Marbella stockt Sozialhilfe um 15 Prozent auf

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Marbella

Marbella stockt Sozialhilfe um 15 Prozent auf

von Redaktion3 Min. Lesezeit

Volle Auszahlung trotz klammen Haushalts

Während andere Kommunen an der Costa del Sol bei Sozialleistungen den Rotstift ansetzen, geht Marbella den umgekehrten Weg. Die Stadtverwaltung hat die komplette Finanzspritze für 32 soziale Einrichtungen freigegeben – und zwar zu 100 Prozent. Nach Angaben der zuständigen Stadträtin Isabel Cintado flossen alle Mittel aus den laufenden Verträgen und Förderbescheiden planmäßig an die Organisationen. Das klingt nach Selbstverständlichkeit, ist in der Kommunalpolitik aber alles andere als üblich. Viele Städte schieben entsprechende Zahlungen Monate vor sich her oder kürzen sie im Nachhinein.

Mehr Geld für Verbände und Notfallhilfe

Der Rathaus-Deal sieht vor, dass das Budget für die Sozialverbände im kommenden Jahr um satte 15 Prozent angehoben wird. Bürgermeisterin Ángeles Muñoz hatte diesen Schritt bereits im Frühjahr angekündigt – nun folgen die konkreten Zahlen. Die Gelder verteilen sich auf ein breites Spektrum: Frauenhilfe, Seniorenbetreuung, Unterstützung für Menschen mit seltenen Krankheiten, Inklusionsprojekte und Schulungen für Ehrenamtliche. Die Stadtverwaltung betont, man wolle mit der Erhöhung „eine angemessene Antwort auf die Bedürfnisse der Bürger“ geben.

Kritiker könnten einwenden, dass solche Ankündigungen oft wohlfeil sind, solange die tatsächliche Umsetzung auf sich warten lässt. Doch im Fall von Marbella stimmt die Realität immerhin teilweise mit dem Versprechen überein: Die laufenden Mittel wurden vollständig ausgezahlt, und die Stadt verweist auf eine Erfolgsbilanz, die sich sehen lassen kann.

Tarjeta Monedero statt Almosen

Besonders bemerkenswert ist das Festhalten am Konzept der sogenannten Tarjeta Monedero – einer Geldkarte, mit der Bedürftige direkt in Supermärkten einkaufen können. Seit der Einführung 2021 sind dafür fast 1,2 Millionen Euro geflossen. Die Stadt verteidigt dieses Modell mit einem Argument, das man nicht so schnell wegwischen kann: Es wahren die Würde der Menschen. „Niemand sollte stigmatisiert werden, weil er in einer bestimmten Lebensphase Hilfe braucht“, sagt Cintado. Der Wechsel vom klassischen Suppenküchen-Modell hin zur flexiblen Kartenlösung sei bewusst erfolgt – auch, um die Privatsphäre von Familien mit Kindern zu schützen.

Arbeit statt Almosen: Das neue Mantra der Sozialpolitik

Die Stadträtin bringt es auf den Punkt: „Die beste Sozialpolitik ist Beschäftigung.“ Klingt nach einer Floskel, hat aber konkrete Folgen. Zusammen mit der Bank für Lebensmittel (Bancosol) wurde ein 60.000-Euro-Projekt aufgelegt, das Empfängern von Sozialhilfe den Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt erleichtern soll. Angesichts der guten Beschäftigungszahlen in der Region, die gerne als Aushängeschild der Provinz Málaga präsentiert werden, ist das mehr als nur ein Symbol.

Gleichzeitig weitet die Stadt ihr Notfallprogramm aus: Die Soforthilfen für Familien in akuten Krisen umfassen 2,7 Millionen Euro und werden im nächsten Jahr um weitere 160.000 Euro aufgestockt. Dazu kommen die Zentren für Wohnungslose in Marbella und San Pedro Alcántara, die mit 591.000 Euro ausgestattet sind. Diese Einrichtungen bieten inzwischen ganzjährig Unterstützung an – auch am Wochenende. Ein mobiles Straßenteam soll jene erreichen, die den Weg in die Beratungsstellen von sich aus nicht finden.

Kein Grund zur Selbstzufriedenheit

Regierungssprecher Félix Romero lobt den Einsatz der Stadt: Man setze auf Solidarität, „die sich in Investitionen und finanzieller Anstrengung niederschlägt“. So richtig das klingen mag, so sehr bleibt doch die Frage, ob die Summen angesichts der gestiegenen Lebenshaltungskosten ausreichen. Die Stadträtin räumt selbst ein, dass viele Haushalte Probleme haben, Strom-, Wasser- oder Lebensmittelrechnungen zu stemmen. Dass die Stadt nun nachlegt, ist gut – dass es nötig ist, zeigt die Schieflage, in der sich auch wohlhabende Kommunen wie Marbella befinden.

Wie die Zeitung Diario Sur berichtet, verspricht die Stadtverwaltung, dass niemand zurückgelassen wird. Ob das gelingt, wird sich daran messen lassen, ob die angekündigten Erhöhungen tatsächlich bei den Betroffenen ankommen – und nicht nur in den Broschüren der Rathaus-PR. Allein der Verweis auf 2,7 Millionen Euro Notfallhilfe klingt beeindruckend, doch der Teufel steckt bekanntermaßen im Detail: im Tempo der Auszahlung, im Umfang der Leistungen und in der Frage, ob die Hilfe dort ankommt, wo sie gebraucht wird. Die Ankündigung aus Marbella ist ein Schritt in die richtige Richtung – aber nur der erste.


Quelle: diariosur.es

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