
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Moderne Schmuggelboote überfordern die Guardia Civil
Die Zeiten, in denen Migranten in überladenen Schlauchbooten die spanische Küste erreichten, sind vielerorts vorbei. Wie die wichtigsten Verbände der Guardia Civil berichten, setzen Schlepperbanden zunehmend auf hochmoderne Schnellboote, die bislang vor allem im Drogenhandel zum Einsatz kamen. Besonders an den Küsten von Murcia und den Balearen führt das zu einer neuen Dimension der irregulären Migration, gegen die die Behörden nach eigener Aussage kaum ein Mittel haben.
Die kriminellen Netzwerke hätten ihr Geschäftsmodell erweitert, erklärt Juan García Montalbán von der Vereinigung AUGC in Murcia. Früher seien Migranten in einfachen Holzbooten oder kleinen Fiberglasbooten mit schwachen Motoren transportiert worden. Heute kämen sie in sogenannten Narcolanchas, die Geschwindigkeiten erreichen, die für die Verfolger kaum zu halten sind. „Es sind dieselben Boote, die für den Drogentransport genutzt werden. Die Mafias haben gemerkt, dass sich mit dem Transport von Menschen ähnlich hohe Gewinne erzielen lassen“, so Montalbán.
Diese Entwicklung hat auch die Taktik der Schlepper verändert. Die Boote, die teils bis zu 70 Menschen aufnehmen, legen in Nordafrika ab und erreichen die spanische Küste in wenigen Stunden. Die Landung selbst dauert nur Sekunden, bevor die Boote wieder auf hohe See fliehen. „In drei bis vier Stunden schaffen sie es von Algerien bis vor Murcia“, präzisiert der Gewerkschaftsvertreter.
Verlagerung von Andalusien nach Murcia
Die Gründe für die Verlagerung der Routen sind nach Ansicht der Beamten naheliegend. Der Druck auf die Schlepper im Bereich der Straße von Gibraltar ist in den vergangenen Jahren erheblich gestiegen. „Die Banden suchen sich Gebiete, in denen die Überwachung weniger dicht ist. In Andalusien gibt es mehr Seepatrouillen und mehr spezialisierte Einheiten. Also weichen sie nach Murcia aus“, sagt David Aguilar, Sprecher der Vereinigung JUCIL in der Region.
Entscheidend sei jedoch die technische Überlegenheit der Kriminellen. Die eingesetzten Boote sind schneller als die Schiffe der Guardia Civil. „Wir bräuchten mindestens 55 bis 60 Knoten, um mithalten zu können. Die haben wir nicht“, beklagt Montalbán. Diese Lücke macht es den Behörden nahezu unmöglich, die Fluchten zu verhindern.
Hinzu kommt eine besonders brutale Praxis: Wie die Beamten schildern, zögern die Schlepper nicht, ihre Passagiere bei einer Verfolgungsjagd über Bord zu werfen. „Drogen sind für sie wertvoll, die werfen sie nicht so schnell weg. Bei den Migranten ist das anders, das Geld haben sie ja schon kassiert“, so Montalbán. Häufig ende eine Verfolgungsjagd daher in einer Rettungsaktion. Die Beamten fordern deshalb, zumindest die Rückkehr der leeren Boote nach Nordafrika zu unterbinden – auch das scheitert bislang an der fehlenden Geschwindigkeit der eigenen Flotte.
Murcia als neuer Brennpunkt
Die Zahlen belegen die Entwicklung. Wie aus einem Bericht des nationalen Polizeizentrums für Einwanderung und Grenzen hervorgeht, ist Murcia in diesem Jahr die Provinz mit den meisten Ankünften auf dem Festland. Bis Ende Juli wurden dort 2.024 Migranten registriert – ein Anstieg von 125 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Almería folgt mit 1.744 Ankünften, verzeichnet aber einen Rückgang von 17 Prozent.
Die jüngsten Wochen haben die Bilanz weiter ansteigen lassen. Schätzungen der Verbände zufolge liegt die Zahl für Murcia inzwischen bei rund 3.700. Allein an einem Montag wurden sieben Boote mit mehr als hundert Menschen vor der Küste abgefangen und nach Cartagena gebracht. Der regionale Regierungschef Fernando López Miras wirft dem Innenministerium vor, die Region zum „Durchlauferhitzer“ für irreguläre Migration zu machen. Ohne mehr Personal und bessere Ausrüstung werde sich daran nichts ändern, so seine Kritik.
Auch auf den Balearen steigt der Druck. Bis Ende August kamen dort 6.408 Menschen über den Seeweg an, ein Plus von 9,7 Prozent. Die Route über das Mittelmeer gewinnt damit wieder an Bedeutung, während die Zahlen auf den Kanarischen Inseln deutlich zurückgegangen sind – um 44,5 Prozent. Die Einsätze reißen nicht ab: Erst am Dienstag wurden 84 Migranten in sechs Booten vor Formentera, Cabrera und Ibiza aus dem Wasser geholt.
Quelle: 20minutos.es