Mehr als 125.000 Ortsnamen für Valencia

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Benidorm

Mehr als 125.000 Ortsnamen für Valencia

von Clara Weber

Ein titanisches Projekt für die Kultur

Stellen Sie sich vor, Sie könnten die Landschaft Ihrer Region nicht nur sehen, sondern auch ihre Geschichte hören. Genau das tun Ortsnamen: Sie sind lebendige Archive der kollektiven Erinnerung und kulturellen Identität. Die Valencianische Sprachakademie (AVL) hat nun ein monumentales Werkzeug vorgestellt, das diesen Schatz systematisch erschließt: den neuen Nomenclàtor Toponímic Valencià. Die digitale Plattform macht über 125.000 normierte und georeferenzierte Ortsnamen der Region öffentlich zugänglich.

Nach mehr als zwei Jahren Arbeit und unter Beteiligung von über tausend Personen – von akademischen Experten bis hin zu lokalen Landwirten und Fischern – ist das Verzeichnis nun online. Es löst das letzte große Corpus aus dem Jahr 2009 mit 50.000 Einträgen ab und verdoppelt diese Zahl mehr als. Mit einer Dichte von 5,4 normierten Toponymen pro Quadratkilometer führt es, wie die AVL betont, das Ranking aller offiziellen Namensverzeichnisse in Spanien an.

Mehr als nur Namen: Normierung und Praxis

Das Projekt hat eine klare doppelte Ausrichtung: Es ist normativ und praktisch. Die erfassten Toponyme sind offiziell und damit verbindlich für die öffentliche Beschilderung, amtliche Kartografie und Verwaltungsdokumente. Die Akademie fordert die Gemeinden nun ausdrücklich auf, nicht normierte Schreibweisen entsprechend anzupassen.

Gleichzeitig ist der Nomenclàtor als Service für die Öffentlichkeit konzipiert. Journalisten, die eine Route planen, Lokalhistoriker auf Spurensuche oder Programmierer, die eine App entwickeln wollen – sie alle finden hier eine verlässliche Grundlage. Die Benutzeroberfläche ist an das bekannte Valencianische Normwörterbuch angelehnt und bietet sowohl einfache als auch erweiterte Suchfunktionen. Nutzer können nach Ortsteilen, Sprache, Gemeinde oder Toponym-Typ filtern und sogar historische Dokumentation einsehen oder eigene Vorschläge einreichen.

Die Sprache der Landschaft: Einblicke und Herausforderungen

Hinter den nackten Zahlen steckt eine immense linguistische Kleinarbeit. Die Onomastik-Sektion der AVL hat jeden der 125.000 Einträge „eins zu eins“ lemmatisiert, also in seine Grundform zerlegt und von bestimmten Artikeln befreit. Dies ergab 17.237 Lemmata im valencianischsprachigen und 10.861 im überwiegend spanischsprachigen Gebiet der Region.

Diese Unterscheidung wirft interessante Schatten. In touristisch geprägten Gegenden wie Benidorm finden sich vermehrt fremdsprachige Einflüsse – „es gibt viele ‘Hills’“, merkten die Akademiemitglieder in der Präsentation an. In weitläufigen, eher spanischsprachigen Gebieten wie um Requena herum ist die Namensdichte dagegen geringer, da die Flurstücke oft sehr groß sind und viele alte Bezeichnungen nicht mehr rekonstruiert werden konnten.

Ein Fundament für die Zukunft

Für die Akademie ist dies mehr als eine Datenbank. „Dieses Werk markiert ein Vorher und ein Nachher im Bereich der Toponymie“, sagte Akademiemitglied Ramon Ferrer. Seine Kollegin Immaculada Cerdà betonte den Service-Charakter: „Ortsnamen sind das Erbe aller, und alle müssen sich ihnen auf klare, schnelle und zugängliche Weise nähern und Nutzen daraus ziehen können.“

Die Plattform zeigt bewusst auch die Diskrepanz zwischen normativer und offizieller Schreibweise auf, wie sie teilweise in den Verzeichnissen des Nationalen Statistikinstituts (INE) vorkommt. So wird Transparenz geschaffen. Das Fazit der Akademie, über die Europa Press berichtete, ist klar: Mit diesem Nomenclàtor übergibt sie den Menschen in Valencia ein grundlegendes Werkzeug, um die sprachliche Landkarte ihrer Heimat zu verstehen, zu pflegen und weiterzutragen.


Quelle: europapress.es

Mehr aus Benidorm & Valencia