
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Neue Refugien für den Pinsapo
Ein Baum auf der Flucht
Der Klimawandel macht auch vor einem der ältesten Bewohner Andalusiens nicht halt. Der Pinsapo, eine Relikt-Tanne aus der Eiszeit, steht mit dem Rücken zur Wand. Die anhaltende Dürre setzt den letzten Beständen in der Provinz Málaga massiv zu. Doch statt zu kapitulieren, geht man nun in die Offensive: Die Pinsapo-Tanne soll umziehen – in Höhenlagen, in denen sie bessere Überlebenschancen hat.
Eine strategische Verpflanzung
Am 15. November wird der Parque Las Camaretas in Cortes de la Frontera zum Schauplatz einer ungewöhnlichen Rettungsmission. Rund 150 junge Pinsapos, zwischen drei und vier Jahre alt, sollen dort eine neue Heimat finden. Die Auswahl des Standorts ist kein Zufall, sondern Strategie. Über 900 Meter Höhe, an schattigen Hängen mit hoher Luftfeuchtigkeit – so lautet die neue Formel gegen den Klimastress. Es ist ein Eingeständnis: Die angestammten Reviere werden zunehmend zur tödlichen Falle.
Der Vizepräsident für Infrastruktur und nachhaltiges Territorium der Provinzregierung, Cristóbal Ortega, nennt es eine "innovativen Initiative": Man wolle testen, ob diese neuen Refugien der Art eine echte Zukunft bieten können. Im Gegensatz zur vergangenen Aktion, bei der bestehende Bestände im Nationalpark Sierra de las Nieves bei Yunquera gestärkt wurden, wagt man nun den Schritt in unbekanntes Terrain.
Botanische Vielfalt als Versicherung
Besonders bemerkenswert ist die Herkunft der Setzlinge. Die Aufforstung beschränkt sich nicht auf einen einzigen Genpool, sondern nutzt Exemplare aus allen drei Hauptvorkommen der Provinz: Grazalema, Sierra Bermeja und Sierra de las Nieves. Diese genetische Mischung ist eine kluge Versicherung. Sollte eine Population anfällig für Krankheiten oder neue Klimabedingungen sein, erhöht die Diversität die Überlebenschance des gesamten Bestands.
Eine Aufgabe für die Gemeinschaft
Die Aktion ist jedoch kein rein technokratisches Projekt. Sie lebt vom Engagement der Bevölkerung. Freiwillige aus Málaga und Cortes de la Frontera werden an dem Tag erwartet, darunter Mitglieder des Freiwilligen-Clubs der Fundación Unicaja. Ein kostenloser Bus bringt die Helfer in die Serranía de Ronda. Die Organisatoren verbinden den praktischen Naturschutz mit Bildungsarbeit: In der Aktion "Conoce al pinsapo" wird die Biologie des Baumes vom Samen bis zum ausgewachsenen Exemplar erklärt.
Dieser refugio ist die wohl letzte Chance für den Pinsapo. Ein Rückzug, der kein Kapitulieren ist, sondern der Versuch, den Wald von morgen zu pflanzen, bevor die Hitze von heute die Wälder von gestern vernichtet hat. Wie das Europa Press berichtet, ist die Teilnahme an der Aktion kostenlos und kann über die Webseite malagaviva.org angemeldet werden. Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit – und jedes gepflanzte Bäumchen ein kleiner Sieg in der großen Schlacht gegen den Klimawandel.
Quelle: europapress.es