
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Moclín macht die Casa de los Maestros zum Tourismusmagnet
Ein Ort mit Geschichte wird zum Knotenpunkt für Gäste
Während andernorts historische Gebäude vor sich hin rotten, zeigt die Gemeinde Moclín im Norden Granadas, wie man mit Weitsicht und europäischen Geldern Strukturen schafft, die weit über einen schicken Anstrich hinausgehen. Die Sanierung der alten Casa de los Maestros war erst der Anfang. Jetzt sucht der Ort einen Partner, der aus den Gemäuern ein echtes Empfangszentrum macht – und damit die Wertschöpfung im Dorf hält, statt sie an anonyme Online-Portale zu verlieren.
Ein strategischer Schachzug für die lokale Wirtschaft
Die Zeiten, in denen die marode Immobilie am Ortseingang ein Schandfleck war, sind dank einer Investition von 150.000 Euro aus dem staatlichen PIREP-Programm beendet. Doch wer glaubt, damit sei die Arbeit getan, verkennt die Ambition des Rathauses. Es geht nicht um ein weiteres Museum mit verstaubten Exponaten. Das Konzept ist clever: Die neue Einrichtung soll als Drehscheibe für alle dienen, die Moclín besuchen – ob Pilger auf dem Camino Mozárabe, Mountainbiker oder Kulturinteressierte, die die Festung erkunden wollen.
Bürgermeister Marco Antonio Pérez macht deutlich, worum es ihm geht: Sichtbarkeit und Synergien für das lokale Gewerbe. Die Idee, dass ein zentraler Anlaufpunkt die Gäste nicht nur informiert, sondern auch zu Gastronomie und Handel im Dorf lotsen soll, ist ebenso simpel wie effektiv. Kritiker, die in der niedrigen monatlichen Pacht von 350 Euro ein Zeichen von Kleingeistigkeit sehen, übersehen den Hebel: Im ersten Jahr ist die Miete sogar komplett erlassen. Das ist kein Almosen, sondern eine Einladung an kreative Köpfe, mit geringem Risiko ein tragfähiges Konzept zu entwickeln.
Mehr als nur ein Infoschalter
Die Ausschreibung ist bewusst breit gefasst. Von Coworking-Spaces für digitale Nomaden bis hin zum Verkaufsladen für regionale Souvenirs ist alles denkbar. Diese Offenheit ist kein Zeichen von Beliebigkeit, sondern von pragmatischem Denken. Die Gemeinde braucht keine Visionäre, die Luftschlösser bauen, sondern Betreiber, die den 440 Quadratmetern Leben einhauchen. Dass bei der Vergabe Wert auf Öffnungszeiten, Barrierefreiheit und die Schaffung lokaler Arbeitsplätze gelegt wird, zeigt, dass hier nicht an der Realität vorbeigeplant wird.
Wer jetzt einwendet, ein Besucherzentrum sei im Zeitalter von Smartphone und App doch überflüssig, der verkennt die soziale Komponente. Gerade in ländlichen Regionen ist die persönliche Beratung unschlagbar. Und wenn dann noch die Chance besteht, dass der „Visitor“ nicht nur durch den Ort eilt, sondern verweilt, hat sich das Projekt bereits gelohnt. Die Frist bis zum 12. November ist eine einmalige Gelegenheit für alle, die den Mut haben, ein Stück andalusisches Erbe mitzugestalten. Wer jetzt zögert, wird sich später wundern, warum andere den Zuschlag erhalten haben.
Wie Europa Press berichtet, ist die Vergabe an eine Laufzeit von zunächst zwei Jahren mit Verlängerungsoption gekoppelt – ein Modell, das Planungssicherheit für beide Seiten bietet. Die Weichen sind gestellt; nun liegt es an den Bewerbern, das Rennen zu machen.
Quelle: europapress.es