
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Marbella zieht die Zügel an
Marbella hat ein Problem mit seiner Vergangenheit – und arbeitet fieberhaft daran, es zu lösen. Während andere Städte längst im 21. Jahrhundert angekommen sind, klebte an der Costa del Sol jahrzehntelang ein Planungsinstrument aus dem Jahr 1986 wie eine Ewigkeit. Doch nun soll Schluss sein mit der rechtlichen Grauzone. Die Stadtverwaltung lud kürzlich mehr als hundert Fachleute in den Palacio de Congresos Adolfo Suárez, um den frisch bestätigten Generalplan (PGOM) zu zelebrieren. Das Interesse war enorm – und das aus gutem Grund.
Ein Meilenstein mit Ansage
Bürgermeisterin Ángeles Muñoz machte keinen Hehl daraus, dass dieser Schritt historisch ist. Wer in Marbella bauen will, der tat dies bislang im Ungewissen. Ein veralteter Plan, überholte Gesetze, endlose Verfahren – das war gestern. Der neue PGOM, der im September endgültig abgesegnet wurde, sei eine „grundlegende Werkzeugkiste“ für die kommenden Jahrzehnte, so Muñoz. Man wolle nicht weniger, als die Stadt für die nächsten 20 bis 25 Jahre neu denken. Das klingt ambitioniert, ist aber vor allem eines: dringend nötig.
Zahlen, die beeindrucken sollen
Konkret ermöglicht der Plan Umbau- und Transformationsmaßnahmen auf einer Fläche von rund 2,86 Millionen Quadratmetern urbanem Boden. Davon sollen 20 Prozent dem geförderten Wohnungsbau zugutekommen, zehn Prozent wandern in die Stadtkassen – ein cleverer Schachzug, um öffentliche Projekte gegenzusteuern. Hinzu kommen bis zu 30 Millionen Quadratmeter ländlicher Flächen, die unter bestimmten Auflagen entwickelt werden dürfen. Wer jetzt denkt, das sei ein Freibrief für Betonwüsten, liegt falsch. Die Stadtverwaltung betont, dass alle Berichte und Gutachten vorliegen und der Plan mit der andalusischen Gesetzgebung konform gehe.
Kritische Stimmen? Fehlanzeige
Natürlich ließe sich einwenden, dass solche Veranstaltungen schnell zu Selbstdarstellungsrunden verkommen. Doch die Anwesenheit von Vertretern der Architektenkammer, der technischen Architekten sowie der Telekommunikationsingenieure spricht für sich. Auch die Junta de Andalucía war mit hochrangigem Personal vertreten. Man gab sich betont harmonisch, und genau das ist bemerkenswert. Denn selten herrscht zwischen Kommunalpolitik, regionaler Verwaltung und privater Bauwirtschaft ein so geschlossenes Bild. Landtagsdirektorin Mari Carmen Moreno und die technische Koordinatorin Ana López moderierten den Austausch – mit dem Ziel, Reibungsverluste zu minimieren.
Der Geist von LISTA
Ein zentraler Punkt war die neue andalusische Bodenpolitik, die unter dem Kürzel LISTA firmiert. Vereinfachte Verfahren, schnellere Genehmigungen, weniger Bürokratie – so der Anspruch. Doch um den Prozess wirklich zu beschleunigen, braucht es nicht nur gute Gesetze, sondern auch eine Verwaltung, die mitzieht. Marbella habe daher „vereinfachte Protokolle“ eingeführt, um Projekte zügig auf den Weg zu bringen. Man will verhindern, dass Investoren in bürokratischen Mühlen zerrieben werden, während die Konkurrenz in Dubai oder Miami längst baut. In diesem Zusammenhang betonte Muñoz, wie wichtig es sei, dass von Anfang an vollständige Unterlagen eingereicht würden – eine Botschaft an all jene, die es immer noch mit der alten Sorglosigkeit versuchen möchten.
Mehr als nur heiße Luft?
Die Veranstaltung war zweifellos ein Signal. Nicht nur weil sie gut besucht war, sondern weil sie eine Abkehr von den Grabenkämpfen der Vergangenheit symbolisiert. Die Decana des Architektenkollegs von Málaga, Susana Gómez de Lara, ließ sich blicken – ebenso wie Vertreter der Techniker-Kammern. Dass die Stadt den Schulterschluss mit den Multiplikatoren sucht, ist klug. Denn ein Plan ist nur so gut wie seine Umsetzung.
„Marbella hat jetzt die besten Voraussetzungen, um mit Garantien zu wachsen und sich als Referenzdestination zu festigen“, verkündete die Bürgermeisterin mit Blick auf die Zukunft. Man kann das als Wahlkampfrhetorik abtun – oder als den dringend benötigten Schlussstrich unter eine Ära der Planlosigkeit. Wie die Zeitung Diario Sur aus Málaga berichtete, gehen die Arbeiten am nächsten Schritt, dem neuen städtischen Ordnungsplan (POU), bereits weiter. Marbella will also nicht nur reden, sondern liefern.
Ob die große Investitionswelle wirklich anrollt, wird sich in den nächsten Jahren zeigen. Eines jedoch ist jetzt schon Tatsache: Die Stadt hat die Weichen gestellt – und zwar in die richtige Richtung. Das ist mehr, als viele andere Urlaubsdestinationen an der spanischen Küste von sich behaupten können.
Quelle: diariosur.es