
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Prozessauftakt in Marbella erneut geplatzt
Ein Skandal und seine Folgen
Man könnte fast von Hohn sprechen, denn die Justiz lässt sich erneut an der Nase herumführen. Eigentlich sollte am heutigen Montag in Málaga die Verhandlung gegen drei Männer beginnen, die für einen blutigen Überfall in Marbella im Jahr 2019 verantwortlich gemacht werden. Doch daraus wird nichts: Der Prozessauftakt wurde kurzerhand um einen Tag verschoben. Der Grund? Einer der Angeklagten hat es schlichtweg nicht für nötig befunden, zu erscheinen.
Ein Spiel mit dem Feuer
Während die Auswahl der Geschworenen am Morgen noch planmäßig über die Bühne ging, folgte die Ernüchterung auf dem Fuße. Statt der Eröffnung der mündlichen Verhandlung mussten sich die Richter mit der Abwesenheit eines der Hauptakteure arrangieren. Die Justizbehörden sind nun dabei, den Säumigen zu suchen. Gelingt die Suche bis Dienstag nicht, droht die nächste Farce: Entweder wird der Prozess nur gegen die zwei anwesenden Angeklagten geführt oder die gesamte Verhandlung muss auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden.
Eine Chronik des Scheiterns
Dies ist nicht der erste Pannenfall in diesem Verfahren. Schon mehrfach musste der Termin geplatzt werden – mal wegen Terminkollisionen eines Verteidigers, mal wegen gewalttätiger Übergriffe auf einen der Angeklagten. Ausgerechnet jener Beschuldigte, der im April attackiert wurde, fehlt nun erneut. Dies wirft ein bezeichnendes Licht auf ein System, das sich von einzelnen Akteuren vorführen lässt.
Die Anklage: Kaltblütiger Mordplan
Die Vorwürfe wiegen schwer: Die Staatsanwaltschaft wirft den dreien vor, im November 2019 einen regelrechten Exekutionsfeldzug geplant zu haben. Das Szenario, das die Anklage skizziert, ist grausam. Zwei der Männer sollen ihre Opfer in eine Wohnung gelockt haben, um sie dort mit Revolvern hinzurichten. Ein 37-Jähriger wurde durch einen Schuss unterhalb des Schlüsselbeins tödlich getroffen – die Kugel trat durch den Rücken wieder aus. Sein Begleiter überlebte wie durch ein Wunder, wurde jedoch von drei Geschossen in Schulter, Bein und Bauch schwer verwundet und musste 336 Tage lang behandelt werden.
Der dritte Angeklagte soll laut Anklage als Drahtzieher fungiert haben, der die Tat mitgeplant und sich nach dem Blutbad mit den Schützen getroffen haben soll, um die Lage zu besprechen.
Die Forderung: Lebenslange Haftstrafen
Die Staatsanwaltschaft verlangt ein deutliches Zeichen: 37 Jahre Haft für einen der Angeklagten, für die beiden anderen sogar 38,5 Jahre, da ihnen zusätzlich der illegale Waffenbesitz zur Last gelegt wird. Hinzu kommen finanzielle Forderungen: 200.000 Euro für die Hinterbliebenen des Ermordeten und mehr als 125.000 Euro für das überlebende Opfer.
Doch selbst diese klaren Forderungen verpuffen angesichts eines Justizapparats, der sich von Abwesenden vorführen lässt. Wie die Nachrichtenagentur Europa Press berichtet, bleibt die Frage, ob die Justiz endlich ihre Autorität durchsetzt oder ob dieses Verfahren zur nächsten Posse wird, die Spaniens Rechtsstaatlichkeit in ein schlechtes Licht rückt. Die Entscheidung über den Fortgang fällt am Dienstag – man darf gespannt sein, ob der Ausreißer diesmal die Kurve bekommt.
Quelle: europapress.es