. Er zog einen Vergleich zu den Atarazanas: Dort habe man ebenfalls ein außergewöhnliches Bauwerk saniert und eröffnet, doch ein durchdachtes, tragfähiges Nutzungskonzept sei ausgeblieben. „Sevilla braucht keine reinen Fassaden und Eröffnungsbilder, sondern lebendige Kulturorte mit Substanz, Betrieb und Bestand“, so der Politiker.
Vorwurf der Vereinnahmung
Statt auf die inhaltlichen Fragen einzugehen, greife Bueno nun diejenigen persönlich an, die den Erwerb und die Planung des Projekts über Jahre vorangetrieben hätten, beklagte Muñoz. Zwar begrüße man, dass die Bauarbeiten abgeschlossen seien und dass sie im aktuellen Mandat ausgeführt wurden. Doch der Abschluss einer Baustelle sei etwas anderes als die Entwicklung eines Gesamtprojekts. Man werde nicht akzeptieren, dass die Regierung von Bürgermeister José Luis Sanz die jahrelange Vorarbeit der Vorgängerregierungen einfach ausblende, um sich allein den Erfolg zuzuschreiben.
Hintergrund des Disputs ist die Behauptung des Volkspartei-Sprechers, die sozialistischen Regierungen hätten das Vorhaben „in der Schublade“ liegen lassen. Dem widersprach Muñoz mit einer detaillierten Chronologie der von ihm mitverantworteten Maßnahmen: Bereits 2017 brachte die PSOE den Kauf des Elternhauses von Cernuda ins Plenum ein, um dort eine Kultureinrichtung für den Poeten und die Literatur zu schaffen. Nach der Überwindung rechtlicher Hürden wurde der Erwerb 2020 für rund 460.000 Euro abgeschlossen. In den Folgejahren entstanden technische Gutachten und ein Rehabilitierungsplan, und im September 2022 stellte Muñoz als damaliger Bürgermeister das umfassende architektonische und museologische Konzept mit Bibliothek, Ausstellungsräumen und einem Fokus auf die Generation von 1927 vor.
Streit um Fördergeld
Zusätzlich wies Muñoz darauf hin, dass die Stadtverwaltung 2022 knapp 271.000 Euro aus dem EU-Fördertopf „Next Generation“ für das Projekt eingeworben hatte. Ein positiver Bescheid der Denkmalschutzbehörde für den Bauplan lag im Februar 2023 vor – die Vorlage für die jetzige Regierung war also vollständig ausgearbeitet. Als besonders pikant bezeichnete es der Sozialist, dass die Stadtregierung unter Sanz im April 2024 beschloss, diese europäische Förderung samt Verzugszinsen in Höhe von insgesamt fast 284.000 Euro zurückzuzahlen. Die Bauvergabe und die eigentliche Sanierung erfolgten erst zwischen 2024 und 2026.
„Das sind die Fakten: ein gekauftes Haus, ein ausgearbeiteter Plan, eine denkmalrechtliche Genehmigung und gesicherte Finanzen sind keine Luftschlösser, sondern konkrete Schritte, die dieses Gebäude für Sevilla gerettet haben“, betonte Muñoz. Das Projekt habe nicht erst begonnen, als Sanz das erste Gerüst aufstellte.
Der Sozialist schloss mit einem Appell zur Versachlichung: Man erkenne die Leistungen der aktuellen Regierung bei der Fertigstellung an, wehre sich aber dagegen, dass die konservative Seite eine Initiative allein für sich vereinnahme, die über Jahre von den Vorgängerregierungen vorbereitet worden sei. „Regieren heißt auch, übernommene Projekte fortzuführen – nicht, sich ihre komplette Geschichte anzueignen.“
Quelle: europapress.es