Prozess um Mordfall Marbella erneut geplatzt

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Marbella

Prozess um Mordfall Marbella erneut geplatzt

von Redaktion3 Min. Lesezeit

Vierter Anlauf, erneutes Scheitern

Der Prozess gegen drei Männer, die für einen tödlichen Angriff in einer Wohnanlage in Marbella verantwortlich gemacht werden, ist erneut vertagt worden. Das gab die Provinzverwaltung von Málaga bekannt. Bereits am Montag war das Schwurgericht zusammengekommen, um das Verfahren zu eröffnen – doch einer der Angeklagten fehlte. Es handelt sich um genau jenen Mann, der bei einem vorherigen Termin durch Schüsse verletzt worden war, wie das spanische Nachrichtenportal Diario Sur unter Berufung auf Kreise des Falles berichtet.

Eine Geschichte von verschobenen Terminen

Der Versuch, den Fall vor Gericht zu bringen, gleicht mittlerweile einem Hindernislauf. Ursprünglich hätte das Verfahren im November 2025 beginnen sollen – damals wurde es verschoben. Ein zweiter Anlauf im April scheiterte ebenfalls, weil es innerhalb von nur 24 Stunden zu zwei Angriffen auf einen der Angeklagten kam, einer davon mit einer Schusswaffe.

Die Ereignisse eskalieren rasant: Am Vorabend des geplanten Prozesstermins wurde ein 35-Jähriger, der zu den Hauptbeschuldigten zählt, in einem Gewerbegebiet in Málaga von zwei maskierten Männern auf einem Motorroller attackiert. Die Angreifer sollen ihm eine Spritze in den Rücken gestochen haben. Obwohl der Mann nach einer Behandlung im Krankenhaus noch am selben Tag zum Justizgebäude kam und der Prozess daraufhin um 24 Stunden verschoben wurde, folgte nur Stunden später der nächste Vorfall: In der Nacht wurde er erneut attackiert – dieses Mal mit Schüssen in die Schulter und den Knöchel.

Ein tödlicher Hinterhalt im Jahr 2019

Dem Verfahren liegt ein blutiger Vorfall vom 15. November 2019 zugrunde. Damals wurden zwei Männer in einem Haus in der Wohnanlage Alvarito Playa in einen Hinterhalt gelockt. Einer der beiden wurde durch einen Schuss in die Brust getötet, der andere überlebte schwer verletzt – er erlitt Rückenmarkschäden und ist seitdem gelähmt. Die Staatsanwaltschaft wirft den drei Angeklagten Mord, versuchten Mord und Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung vor. Sie fordert Gesamtstrafen von 114 Jahren Haft: 38,5 Jahre für zwei der Männer – zusätzlich wegen illegalen Waffenbesitzes – und 37 Jahre für den dritten.

Die Anklage stützt sich auf ein Szenario, in dem die Täter einen Plan zur Ermordung der beiden Opfer, die marokkanischer Herkunft sind, ausgearbeitet haben sollen. Zwei der Angeklagten, beide in Rumänien geboren, begleiteten die späteren Opfer zur Tatörtlichkeit. Dort soll einer von ihnen das tödliche Projektil aus einem Revolver des Kalibers .38 abgefeuert haben. Der zweite Schütze feuerte mehrere Kugeln auf den Überlebenden ab, der daraufhin 153 Tage im Krankenhaus behandelt werden musste.

Streit um die Hintergründe

Während die Staatsanwaltschaft von einem geplanten Tötungsdelikt ausgeht, sehen die Nebenklagen – sie vertreten den Überlebenden und die Familie des Getöteten – einen anderen Hintergrund: Es soll sich um einen sogenannten „Vuelco“ gehandelt haben, also einen bewaffneten Raubüberfall im Drogenmilieu. Sie identifizieren den dritten Angeklagten, einen Spanier, als mutmaßlichen Drahtzieher der Gruppe und fordern für alle drei die Höchststrafe der dauerhaften Sicherungsverwahrung.

Die Verteidigung des Spaniers bestreitet dessen Beteiligung an einem Mordkomplott. Sie erklärt, ihr Mandant habe lediglich als Vermittler zwischen Käufern und Verkäufern von Drogen agiert – und dafür eine Provision von 4.500 Euro erhalten. Um die Verhandlung doch noch aufnehmen zu können, muss nun ein neuer Termin gefunden werden. Bis dahin bleibt unklar, ob die Sicherheitslage rund um die Angeklagten einen ordnungsgemäßen Prozess überhaupt zulässt.


Quelle: diariosur.es

Mehr aus Marbella & Málaga & Andalusien