
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Notfall-Kreißsaal: Ein Jahr mehr Sicherheit für Mütter
Ein Raum, der Leben rettet und Würde bewahrt
Kritiker mögen einwerfen, dass zehn Fälle in einem Jahr eine verschwindend geringe Zahl sei. Doch diese Rechnung geht an der Realität vorbei. Es geht nicht um Quantität, sondern um Qualität – um die entscheidenden Minuten, in denen über das Wohl von Mutter und Kind verhandelt wird. Seit einem Jahr verfügt das Universitätsklinikum Virgen de la Arrixaca in Murcia über einen speziellen Kreißsaal im Bereich der Notaufnahme. Geschaffen für jene Frauen, deren Geburt keine Verlegung in den Hauptkreißsaal mehr zulässt.
Wenn jede Minute zählt
Die Vorteile liegen auf der Hand: Patientinnen in der Endphase der Austreibungsperiode bleiben dort, wo sie sind. Der stressige und riskante Transport durch lange Krankenhausflure entfällt. Das schafft Intimität in einem Moment höchster Verletzlichkeit und verhindert, dass die Geburt zur öffentlichen Veranstaltung wird. Der Raum ist nicht einfach nur ein Zimmer – er ist eine hochspezialisierte Einheit. Ausgestattet mit sämtlichem Material für die sofortige Versorgung der Mutter und, falls nötig, für die Wiederbelebung des Neugeborenen.
Jorge Guillermo Alonso, Generaldirektor für Krankenhausversorgung, betont die doppelte Wirkung dieser Einrichtung: Sie optimiert nicht nur die Reaktion auf unvorhergesehene Situationen, sondern unterstreiche auch das Bekenntnis des Gesundheitsbereichs I zu einer menschlicheren und sichereren Geburtshilfe. Die Zahlen geben ihm Recht: Mit durchschnittlich 6.000 Geburten pro Jahr gehört die Arrixaca zu den geburtenstärksten Krankenhäusern Spaniens. Ein Notfall-Kreißsaal ist hier keine Kür, sondern schlichtweg notwendige Infrastruktur.
Menschlichkeit als Programm
Doch die Bemühungen des Krankenhauses gehen über den neuen Kreißsaal hinaus. Seit September letzten Jahres gilt ein Programm zur humanisierten Kaiserschnitt-Geburt. Frauen können während des gesamten Eingriffs von ihrer Partnerin oder einer Vertrauensperson begleitet werden. Ein Novum, das zeigt: Der chirurgische Eingriff mag routiniert sein, das Erlebnis für die Mutter ist es nicht. Voraussetzung sind geplante Kaiserschnitte, eine risikoarme Anästhesie und unauffällige Ultraschallkontrollen. Jeder Antrag wird individuell von einem multiprofessionellen Team geprüft.
Abgerundet wird das Programm durch Hautkontakt direkt im Operationssaal, den frühen Beginn des Stillens nach Wunsch der Frau und den Verzicht auf die Trennung von Mutter und Kind. Diese Maßnahmen sind keine Kür, sondern fördern nachweislich die Bindung und die Anpassung des Kindes an das Leben außerhalb des Mutterleibs.
Zudem vertraut die Klinik seit zwei Jahren auf einen Raum für nicht-medikamentöse Schmerzlinderung. Hier können Frauen in der Eröffnungsphase mit Entspannungstechniken, Dehnungsübungen, angepasster Beleuchtung oder Musik die Wehenphase gestalten. Die Hebammen weisen in die Nutzung ein und überwachen den Geburtsfortschritt. Wer möchte, kann später auf eine Periduralanästhesie zurückgreifen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt solche Strategien ausdrücklich.
Die Arrixaca beweist: Moderne Geburtshilfe ist kein Widerspruch zwischen High-Tech-Medizin und emotionaler Zuwendung. Es ist die selbstverständliche Kombination aus beidem, die eine sichere und würdevolle Geburt ermöglicht.
Quelle: Informationen basierend auf einem Bericht der Nachrichtenagentur Europa Press vom 18. Oktober 2026.
Quelle: europapress.es