
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Marxistische Jugend mischt Spaniens Proteste auf
Neue Akteure auf der Straße
Bei den jüngsten Protestwellen in Spanien sind vermehrt rote Fahnen zu sehen. Wer hinter diesen Symbolen steckt, ist jedoch weniger bekannt. Wie die Zeitung Público berichtet, handelte es sich dabei nicht um traditionelle sozialdemokratische Kräfte, sondern um junge marxistische Gruppierungen, die sich in den letzten Jahren formiert haben.
Ursprung im Baskenland
Die Bewegung entstand 2018 im baskischen Raum. Auslöser war die Spaltung zwischen der Studentenorganisation Ikasle Abertzaleak und Ernai, den Jugendorganisationen der Partei Sortu, die heute Teil von EH Bildu ist. Aus dieser Trennung gingen mehrere Gruppen hervor, die sich von der traditionellen linken Nationalbewegung abwandten, darunter Gazte Koordinadora Sozialista (GKS), Itaia, Erraki und Ekida.
2023 schlossen sich diese Kräfte zum Consejo Socialista de Euskal Herria (EHKS) zusammen. Ein Jahr später expandierte die Bewegung unter dem Namen Coordinadora Juvenil Socialista (CJS) nach Madrid, Aragonien und Andalusien. Die Aktivisten betonen, ihr Ziel sei die "Emanzipation des Proletariats" und sie vertreten einen antiimperialistischen und antikapitalistischen Kurs.
Organisationsstruktur und Ziele
Die CJS versteht sich als revolutionäre Kraft. In ihren Positionspapieren heißt es, nur die "unabhängige und revolutionäre politische Aktion des globalen Proletariats" könne die Menschheit aus der aktuellen Krise führen. Sie beruft sich dabei auf die Tradition des Marxismus-Leninismus.
Über reine Straßenproteste hinaus baut die Organisation Strukturen auf. Im September 2024 gründete sie die Organización Estudiantil Socialista (OES) für den Bildungsbereich. Seit Januar 2025 existieren zudem die Asambleas de la Juventud Trabajadora (AJT), die in Städten wie Madrid, Saragossa, Sevilla und Murcia aktiv sind. In Katalonien und Galicien bestehen mit Horitzó Socialista und Creba Socialista eigene Schwesterorganisationen. Auch ehemalige Mitglieder der Jugendorganisation der Kommunistischen Partei Spaniens (PCE) haben sich angeschlossen.
Position zur Wohnungsfrage
Die CJS sieht die Wohnungsnot als Symptom eines ausbeuterischen Wirtschaftssystems. Die jüngsten Wohnungsdekrete der Regierung bezeichnen ihre Sprecher als "unzureichende Pflaster". Stattdessen fordert die Organisation die Enteignung von Spekulationsobjekten und eine staatliche Planung des Wohnungsmarktes.
Internationale Solidarität
Neben der Wohnungsfrage engagiert sich die CJS in mehreren Bereichen. Sie lehnt die NATO ab und unterstützt Palästina. Im November 2024 startete die Gruppe eine Kampagne gegen eine angebliche "Agenda aus Krieg, Austerität und Völkermord" der EU und NATO. Zudem kritisiert sie Angriffe auf den Iran, Venezuela, Jemen und Somalia und positioniert sich gegen Rassismus und die Kriminalisierung von Migranten.
Die Bewegung versteht sich als Keimzelle für eine zukünftige europäische kommunistische Partei. Aktuell agiert sie jedoch weniger als klassische politische Kraft, sondern eher als soziales Bewegungsnetzwerk, das via Straßenprotesten und Nachbarschaftsarbeit Einfluss nimmt.
Quelle: 20minutos.es
Quelle: 20minutos.es