Murcia wirft Madrid „Dejadez“ vor

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Cartagena

Murcia wirft Madrid „Dejadez“ vor

von Redaktion2 Min. Lesezeit

Ein „Coladero“ namens Murcia

Die Region Murcia sei zum Einfallstor für illegale Einwanderung geworden – und das sei nicht etwa das Werk übermächtiger Schlepperbanden, sondern schlichtes Versagen der Madrider Behörden. Mit dieser unmissverständlichen Ansage ist Fernando López Miras am Dienstag in Brüssel aufgetreten und hat der Zentralregierung einen eklatanten Vertrauensbruch vorgeworfen. Die Vorwürfe des konservativen Regionalpräsidenten könnten schwerer nicht wiegen: Wer die Sicherheit an den Küsten vernachlässigt, so seine Botschaft, mache das Mittelmeer erst zum Massengrab und die Region zum Stein des Anstoßes.

Kein Wort aus Madrid: Ein Betriebsunfall der Demokratie?

Hintergrund der harschen Kritik sind die Ereignisse vom vergangenen Montag, als vor Cartagena gleich sieben Patrouillenboote mit insgesamt 101 Menschen an Bord abgefangen wurden – darunter 83 Männer, vier Frauen und 14 Minderjährige. Doch während die Einsatzkräfte auf dem Meer Übermenschliches leisten, herrscht in den Amtsstuben des Innenministeriums offenbar Funkstille. López Miras geißelte in diesem Zusammenhang das Informationsverhalten der Regierung in Madrid als skandalös: „Wir erhalten null Informationen, wir wissen nichts, wir erfahren nur das, was wir in den Medien lesen können.“ Eine solche Praxis, so der Regionalchef weiter, habe mit institutioneller Loyalität nichts mehr zu tun. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass hier der Anspruch auf einen geordneten Rechtsstaat öffentlich ad absurdum geführt wird.

Kläglicher Zustand der Küstenwache: Ein Sicherheitsrisiko

Doch der Regierungschef belässt es nicht bei der Informationsblockade, sondern zielt auf das Herzstück des Problems: die mangelhafte Ausstattung der Sicherheitskräfte. Besonders das Servicio Marítimo der Guardia Civil sei chronisch unterfinanziert und technisch am Limit. So sollen laut López Miras mehrere Patrouillenboote über Monate hinweg in Werften gelegen haben, anstatt auf dem Meer zu kreuzen. Man muss sich die Lage einmal bildlich vorstellen: Während die Schlepper ihre Schiffe stetig erneuern und ihre Routen optimieren, dümpeln die staatlichen Abwehrkräfte in der Werft. Einem solchen Missstand begegnet man nicht mit Sonntagsreden, sondern mit Investitionen – oder eben mit der bitteren Erkenntnis, dass die Region zum „Coladero“, sprich: Durchlauferhitzer für die Flüchtlingsströme, verkümmert.

Mafia statt Willkommenskultur: Ein Kampf gegen die Zeit

Der Regionalpräsident stellt unmissverständlich klar, dass es hier nicht um humanitäre Debatten, sondern um knallharte Kriminalitätsbekämpfung geht. Im Zentrum des Geschehens stünden „Mafias, die mit Menschen handeln“, gegen die es eine lückenlose Präventionskette brauche. Wenn Polizei und Guardia Civil in der Region nicht ausreichend präsent seien, so López Miras, würden die Schlepperbanden ihre Aktivitäten unweigerlich weiter ausbauen. Man mag über den Ton streiten, nicht aber über den Kern der Aussage: Eine unterbesetzte und teils stillgelegte Flotte ist nicht nur ein Sicherheitsrisiko, sondern eine Einladung an das organisierte Verbrechen, das sich die Schwäche des Staates längst zunutze gemacht hat. Wie spanische Medien wie „Europa Press“ berichten, schwelt der Konflikt zwischen Murcia und der Zentralregierung schon länger – nun aber hat er eine neue Eskalationsstufe erreicht.


Quelle: europapress.es

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