Nerjas beste Touristenattraktion: Lebensretter

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Nerja

Nerjas beste Touristenattraktion: Lebensretter

von Sabine Keller

Wenn der Urlaub zur Todesfalle wird – und wer uns davor bewahrt

Stellen Sie sich vor, Sie liegen am Strand, der Himmel ist wolkenlos, das Mittelmeer plätschert. Plötzlich reißt ein scharfer Schmerz in Ihrer Brust Sie aus der Idylle. Das Herz stolpert, setzt aus. Ihre Gedanken verschwimmen. Für einen Tourist an der Playa de Carabeillo in Nerja wurde dieser Albtraum am vergangenen Sonntag Realität. Was ihn rettete, war keine glückliche Fügung, sondern eine politische Entscheidung: ein professionelles Rettungsteam mit einem Defibrillator in Reichweite.

Der Vorfall, über den das Rathaus von Nerja berichtete, ist kein Einzelfall. Kurz zuvor brach im benachbarten Vélez-Málaga ein 53-jähriger Ironman-Athlet während eines Trainings mit einem Herzstillstand zusammen. Auch hier entschied nicht das Schicksal, sondern eine „perfekte Überlebenskette“, wie Málaga Hoy dokumentierte: Ein trainierender Feuerwehrmann begann sofort mit der Reanimation, während andere Mitarbeiter des Sportkomplexes den Defibrillator holten und den Notruf alarmierten.

Die Illusion der Sicherheit und die harte Realität

Beide Fälle entlarven das gefährliche Missverständnis, dass Erste Hilfe irgendwie von selbst passiert. Sie passiert nicht. Sie wird organisiert, finanziert und durchgeführt von Menschen, die dafür ausgebildet und bezahlt werden. Die entscheidende Frage an jeden Bürgermeister, jeden Kurort-Direktor und jeden Veranstalter lautet daher: Ist Ihre Sicherheitsvorkehrung nur eine kulisse für die Tourismusbroschüre, oder hält sie einem plötzlichen Herzstillstand stand?

Die Antwort liegt in zwei Faktoren: Präsenz und Präzision. Präsenz von Fachpersonal, das nicht nur braungebrannt aussieht, sondern eine erweiterte Erste-Hilfe-Ausbildung hat. Und Präzision in der Ausrüstung – ein Defibrillator (DESA) muss in weniger als drei Minuten erreichbar sein. Jede Minute ohne Wiederbelebung und Defibrillation reduziert die Überlebenschance um etwa zehn Prozent. In Nerja und Vélez-Málaga hat diese Rechnung diesmal aufgegangen.

Der billigste Rettungsschwimmer ist der teuerste

Es ist an der Zeit, den falschen Sparzwang anzuprangern. An Stränden, bei Sportgroßveranstaltungen, in Freibädern wird oft am Personal und an der Ausrüstung geknausert. Man setzt auf Minimalbesetzung oder auf gut gemeinte, aber überforderte Ehrenamtliche. Das ist fahrlässig. Die heroischen Rettungen der vergangenen Tage sind kein Argument für „Weiter so“, sondern eine scharfe Erinnerung daran, wie knapp wir dem „anders“ schon waren.

Wir feiern die Retter zu Recht. Doch das Applaus-getrommel in den sozialen Netzwerken des Nerjaer Rathauses darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass es eine dauerhafte Verpflichtung braucht. Jeder gerettete Tourist, jeder überlebende Sportler ist ein Beweis dafür, dass Investitionen in Sicherheit keine Kosten sind, sondern eine Versicherung für das menschlichste Gut: das Leben selbst.

Die wahre Touristenattraktion an der Costa del Sol sollten nicht nur Sonne und Sangria sein, sondern das beruhigende Wissen: Sollte das Herz versagen, ist Hilfe da, schnell und kompetent. Nerja und Vélez-Málaga haben es vorgeführt. Nun ist es an allen anderen, nachzuziehen. Bevor das nächste Sommermärchen tragisch endet.

Quellen: Mitteilung des Ayuntamiento de Nerja; Bericht von Málaga Hoy über den Vorfall in Vélez-Málaga.


Quelle: malagahoy.es

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