Neunzehn Jahre Haft für Serienmörder von Bilbao

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Bilbao

Neunzehn Jahre Haft für Serienmörder von Bilbao

von Redaktion3 Min. Lesezeit

Ein Urteil mit Signalwirkung

Wer glaubt, das Justizsystem sei zu lasch im Kampf gegen Hasskriminalität, der sollte nach Bilbao schauen. Die dortige Audiencia hat ein Exempel statuiert: Nelson Savid M.G., bekannt geworden als "Frauenmörder" und gefürchtet in der queeren Community, wurde zu einer Gesamtstrafe von 19 Jahren Haft verurteilt. Die Botschaft ist klar: Wer aus Homophobie tötet, wird nicht mit Samthandschuhen angefasst.

Die Tat und ihre wahre Motivation

Der Fall, der nun abgeschlossen wurde, reiht sich nahtlos in eine erschreckende Serie ein. Am 2. September 2021 lockte der Angeklagte ein Opfer über eine Dating-App in dessen eigene Wohnung. Der Vorwand: ein sexuelles Treffen. Die Realität: ein geplanter Raubmord. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der 41-Jährige sein Opfer gezielt wegen dessen Homosexualität auswählte und tötete. Die Staatsanwaltschaft sprach von einem "perfiden Plan", der darauf abzielte, das Vertrauen eines Menschen auszunutzen, um ihn zu berauben und zu ermorden.

Besonders bemerkenswert: Die Richter erkannten die Agravante der Diskriminierung nach Artikel 22.4 des Strafgesetzbuches an – ein starkes Signal gegen die grassierende Gewalt an queeren Menschen. Hinzu kommt die erschwerende Wiederholungstat beim Betrug. Die Strafe setzt sich zusammen aus 13 Jahren für den Totschlag, viereinhalb Jahren für den Raubüberfall auf ein bewohntes Haus und fast zwei Jahren für den Kartenbetrug.

Ein Geständnis mit Kalkül

Dass das Urteil ohne Geschworenenprozess zustande kam, dürfte purer Pragmatismus gewesen sein. Der Angeklagte, der bereits vier rechtskräftige Verurteilungen wegen Mordes und Totschlags auf dem Kerbholz hat, gestand die Tat im Rahmen einer Verständigung. Damit ersparte er sich und den Angehörigen einen womöglich wochenlangen Prozess. Doch man darf bezweifeln, ob hier Reue im Spiel war oder schlicht die Aussicht auf eine kalkulierbare Strafe.

Die Bilanz eines Killers

Die Zahlen sind erschütternd: Fünf nachgewiesene Morde, ein versuchter Mord, unzählige Betrugsfälle. Die Justizbehörden des Baskenlandes haben es mit einem Mann zu tun, der über Jahre hinweg Jagd auf schwule Männer machte, sie ausraubte und tötete. Seine Masche war immer dieselbe: Kontakt über eine App, Treffen in der Wohnung des Opfers, dann Gewalt und Diebstahl.

Neben der Haftstrafe muss Nelson Savid M.G. nun auch finanziell bluten: 15.000 Euro Schmerzensgeld für jeden der acht Geschwister seines letzten Opfers, dazu die Rückzahlung der erbeuteten 1.309 Euro. Ein schwacher Trost für die Hinterbliebenen, aber immerhin ein Zeichen, dass der Staat seine Bürger nicht im Stich lässt.

Kritische Einordnung

So sehr dieses Urteil zu begrüßen ist, so sehr muss es auch zu denken geben. Ein Serientäter, der über Jahre hinweg in Bilbao sein Unwesen treiben konnte, wirft Fragen an die Ermittlungsbehörden auf. Wie viele Hinweise wurden übersehen? Warum dauerte es so lange, bis die Muster erkannt wurden? Der Fall zeigt einmal mehr: Homophobe Gewalt ist kein Randphänomen, sondern eine tödliche Gefahr, die konsequent bekämpft werden muss. Das Urteil von Bilbao ist ein erster Schritt – aber nur einer von vielen, die noch folgen müssen.

Wie die Nachrichtenagentur Europa Press berichtet, bleibt das Urteil durch die Verständigung der Parteien rechtskräftig. Weitere Verfahren gegen den mehrfachen Mörder könnten folgen, denn die Ermittlungen zu früheren Todesfällen wurden teilweise wieder aufgenommen. Es bleibt zu hoffen, dass dieser Fall endlich für alle Opfer Gerechtigkeit bringt.


Quelle: europapress.es

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