
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Milei eskalierrt: „Dictador" gegen Sánchez
Ein Besuch als Provokation
Diego Milei gibt sich in Madrid keine Blöße. Bei einem Forum Europa Frühstück hat der argentinische Präsident seine berüchtigte Grobheit zur Schau gestellt. Sein Ziel: Pedro Sánchez, den er unverblühmt als „Präsidenten der sozialistischen Tyrannei" bezeichnete und zu einem „Buhmann" stilisierte. Dies war kein diplomatischer Schlagabtausch, sondern eine Kampfansage. Der Libertäre nutzte die Bühne, um den Spaniern kurz vor der Wahl am 29. November klarzumachen, wohin ihrer Ansicht nach die Reise geht: weg von den Sozialisten, hin zu seinen „Freunden" – Vox-Chef Santiago Abascal und Madrids Regionalpräsidentin Isabel Díaz Ayuso.
Die „Botschaft aus der Zukunft"
„Ich komme aus dem, was eure Zukunft sein könnte", posaunte Milei in die Runde. Ein Satz, der wie eine Drohung wirkt, wenn man die wirtschaftliche Realität Argentiniens betrachtet. Doch Milei versteht sich als Lehrmeister: Er fordert die Spanier auf, aus den argentinischen Fehlern zu lernen. Die harsche Botschaft an Sánchez: „Ich werde nicht zu einem Dieb gehen." Damit eskalierte er den Konflikt weiter, der durch seine bisherigen sieben Spanienreisen ohne ein einziges Treffen mit dem Regierungschef ohnehin schon bestand.
Attacke gegen Sánchez: „Pedrito ist korrupt"
Milei scheute keine persönliche Ebene. „Pedrito ist garantiert korrupt", rief er in den Saal und bezog sich dabei auf angebliche Justizfälle gegen den spanischen Premier. Der PSOE reagierte genervt. Vor der Parteizentrale in der Ferraz-Straße entrollten Anhänger ein Transparent mit der Aufschrift „Zurdos". Sánchez selbst postete auf X: „Wir sind die, die nicht schweigen." Milei winkte ab: „Sie können schreiben, was sie wollen, es berührt mich nicht." Eine Ansage mit Ansage: Der Argentinier will nicht diskutieren, er will polarisieren.
Gezielte Botschaften an Abascal und Ayuso
Stattdessen setzt er auf die Konservativen im Land: Abascal und Ayuso, seine „Freunde mit guten, gesunden Ideen". Mit Ayuso war ein Treffen anberaumt – ein weiteres Zeichen der Unterstützung. „Sie haben Ideen, um Spanien aus der Dekadenz zu führen", lobte er. In diesem Zusammenhang warf er Sánchez vor, mit seiner Migrationspolitik eine „Invasion" zu fördern. „Genau das sehen wir in Ceuta: Jeder Einwanderer ist eine potenzielle Stimme für die Sozialisten", so Milei. Dass die spanische Exklave in Nordafrika jüngst mit einer massiven Migrationswelle zu kämpfen hatte, deutet er als bewusste Taktik der Regierung.
Ein fragiler Höflichkeitsbesuch
Überraschend freundlich fielen seine Worte über König Felipe VI. aus: „Mit ihm habe ich eine exzellente Beziehung." Dass sie sich bei Amtseinführungen in Peru und Kolumbien getroffen haben, wurde hervorgehoben. Einen offiziellen Besuch im Zarzuela-Palast gab es aber auch diesmal nicht. „Agenda-Technik", wie Milei betonte. Ob er an der Iberoamerika-Konferenz teilnimmt, ließ er offen. Man prüfe das, sagte er. Die Botschaft bleibt: Der Provokateur aus Buenos Aires gibt sich in Madrid die Ehre, nicht um zu versöhnen, sondern um zu spalten. Ob seine Worte Wirkung zeigen, entscheiden die Spanier am 29. November. Wie die Zeitung El País berichtet, wird diese Wahl auch als Referendum über die Zukunft des Landes gesehen.
Quelle: europapress.es