PP-Rebellen verlassen Regierung von Algeciras

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Algeciras

PP-Rebellen verlassen Regierung von Algeciras

von Redaktion2 Min. Lesezeit

Ein politisches Erdbeben mit Ansage

Wer die Entwicklung der vergangenen Tage verfolgt hat, konnte diesen Schritt kommen sehen. Doch das Ausmaß ist dennoch bemerkenswert: Zwölf von fünfzehn Stadträten der konservativen Volkspartei (PP) haben am Dienstagvormittag offiziell den Rückzug aus dem Regierungsteam des Rathauses von Algeciras erklärt. Es ist ein beispielloser Akt der Rebellion gegen einen eigenen Bürgermeister – und ein klares Signal, dass die Geduld der Partei erschöpft ist.

Eskalation nach neuen Enthüllungen

Auslöser ist eine zweite Anzeige wegen mutmaßlicher sexueller Übergriffe gegen José Ignacio Landaluce, die innerhalb nur einer Woche bekannt wurde. Bereits am Montag hatten die zwölf Aufständischen den Rücktritt des Stadtoberhaupts gefordert. Da dieser jedoch ausblieb, zogen sie nun die Konsequenz. Der Rückzug erfolgte schriftlich über das Rathausregister und wurde vom Provinzverband der PP bestätigt.

Wie die Nachrichtenagentur Europa Press berichtet, hatte der Provinzpräsident Bruno García noch am Vormittag klargestellt: Falls Landaluce nicht bis Montagabend zurücktrete, werde die Partei die Regierungsverantwortung niederlegen. Diese Ankündigung wurde nun in die Tat umgesetzt – mit durchschlagender Wirkung. Das Regierungsteam, das einst aus dem Bürgermeister und 15 Stadträten bestand, schrumpft damit auf vier Personen: Landaluce plus drei Getreue.

Opferrolle statt Verantwortung

Der Bürgermeister zeigt sich derweil uneinsichtig. In einem am Mittag verbreiteten Video inszeniert er sich als Opfer einer Hexenjagd. Er habe erst „über die Presse“ von den Vorwürfen erfahren, behauptet er und geißelt eine angebliche Verschwörung: „Alle gegen mich, sie wollen meinen politischen und sozialen Tod.“ Eine klare Stellungnahme zu den Anschuldigungen, geschweige denn ein Rücktrittsangebot, sucht man in seinen Worten vergebens.

Diese Opferrhetorik ist durchaus geschickt gewählt – aber sie verkennt die Realität. Es geht nicht um anonyme Anschuldigungen, sondern um zwei separate Anzeigen wegen mutmaßlicher Sexualstraftaten. Die Staatsanwaltschaft wird nun ermitteln müssen. Bis dahin bleibt ein demokratisch gewählter Bürgermeister im Amt, der jedoch politisch weitgehend isoliert ist.

Ein Scherbenhaufen für die Konservativen

Die Ironie der Lage: Der PP-Fraktionschef bleibt zwar formal im Amt, verliert aber seine gesamte Hausmacht. Die zwölf abtrünnigen Stadträte haben klargestellt, dass sie nicht länger mit einem Mann zusammenarbeiten wollen, dessen Zukunft ungewiss ist. Die Partei betont zwar, alle Maßnahmen zur „Stabilität der Gemeinde“ ergreifen zu wollen – doch wie diese aussehen sollen, bleibt nebulös.

Die Situation in der Hafenstadt an der Straße von Gibraltar ist damit eine politische Zerreißprobe. Landaluce regiert nun faktisch als Einzelkämpfer. Ob er durchhalten kann oder ob die Opposition im Stadtrat die Gunst der Stunde für ein Misstrauensvotum nutzt, wird sich in den kommenden Tagen zeigen. Fest steht: Der Vertrauensvorschuss ist verspielt, die Basis hat sich gegen ihren eigenen Frontmann gestellt.


Quelle: europapress.es

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