Netzwerk aus Anwälten enttarnt

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Nerja

Netzwerk aus Anwälten enttarnt

von Jonas Beck

Die Guardia Civil hat im Rahmen der Operation „Donova“ drei Personen festgenommen und ermittelt gegen elf weitere Beschuldigte. Die Gruppe soll über Jahre hinweg ein System aus gefälschten Testamenten, gestohlenen Identitäten und Scheingeschäften betrieben haben. Der Schaden liegt nach Angaben der Ermittler bei mehr als einer Million Euro.

Ausgangspunkt der Ermittlungen war eine Meldung der Betrugsbekämpfungsabteilung einer spanischen Großbank. Diese hatte festgestellt, dass von einem Konto eines britischen Kunden immer wieder hohe Bargeldbeträge an Geldautomaten abgehoben wurden – ohne Wissen des Kontoinhabers. Wie die Guardia Civil mitteilte, stellte sich rasch heraus, dass auf dem Konto eine Anwältin aus Nerja als vollmachtberechtigt eingetragen war. Die zur Kontoeröffnung vorgelegten Dokumente waren gefälscht: Sie zeigten den Kontoinhaber zwanzig Jahre jünger.

Die Ermittler stellten zudem fest, dass der angebliche Kontoinhaber zum Zeitpunkt der Kontoeröffnung bereits tot war. Dennoch wurde das Konto weiter genutzt. Die Abhebungen an den Geldautomaten ließen sich auf die Anwältin und einen weiteren Rechtsanwalt mit Kanzlei in Nerja zurückführen. Beide Kanzleien waren auf Immobiliengeschäfte und Nachlassabwicklungen für ausländische Verstorbene an der Costa del Sol spezialisiert.

Bei der Durchsicht des Kontos stießen die Beamten auf eine Erbschaft aus Großbritannien. Die Verstorbene war eine ältere Frau, die in einem Seniorenheim in Nerja gestorben war. Die Sozialbehörden hatten sie dorthin gebracht, nachdem Nachbarn sich um sie gekümmert hatten – sie litt unter psychischen Problemen. Um an ihr Erbe zu gelangen, soll die Gruppe ein handschriftliches Testament gefälscht haben, angeblich von der Verstorbenen selbst verfasst. Als Zeugen traten weitere Mitglieder des Netzwerks auf, die die Echtheit der Unterschrift bestätigten. Das Testament begründete eine angebliche Liebesbeziehung zwischen der Verstorbenen und dem bereits toten Kontoinhaber.

Die Ermittler fanden den rechtmäßigen Erben: einen Sohn, der in der Schweiz lebt und kaum Kontakt zu seiner Mutter hatte. Einer der festgenommenen Anwälte soll ihn kontaktiert und um eine notarielle Vollmacht gebeten haben – angeblich, um die Erbschaft abzuwickeln. Der Sohn wusste, dass seine Mutter eine Wohnung in Nerja besaß, und willigte ein. Die Auszahlung erhielt er nie und erstattete daraufhin Anzeige bei den Behörden seines Wohnsitzlandes.

Ein dritter Anwalt, ein direkter Verwandter eines der Hauptbeschuldigten, wurde ebenfalls festgenommen. Die Gruppe soll über Jahre hinweg eine breite Palette von Transaktionen durchgeführt haben: Immobilienkäufe und -verkäufe, simulierte Schenkungen unter Verwandten, Scheinverkäufe von Fahrzeugen, Fondsanlagen und regelmäßige Bargeldabhebungen. Ziel war es, dem illegal erlangten Vermögen einen legalen Anstrich zu geben.

Bei sieben Durchsuchungen in Nerja und Almuñécar stellten die Beamten rund 200.000 Euro Bargeld, Schmuck, Computer und Unterlagen zu weiteren möglichen Opfern sicher. Die bisher drei Festgenommenen wurden dem Ermittlungsrichter vorgeführt. Zwei von ihnen kamen in Untersuchungshaft. Die Ermittlungen dauern an.


Quelle: axarquiaplus.es