
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Notaufnahme am Limit: Gewerkschaften sprechen von Kollaps
Ein System am Anschlag
Die Lage in der Notaufnahme des Hospital San Juan de Dios im andalusischen Aljarafe ist nach Angaben des Betriebsrats offenbar katastrophal. Wie die Gewerkschaften CCOO und SMA nun öffentlich machen, ist die Abteilung nicht nur chronisch überlastet, sondern schlichtweg am Ende ihrer Kapazitäten angekommen. Die Diagnose der Arbeitnehmervertretung ist vernichtend: Personalmangel, überfüllte Räume und eine Infrastruktur, die für die reale Bevölkerungszahl in der Region längst nicht mehr ausgelegt ist.
Während die Klinikleitung in schönstem Behördendeutsch von „Normalität“ und lediglich „punktuellen Spitzen" durch Atemwegserkrankungen spricht, zeichnen die Mitarbeiter vor Ort ein völlig anderes Bild. Es ist das altbekannte Muster: Oben wird beschwichtigt, unten wird geschuftet, bis der Arzt kommt – im wahrsten Sinne des Wortes. Die Schere zwischen Anspruch und Realität könnte kaum größer sein.
Stundenschlangen statt schneller Hilfe
Die Zahlen und Fakten, die der Betriebsrat präsentiert, sind alarmierend. Patienten müssen demnach „stundenlang" ausharren, bevor sie behandelt werden. In einem Notfall kann das über Leben und Tod entscheiden. Die Verantwortung dafür sei klar benannt: Es fehle an Ärzten, Pflegepersonal, Verwaltungskräften und Sicherheitspersonal. Die wenigen, die arbeiten, würden permanent zwischen mehreren Aufgabenfeldern zerrieben, was eine fokussierte und sichere Versorgung unmöglich mache.
Der Vorsitzende des Betriebsrats, Javier Ordóñez, spricht Klartext und lässt keinen Zweifel an der Dramatik der Lage: „Wir sind am Ende unserer Kräfte." Die Menschen im Aljarafe, eine der am schnellsten wachsenden Regionen Spaniens, erhielten nicht die Versorgung, die sie verdienten. Ein Skandal, der weit über die Krankenhausmauern hinausreicht und die Gesundheitspolitik der Regionalregierung in ein schlechtes Licht rückt.
Planlosigkeit statt Führung
Besonders bitter für die Belegschaft: Seit zwei Monaten warten sie bereits auf ein angekündigtes Treffen mit der Krankenhausdirektion, um Lösungen zu erarbeiten. Passiert ist offenbar nichts. Stattdessen fordert man von oben „Geduld", während unten der Nachwuchs ausbleibt und die Stimmung kippt. Die Gewerkschaften fordern daher nicht weniger als einen sofortigen Einstellungsstopp des Personalmangels, eine strukturelle Neuaufstellung der Räumlichkeiten und einen „Masterplan" gegen die permanenten Belastungsspitzen.
Die Klinikführung hingegen verweist auf angebliche Erfolge: 20 neue Stellen im letzten Jahr, ein Rückgang der Patientenzahlen um drei Prozent und kontinuierliche „Anpassungsmaßnahmen". Ein schwacher Trost für all jene, die tagtäglich im Wartezimmer sitzen oder unter der Last der Überstunden zusammenbrechen. Es ist der Versuch, einen strukturellen Missstand mit einem Feigenblatt zu überdecken. Denn dass ein Notdienst eine „nicht planbare Aktivität" ist, wie das Krankenhaus betont, weiß niemand besser als das erschöpfte Personal – genau dafür müsste es jedoch langfristig geplant und nicht nur reagiert werden.
Die Lage spitzt sich zu
Während sich die Klinikleitung in Sicherheit wiegt, tickt die Uhr. Der Winter naht, und mit ihm die alljährliche Welle respiratorischer Infekte, die die Notaufnahmen in ganz Spanien erfahrungsgemäß an ihre Grenzen bringt. Wenn schon im Oktober von „Sättigung" und „Überlastung" die Rede ist, droht im Dezember der komplette Stillstand. Wie das Nachrichtenportal Europa Press berichtet, ist der Konflikt zwischen der Belegschaft und der Leitung damit vorprogrammiert – und ein Ende des Streits nicht in Sicht.
Die Beharrlichkeit der Gewerkschaften ist kein Selbstzweck, sondern Notwehr. Sie kämpfen nicht nur für bessere Arbeitsbedingungen, sondern für ein menschenwürdiges Gesundheitssystem. Die Führungsetage des Krankenhauses sollte sich dringend fragen, ob ihre Politik des „Aussitzens" nicht bald in einem echten Kollaps endet, den dann keiner mehr schönreden kann.
Quelle: europapress.es