
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Nach der Flut ist vor der Flut
Zwei Jahre nach der verheerenden Dana-Katastrophe mit 233 Toten zieht die Gewerkschaft UGT eine ernüchternde Bilanz: Gelernt wurde offenbar wenig. Das jüngste Unwetter Adam, das Ende Oktober die Gemeinde Oliva heimsuchte, offenbart nach Ansicht der Gewerkschaft erneut eklatante strukturelle Schwächen im spanischen Katastrophenschutzsystem. "Wir haben aus der Dana von 2024 nichts gelernt – Sicherheit darf nicht von der Postleitzahl abhängen", bringt es Almanzor Guerra, Bundesverantwortlicher der Feuerwehr-Sparte der UGT, auf den Punkt.
Ein System am Limit
Das Szenario, das die Gewerkschaft bei einer Pressekonferenz skizzierte, ist alarmierend. Während die Unwetter-Katastrophe von 2024 eine Fläche von 564 Quadratkilometern und 75 Gemeinden traf, genügte schon der deutlich kleinere Sturm Adam, der lediglich die 84 Quadratkilometer große Gemeinde Oliva verwüstete, um die Ressourcen der Region bis zum Äußersten zu strapazieren. Um eingeschlossene Menschen zu retten, mussten Feuerwehrkräfte aller drei Provinz-Konsortien der Valencianischen Gemeinschaft mobilisiert und 13 Hubschrauber eingesetzt werden. "Hätte Adam mehrere Gemeinden getroffen, wären die Kapazitäten erneut restlos überfordert gewesen", warnt Guerra.
Die Kernforderung der Gewerkschaft ist daher ein staatliches Rahmengesetz für das Feuerwehrwesen, das die Koordination der rund 22.000 Einsatzkräfte in etwa 130 Dienststellen landesweit verbindlich regelt. Ein solches Gesetz soll einen automatischen Aktivierungsmechanismus schaffen, der nicht länger vom politischen Willen einzelner Regionalregierungen abhängt, sondern auf operativen und technischen Entscheidungen basiert. Kernpunkte sind ein landesweites Ressourcenverzeichnis sowie klare Prozeduren für die länderübergreifende Mobilisierung von Personal und Material. "Katastrophen kennen keine Provinzgrenzen, aber unsere Zuständigkeiten sind streng nach Verwaltungsgrenzen zerschnitten", kritisiert Guerra.
Kritik an politischer Willkür
Besonders bitter ist für die Einsatzkräfte die Erinnerung an die Tage nach der Flutkatastrophe von 2024. Helios Martín, der selbst an vorderster Front an Rettungsaktionen beteiligt war, berichtet von der "Verzweiflung in den Gesichtern der Bürger, die tagelang in ihren Häusern festsaßen, während Kollegen anderer Verwaltungen bereitstanden, aber nie angefordert wurden". Die Kooperation im Ernstfall dürfe kein Akt politischer Gnade sein, sondern müsse gesetzlich verankert werden. "Wir müssen die Einsatzleiter entscheiden lassen, nicht die Politiker", fordert Martín.
Prekäre Finanzlage statt Aufarbeitung
Hinzu kommt ein chronischer Geldmangel, der die Handlungsfähigkeit der Feuerwehr weiter untergräbt. Die Gewerkschaft beziffert den Anteil der Regionalregierung am Budget des Konsortiums von Valencia auf magere zehn Prozent. Von den insgesamt 106 Millionen Euro trägt die Generalitat gerade einmal 9,9 Millionen. Seit der Katastrophe von 2024 wurde dieser Beitrag lediglich um 300.000 Euro erhöht – ein Tropfen auf den heißen Stein, bedenkt man, dass allein ein neues Löschfahrzeug rund 500.000 Euro kostet. Die Folge ist ernüchternd: Neue Fahrzeuge werden erst für 2028 erwartet, in der Zwischenzeit muss man sich die Einsatzfahrzeuge über Umwege wie Gebrauchtkäufe von anderen Konsortien beschaffen.
Mangelnde Ausrüstung trotz Vereinbarungen
Auch beim Personal hakt es gewaltig. Obwohl der Tarifvertrag mit dem Konsortium verbindliche Personalaufstockungen bei Unwetterwarnungen vorsieht, wurden diese in der Praxis nur in zwei von sechs Hauptwachen umgesetzt. In den übrigen Stationen mussten die Kräfte im Normaldienst die erhöhte Risikolage abarbeiten – vielerorts sogar ohne Führungspersonal vor Ort. Für die Gewerkschaft ist das ein doppeltes Versagen: einerseits das Versäumnis, aus den Lehren der Vergangenheit Konsequenzen zu ziehen, andererseits das Ignorieren selbst bindender Vereinbarungen zur Sicherheit der eigenen Leute und der Bevölkerung.
Wie die Gewerkschaft in ihrer Stellungnahme hervorhebt, geht es nicht darum, konkrete Fehler im Einzelfall zu benennen, sondern darum, ein System zu schaffen, das bei künftigen Extremwetterlagen – die durch den Klimawandel weiter zunehmen werden – automatisch und zuverlässig greift. Das Modell aus dem Jahr 1985, auf dem die aktuelle Gesetzgebung basiert, sei schlichtweg überholt. "Wir hoffen, dass die Politik diesmal zuhört, bevor die nächste Katastrophe uns alle eines Besseren belehrt", so der Tenor der Gewerkschaftsvertreter.
Quelle: europapress.es