
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Plan gegen Spielsucht bei Jugendlichen nimmt Form an
Einigkeit im Kampf gegen die Spielsucht
Die Abgeordneten der Regionalversammlung von Murcia haben sich quer durch alle Fraktionen für ein entschiedeneres Vorgehen gegen die Glücksspielsucht bei jungen Menschen ausgesprochen. Auf Initiative der Sozialistischen Fraktion wurde einstimmig ein Plan beschlossen, der ein umfassendes Maßnahmenbündel gegen diese Form der Sucht vorsieht. Der Vorstoß kommt nicht von ungefähr: Die Regierung der Region arbeitet bereits an einer Überarbeitung der Spielregeln, die vor allem die Betriebsbedingungen von Wettbüros deutlich verschärfen soll.
Reformpläne der Regierung
Wie die konservative Abgeordnete Luz Marina Lorenzo mitteilte, strebt die Regionalregierung an, noch in diesem Jahr eine umfassende Novelle auf den Weg zu bringen. Die neuen Vorschriften sollen unter anderem eine strikte Zugangskontrolle für Spielhallen und Wettlokale vorsehen. Zudem ist geplant, die Außenwerbung dieser Einrichtungen deutlich einzuschränken und die vorhandenen Sperrdateien, in denen Personen mit Spielverbot registriert sind, zusammenzuführen. „Die Überarbeitung betrifft fünf verschiedene Verordnungen, und der Prozess erfordert die üblichen rechtlichen Schritte wie öffentliche Anhörungen", erläuterte die Abgeordnete. Das Vorhaben sei im Gesetzgebungsplan für das Jahr 2026 verankert. Bemerkenswert ist laut Lorenzo, dass in den letzten acht Jahren keine neuen Lizenzen für Wettbüros in der Region vergeben wurden.
Warnung vor den Risiken für Heranwachsende
Die Sozialdemokratin Magdalena Sánchez machte deutlich, warum aus ihrer Sicht Handlungsbedarf besteht. Sie verwies auf die große Beliebtheit von Online-Wettplattformen und Sportwetten unter Jugendlichen. Nach ihren Angaben gibt es in der Region derzeit 74 Wettbüros, und die Ausgaben für Wetten erreichten 2023 die Summe von über 112 Millionen Euro. „Wir können nicht erst dann reagieren, wenn die Familien hochverschuldet sind und die Schule abgebrochen wird", warnte sie. Sie forderte, dass der Parlamentsbeschluss nicht in der Schublade verschwinden dürfe, sondern zu konkreten Ergebnissen führen müsse.
Kritik an ausstehenden Verordnungen
Unterstützung kam von José Luis Álvarez-Castellanos von der Linkspartei IU-Verdes, der jedoch auf ein entscheidendes Detail hinwies: Viele der notwendigen Regeln, etwa zu Mindestabständen zwischen Schulen und Wettbüros, seien bereits seit Jahren angekündigt, aber nie umgesetzt worden. Er berichtete von einem konkreten Fall in der Gemeinde Alhama, wo ein Wettbüro nur 50 Meter von einem Gymnasium entfernt liegt. „Es wäre ein großer Widerspruch, einen Aktionsplan zu verabschieden und gleichzeitig solche Zustände zu dulden", kritisierte der Abgeordnete.
Die Vertreterin der rechten Partei Vox, María José Ruiz, ergänzte, dass der künftige Plan besonderes Augenmerk auf unter 16-Jährige legen müsse. Sie forderte eine engere Zusammenarbeit zwischen Schulen, Kinderärzten, der jugendpsychiatrischen Versorgung und den Suchtberatungsstellen.
Zweites Thema: Kleinere Klassen, bessere Bildung
In derselben Sitzung ging es auch um die Unterrichtsbedingungen an den Schulen in der Region. Die Kommission verabschiedete einen Vorstoß, der eine langfristig angelegte Verringerung der Klassenstärken vorsieht. Der Antrag, eingebracht von Álvarez-Castellanos, zielt darauf ab, die Zahl der Schüler pro Klasse bis zum Schuljahr 2030/2031 in allen Bildungsstufen von der Vorschule bis zur Oberstufe zu reduzieren. Die konkrete Umsetzung soll mit den Gewerkschaften im Bildungssektor ausgehandelt werden. Álvarez-Castellanos argumentierte, dass kleinere Lerngruppen die individuelle Betreuung der Schüler deutlich verbessern würden.
Streit um die Finanzierung
Der Konservative Carlos Albaladejo verwies darauf, dass die Region die Schülerzahlen bereits reduziere. Im Durchschnitt lägen die Klassen in der Vorschule bei 18,6 und in der Grundschule bei 21,3 Kindern – Werte, die unter den Vorgaben des nationalen Bildungsministeriums lägen. Er warnte allerdings davor, eine solche Reform ohne gesicherte Finanzierung anzugehen. „Entweder ist es eine Phrase ohne Substanz oder wir kommen in eine Situation, in der einer das Essen bestellt und ein anderer die Rechnung zahlt", sagte er.
Sein sozialdemokratischer Kollege Juan Andrés Torres begrüßte das Ziel, stellte aber die Aussagekraft der Durchschnittswerte in Frage. Die Maßnahme müsse mit mehr Lehrpersonal einhergehen. Die Abgeordnete Ruiz von Vox gab zu bedenken, dass weniger Schüler pro Klasse allein noch keine bessere Bildung garantiere. Man brauche dringend mehr ausgebildete Fachkräfte für die Inklusion, etwa Sonderpädagogen oder Schulpsychologen und weniger Verwaltungsaufgaben für die Lehrkräfte.
Abgelehnt: Neues Gymnasium in Puerto Lumbreras
Ein weiterer Tagesordnungspunkt betraf den Bau einer neuen weiterführenden Schule im Ortsteil El Esparragal in Puerto Lumbreras. Ein entsprechender Antrag der Vox-Partei fand jedoch keine Mehrheit. Die Fraktion hatte auf die hohe Schülerzahl am bestehenden Institut Rambla de Nogalte mit rund 1.200 Jugendlichen hingewiesen, konnte sich mit ihrem Anliegen aber letztlich nicht durchsetzen. Wie die Nachrichtenagentur Europa Press berichtet, wurde stattdessen ein Abänderungsantrag der gemischten Fraktion angenommen. Die Entscheidung fiel in der Kommission für Bildung und Kultur. Sie ist Teil einer Reihe von Maßnahmen, mit denen die Region auf veränderte gesellschaftliche Anforderungen im Bildungs- und Suchtbereich reagieren will.
Quelle: europapress.es